KAC: In der Verlängerung zum dritten Sieg

In einer hart umkämpften vierten Finalbegegnung konnte der EC-KAC den spielerisch lange dominierenden HCB Südtirol mit einem Überzahltreffer in der Overtime bezwingen.

Spielbericht: KAC

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC musste sich nach zwei Siegen zum Auftakt (6:0 auswärts und 5:4 zu Hause) am Freitag im dritten Finalspiel in Bolzano mit 0:2 geschlagen geben, die Rotjacken verfügten damit jedoch weiterhin über eine 2:1-Serienführung sowie den Heimvorteil. Einen derartigen Vorsprung in einer „Best-of-Seven“-Serie hatten die Klagenfurter in ihrer Historie bislang zwölf Mal inne, in acht Fällen entschieden sie die Playoff-Konfrontation schließlich auch für sich, sechs Mal gewannen sie von dieser Ausgangsposition aus sowohl das vierte als auch das fünfte Endspiel. Im zehnten Saisonduell mit dem Grunddurchgangssieger – Bilanz: sechs KAC- und drei HCB-Siege – setzten die Rotjacken wieder auf ihre Heimstärke, konnten sie doch jede ihrer in der Post Season sieben auf eigenem Eis ausgetragenen Partien für sich entscheiden.

Der HCB Südtirol stand im dritten Endspiel am Freitag bereits unter einigem Druck, hielt diesem jedoch Stand und schrieb erstmals in der Serie an. Um wie bei ihren ersten beiden Finalteilnahmen 20014 und 2018 auch heuer den Titel zu holen, benötigten die Füchse allerdings unverändert zumindest einen Auswärtssieg in Klagenfurt. Ein solcher gelang den Italienern in der Vergangenheit eher selten, 20 der 29 seit dem HCB-Ligaeinstieg 2013 in der Stadthalle ausgetragenen direkten Duelle gingen an den EC-KAC. Personell konnte Head Coach Greg Ireland wieder nahezu aus dem Vollen schöpfen, nach Domenico Alberga zu Spiel zwei und Dustin Gazley zur dritten Partie kehrte am Sonntag der zuletzt gesperrte Mike Halmo in die Aufstellung zurück.

Die Personalien:

Der EC-KAC trat auch zum vierten Finalspiel mit einem unveränderten Lineup an, seit der Rückkehr des angeschlagenen Stefan Geier in die Mannschaft im fünften Halbfinale vertraute der Trainerstab stets auf die gleichen 22 Spieler. Nicht zur Verfügung standen weiterhin die Langzeitverletzten David Fischer, Paul Postma und Dennis Sticha. Die Rotjacken boten drei Defensivpärchen und vier Angriffslinien in der bekannten personellen Konstellation auf, Michael Kernberger in der Verteidigung und Alexander Cijan im Sturm waren als zusätzliche Absicherung mit dabei. Das Lineup umfasste demnach erneut 46,75 Kaderpunkte (von 60,00 möglichen).

Der Spielverlauf:

