Pestizide bedrohen auch Österreichs Wildbienenpopulationen

Wildbienen gehören zu den wichtigsten Bestäubern in unserer Landschaft. Neben dem Lebensraumverlust machen ihnen vor allem Pestizide zu schaffen. Eine aktuelle Studie aus Nordamerika zeigt, dass sich Neo-nikotinoide nicht nur direkt durch vergifteten Nektar und Pollen, sondern auch indirekt negativ auf boden-nistende Wildbienen auswirken können. Ein weiterer Anlass für den Österreichischen Wildbienenrat, naturschutzbund | und Biene Österreich ein Verbot dieser Gifte und eine naturverträgliche Landwirtschaft zu fordern.

Bereits 2018 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit festgestellt, dass neonikotinoidhaltige Pestizide ein Risiko für Wild- und Honigbienen darstellen. Ein Forscherteam in Kanada hat nun im Rahmen einer dreijährigen Studie die Auswirkungen unterschiedlicher Behandlungsmethoden mit dem Wirkstoff Imidacloprid in Kürbisversuchsflächen auf die solitäre, bodennistende Langhornbiene (Eucera pruinosa) untersucht. Verglichen zu unbehandelten Flächen etablierte die Wildbienenart in Flächen mit Bodenbehandlung mit Imidacloprid nach der Ansaat um 85 Prozent weniger Nester, sammelte weniger Pollen von Kulturpflanzen und brachte 89 Prozent weniger Nachkommen hervor. Die Pestizid-belastung könnte demnach nicht nur über Nektar und Pollen, sondern auch über den Boden gegeben sein. Anlass zur Sorge beim Einsatz von Neonikotinoiden sollte auch deren Halbwertszeit von bis zu 18 Jahren geben. Die Substanz ist in 18 Jahren also erst zur Hälfte abgebaut, jeder weitere Eintrag vergrößert die absolute Menge an diesen Pestiziden. Darüber hinaus ist die gute Wasserlöslichkeit von Neonikotinoiden bekannt, womit also neben terrestrischen Organismen auch viele aquatische gefährdet werden könnten – mit allen Folgeerscheinungen in den Nahrungsnetzwerken.

Neonikotinoide – Nervengift für Insekten

Diese Insektizide wirken neurotoxisch. Sie schädigen das Nervensystem, sodass Bienen ihr Orientierungsvermögen und Gedächtnis verlieren. Der Wirkstoff Imidacloprid ist in manchen EU-Ländern zwar nur eingeschränkt zugelassen, wird jedoch weiterhin über Notzulassungen ausgebracht. Problematisch ist außerdem, dass die Risikobewertung der Pestizide und die davon abgeleiteten Bienengefährdungsstufen ausschließlich auf Untersuchungen zu Honigbienen und Hummeln basieren. Alle anderen Wildbienen werden dabei nicht berücksichtigt.

Österreichischer Wildbienenrat und Biene Österreich fordern gemeinsam mit dem Naturschutzbund aktiven Schutz bestäubender und blütenbesuchender Insekten

Der Österreichische Wildbienenrat, der im Rahmen der Naturschutzbund-Initiative NATUR VERBINDET gegründet wurde, umfasst 38 Expertinnen und Experten für Insekten, Bestäubungsökologie und Biodiversität. Sie fordern ein dringendes Umdenken: Bestäuberschutz muss das Gebot der Stunde sein – in der Landwirtschaft und bei der Pflege öffentlicher Flächen sowie in Privatgärten. „Es ist dringend an der Zeit, die negativen Auswirkungen unserer derzeitigen Wirtschaftsweise auf Honigbienen, Wildbienen und andere bestäubende bzw. blütenbesuchende Insekten zu vermeiden und wildbienenfreundliche Alternativen zu suchen. Bestäuberschutz muss ein prioritäres Thema in Österreich werden!“, so Hans Neumayer, Sprecher des Wildbienenrats.

Ein wesentlicher Baustein zum Schutz der Wildbienen ist das Verbot des Einsatzes bienengefährlicher Pestizide – wie der Neonikotinoide. „Nicht nur Honigbienen, sondern vor allem Wildbienen sind von den negativen Auswirkungen dieser Pestizide massiv betroffen“, erklärt Stefan Mandl, Obmann der Biene Österreich und Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbundes. Als erster Schritt könnten, wie jetzt schon in Frankreich der Fall, Pestizide im privaten Bereich verboten werden, denn Schätzungen zufolge landen zehn bis zwölf Prozent der in Österreich jährlich etwa 12.915 Tonnen ausgebrachter Pestizide in Gärten. Biene Österreich unterstützt daher die Anstrengungen zum Schutz der Wildbienen. „Was für die Wildbienen gut ist, ist auch gut für unsere Honigbiene“, so Mandl.

Einen Beitrag leisten kann übrigens jede/r: Mit der Unterzeichnung der europäischen Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“ setzt man sich für eine bienenfreundliche Landwirtschaft und eine gesunde Umwelt ein!

Nicht nur über Nektar und Pollen, sondern auch über den Boden belasten Pestizide bodennistende Wildbienen. Im Bild eine heimische Erdhummel bei der Bestäubung einer Kürbisblüte. © Kathrin Grobbauer

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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