Fachkräftemangel bleibt auch in Corona-Zeiten akut

Trotz hoher Arbeitslosigkeit fehlen in vielen Branchen die Fachkräfte. Wir haben das Ranking der meistgesuchten Berufe.

„Steiermark, wir haben ein Problem“, warnt WKO-Präsident Josef Herk angesichts der neu vorliegenden Daten aus dem steirischen Fachkräfteradar. Dieses weist unserem Bundesland trotz 51.000 Arbeitslosen aktuell einen akuten Mangel an Fachkräften aus. So kommen auf einen arbeitssuchenden Rohrinstallateur im Raum Gleisdorf zum Beispiel mehr als acht (gemeldete!) offene Stellen (0,12). Ähnliches gilt für Techniker mit höherer Ausbildung für Maschinenbau. Hier warten im Raum Graz auf jeden Bewerber aktuell mehr als drei offene Stellen (0,28), im Burgenland dagegen ist die Situation mit einem Stellenandrang von 3,24 genau umgekehrt (mehr zur Stellenandrangsziffer siehe unten). „Für den bevorstehenden Aufschwung könnte dieser Mismatch zum Flaschenhals werden. Hier braucht es eine offene Debatte, wie man soziale Hilfen noch stärker von der Qualifizierungsbereitschaft der Unterstützungsempfänger abhängig macht und wie man nicht zuletzt auch die innerösterreichische Vermittlung am Arbeitsmarkt stärkt – wohlgemerkt nach der Pandemie“, so Herk. 

TOP-15-Mangelberufe in der Steiermark

  1. Diplomingenieur(e)innen für Starkstromtechnik
  2. Diplomingenieur(e)innen für Schwachstrom- und Nachrichtentechnik 
  3. Techniker/innen mit höherer Ausbildung (Ing.) für Starkstromtechnik  
  4. Techniker mit höherer Ausbildung (Ing.) für Datenverarbeitung (m./w.)  
  5. Dachdecker/innen  
  6. Diplomingenieur(e)innen für Datenverarbeitung  
  7. Diplomingenieur(e)innen für Maschinenbau  
  8. Diplomingenieur(e)innen soweit nicht anderweitig eingeordnet  
  9. Schwarzdecker/innen  
  10. Techniker/innen mit höherer Ausbildung (Ing.) für Maschinenbau  
  11. Rohrinstallateur(e)innen, -monteur(e)innen  
  12. Techniker/innen mit höherer Ausbildung für Schwachstrom- und Nachrichtentechnik 
  13. Bautischler/innen 
  14. Sonstige Techniker/innen für Starkstromtechnik
  15. Techniker mit höherer Ausbildung soweit nicht anderweitig eingeordnet (m./w.) 

Demographische Entwicklung

Doch nicht nur die aktuell fehlenden Fachkräfte bereiten der Wirtschaft Sorgen: Durch die demographische Entwicklung rollt eine enorme Pensionierungswelle auf unser Land zu. Innerhalb von nur 15 Jahren hat sich der Anteil der über 50-jährigen unselbständig Beschäftigten in der Steiermark von 68.893 (2005) auf 146.401 (2020) mehr als verdoppelt. Der Anteil der unter 25-Jährigen in den steirischen Firmen hat dagegen im selben Zeitraum von 71.959 auf 59.767 rapide abgenommen. „Man muss kein großer Mathematiker sein, um die Folgen abschätzen zu können. Wir werden in den kommenden Jahren vor der enormen Herausforderung stehen, Fachkräfte im großen Stil nachzubesetzen. Deshalb müssen jetzt alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um die schwindende ,Ressource‘ Jugend bestmöglich zum Einsatz zu bringen“, mahnt Herk. 

Schulabgänger fehlen

Damit dies gelingt, muss vor allem die Bildung gestärkt werden. „Als WKO Steiermark waren und sind wir hier mit unseren Investitionen Talentcenter, Center of Excellence und EuroSkills 2021 sowie unserem breit gefächerten Angebot vom WIFI bis zur FH Campus 02 echte Vorreiter“, so Herk. Derzeit stelle man aber fest, dass an den Schulen vergleichsweise viele Jugendliche durchgewinkt werden, was sich in einem akuten Mangel an Lehrstellenbewerbern manifestiere. „Dadurch droht sich die Fachkräfte-Situation weiter zu verschärfen“, betont Herk. Nicht zuletzt deshalb steht für die Wirtschaftskammer außer Zweifel: Ohne qualifizierte Zuwanderung wird es nach Corona nicht gehen.  

Was sagt die Stellenandrangsziffer über den Fachkräftemangel aus?

Für die Auswertung des aktuellen steirischen Fachkräfteradars wurde die Zahl der Arbeitslosen (ab Lehre) pro offener Stelle als Indikator herangezogen, das Ergebnis daraus ist die sogenannte Stellenandrangsziffer. In der Steiermark lag diese bei qualifizierten Jobs im Jahr 2020 bei durchschnittlich 1,51 und damit nur geringfügig über dem Wert von 2019 mit 1,35. Werte unter 1,5 werden von den Experten der WKO grundsätzlich als Mangel eingestuft, wobei es hier zum Teil massive Unterschiede je nach Branche und Region gibt – in Wien beispielsweise liegt die durchschnittliche Stellenandrangsziffer bei 3,46. 

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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