Naturerlebnis vs. Forstwirtschaft: Besucherlenkung ist das Ziel!

Der Frühling startete mit fast sommerlichen Temperaturen. Die Natur ruft und die Menschen suchen Entspannung, Erholung und körperliche Ertüchtigung in den Wäldern unserer wundervollen Heimat. Ein Ansturm von Erholungshungrigen überrollt derzeit die Forstwirtschaft, begünstigt durch die zahlreichen Corona Lockdowns. Motorsägenlärm, Maschinengeräusche, umgesägte Bäume, Holz auf den Forststraßen – das passt oft nicht ganz in diese Idylle, in die Spaziergänger und Wanderer eintauchen möchten. Meldungen, dass forstliche Sperrgebietstafeln ignoriert werden, häufen sich, was freilich großes Gefahrenpotenzial birgt! Hinzu werden Wildtiere, die ohnehin durch den Klimawandel bereits unter Druck stehen, durch viele Besucher zusätzlich gestresst. Am kommenden „Waldmontag – Der digitale Holzstammtisch“ (26.04., 18:30) lädt der Waldverband Steiermark gemeinsam mit der KLAR! Zukunftsregion Ennstal zur Diskussion „Besucherlenkung: Der Ansturm von Erholungssuchenden überrollt die Forstwirtschaft“ ein.

In vielen ländlichen Gebieten der Steiermark arbeiten Waldbäuerinnen und Waldbauern in ihren Wäldern, um diese zu bewirtschaften, um die Stabilität der Bäume zu fördern und um ihre Lebensgrundlage für den Klimawandel fit zu machen. Gerade jetzt im Frühjahr tut sich noch sehr viel im Wald. Gilt es doch, das im Winter geerntete Holz abzutransportieren, um gefährlichen Waldschädlingen wie dem Borkenkäfer so wenig Vermehrungsbedingungen wie möglich zu geben.

Gegensätze prallen aufeinander – Lösungswege sind gefragt!

Dass bei Waldbewirtschaftung und Erholung im Wald naturgemäß Gegensätze aufeinanderprallen, darf nicht verwundern. Die Nutzung der Wälder zu Erholungszwecken (z.B. Wandern oder Mountainbiken) und die Bewirtschaftungsinteressen der Eigentümer passen eben nicht immer gut zusammen. Doch wie könnte die Lösung aussehen? Bei der kostenlosen Online-Veranstaltung „Waldmontag“ ist unter anderem Paul-Josef Colloredo-Mannsfeld, Eigentümer des beliebten Erholungs- und Wandergebiets rund um den Schwarzensee in Kleinsölk, geladen. Er weist auf notwendige und mögliche Lösungswege hin: „Zur Bewahrung des zunehmend unter touristischem Druck stehenden Naturlebensraums braucht es kluge wie vorausschauende Lenkungs- und Aufklärungsmaßnahmen sowie eine unbedingt proaktive Auseinandersetzung mit diesem Thema durch die betroffenen Grundbesitzer. Aus Verantwortung gegenüber der bedrohten Artenvielfalt im hochsensiblen Alpenraum und künftigen Generationen.“

Die meisten Erholungsuchenden und Sportbegeisterten respektieren den Wald, das Eigentum und die Bewirtschaftung natürlich sehr wohl. Ein gedeihliches Miteinander ist ihnen ein großes Anliegen. Dennoch ist es vor allem in Hinblick auf den wachsenden Ansturm an Besuchern im Wald wichtig, vermehrt Bewusstsein dafür zu schaffen, dass erst die Bewirtschaftung der Wälder Erholung möglich macht. Denn Urwald ohne Forststraßen und ohne Nutzung wäre undurchdringlich und für Waldspaziergänge vollkommen ungeeignet. Und durch forstwirtschaftliche Arbeiten notwendige Sperren müssen unbedingt eingehalten werden.

Steigerung der Freizeitnutzung muss Grenzen haben!

Hinzu kommt, dass der Wald nicht nur Naturerlebnis für Besucher bietet, sondern Lebensraums für die Tiere ist, die immer mehr in Bedrängnis geraten. „Die Lebensräume sind begrenzt, Landflächen sind nicht vermehrbar. Wir Menschen müssen zur Kenntnis nehmen, dass daher auch Steigerungen der Freizeitnutzungen Grenzen haben müssen.“, hebt Veronika Grünschachner-Berger, Wildbiologin und Leiterin des Naturpark Sölktäler hervor.

Kooperation ist der Schlüssel

Ein gegenseitiges Respektieren der jeweiligen Standpunkte sowie des Naturlebensraumes wird jedenfalls auch in Zukunft das Leben im und mit dem Wald möglich machen. Natalie Prüggler, Managerin der Klimawandelanpassungsregion, betont:„Kooperation ist der Schlüssel! Die KLAR! Zukunftsregion Ennstal bindet bei der Entwicklung und Umsetzung von Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen stets alle relevanten Akteure der Region mit ein. So können für alle Beteiligten zufriedenstellende Ergebnisse im Spannungsfeld Forstwirtschaft und Tourismus trotz steigender Herausforderungen durch den Klimawandel erreicht werden.“

Factbox: Zum „Waldmontag – Der digitale Holzstammtisch“

Lust auf spannendes und informatives Waldbewirtschaftungswissen? Gemeinsam mit der FAST Pichl bringt der Waldverband Steiermark wöchentlich seit Jänner 2021 verschiedene Themen für die aktive Bewirtschaftung unserer Wälder auf Smartphones und Computer.

In einer leicht verständlichen Sprache, unterstützt mit plakativen Darstellungen und der Möglichkeit, Forstexperten im Chat zu befragen, bietet der Waldverband Steiermark digital, unkompliziert und regelmäßig Zugang zu wichtigen Informationen. Die Themen richten sich einerseits nach dem Jahreskreislauf (welche Fragen beschäftigen Waldbewirtschafter aktuell) und andererseits nach der Aktualität (weil wir z.B. gerade von einer Kalamität betroffen sind).

Den Link zur Teilnahme beim Waldmontag finden Sie unter www.waldverband-stmk.at/waldmontag . Zum Nachsehen stehen die Waldmontag auf dem YouTube Kanal des Waldverband Steiermark zur Verfügung.

©Waldverband Steiermark/ Maximilian Handlos

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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