Die Rotjacken erwischten einen Traumstart in die Partie und gingen bereits nach 16 Sekunden mit 1:0 in Führung: Direkt vom Eröffnungsanspiel weg landete die Scheibe hinter dem Kasten von Leland Irving, dessen Klärungsversuch an der Bande von Lukas Haudum abgefangen wurde. Der Stürmer ließ seinen Gegenspieler mit einem Haken aussteigen und brachte die Scheibe dann an den Crease zu Thomas Koch, der noch scheiterte, aber Matt Fraser drückte sie mit der Rückhand über die Linie (1.). Die erste Möglichkeit für die Gäste hatte Ivan Tauferer in Spielminute vier, als er von Rechtsaußen abzog, mit seinem Direktschuss die lange Ecke aber hauchdünn verpasste. In der nächsten Aktion hatte Thomas Hundertpfund tief im Angriffsdrittel das Auge für den heranstürmenden Martin Schumnig, der mit einem Onetimer aus dem Slot an Leland Irving scheiterte, Samuel Witting fälschte kurz darauf einen Strong-Schlenzer gefährlich ab, doch der Bozen-Keeper war mit dem Schoner zur Stelle (jeweils 7.). Nachdem Manuel Ganahl mit einem Backhander vom rechten Faceoff-Kreis aus erfolglos geblieben war (9.), erhielt der Kapitän einen feinen Steilpass von Nick Petersen, doch Matteo Pietroniro fälschte den abschließenden Schlenzer ins Fangnetz ab (10.). Gegen Drittelmitte kamen die Füchse zu ihrer nächsten Möglichkeit über Stefano Giliati, der mit Schwung über den rechten Flügel zum Tor zog, aber an Sebastian Dahm scheiterte, auch Anthony Bardaro konnte den Rebound in zwei Versuchen nicht über die Linie befördern (10.). Bolzanos vorerst größte Chance auf den Ausgleich leitete Mike Halmo ein, der Bardaro so anspielte, dass dieser über halblinks frei auf Sebastian Dahm zulaufen konnte: Vom Poke Check des Goalies irritiert, stocherte der Angreifer den Puck knapp am kurzen Pfosten vorbei (13.). Dann war der EC-KAC im Glück: Ein Fournier-Fernschuss wurde doppelt abgefälscht, Dahm parierte stark, musste aber den Rebound hergeben, der Pfiff der Schiedsrichter ertönte, bevor ein Italiener die freiliegende Scheibe einkehren konnte (18.). Als knapp vor der ersten Sirene Clemens Unterweger stramm abzog, lag das Spielgerät ebenfalls kurz am Torraum, keiner seiner Mitspieler vermochte jedoch den Rebound zu erreichen (20.).

Zu Beginn des Mittelabschnitts hatten die Rotjacken die Chance auf ihren zweiten Treffer: Manuel Ganahl spielte von links zur Mitte auf Rok Tičar, der die Scheibe in Bedrängnis aber nicht unter Kontrolle bringen konnte (22.). Auf der Gegenseite zog Anthony Bardaro über den linken Flügel kommend zum Kasten, und wurde dabei von Steven Strong regelwidrig am Abschluss gehindert, was den Füchsen ihr erstes Überzahlspiel bescherte (26.). Gegen dieses verteidigten sich die Klagenfurter mit vier Befreiungen gut, die beste HCB-Möglichkeit vereitelte Sebastian Dahm, der einen Halmo-Schuss vom linken Faceoff-Kreis aus stark mit dem Catcher parierte (27.). Als Rot-Weiß wieder mit fünf Feldspielern agierte, ergab sich die nächste Gelegenheit: Rok Tičar steckte nach halbrechts auf Manuel Ganahl durch, dieser brachte einen Haken von der Rück- auf die Vorhand an, scheiterte dann aber am Schoner von Irving (28.). Es folgten drei Hinausstellungen gegen die Gäste innerhalb von weniger als drei Minuten: Bei „Fünf-gegen-Drei“ traf Thomas Koch von halbrechts nur das Außennetz, Matt Fraser zielte von den linken Hashmarks aus zu zentral auf den Torhüter (jeweils 34.). Auch die einfache numerische Überlegenheit vermochten die Rotjacken nicht in einen weiteren Treffer zu konvertieren, die nächste gute Gelegenheit gehörte damit den Gästen: Dem von der Strafbank zurückkommenden Daniel Catenacci eröffnete sich ein 30-Meter-Solo, das er mit der Vorhand abschloss, Sebastian Dahm wartete aber lange und parierte dann mit dem Blocker (38.).

In den Schlussabschnitt ging es mit „Vier-gegen-Vier“ und während dieser Phase bejubelten die Südtiroler beinahe den Ausgleich: Dennis Robertson brach beim Blueliner der Schläger, der Puck landete bei Daniel Catenacci, der in halbrechter Position das leere Tor vor sich hatte, doch Sebastian Dahm packte einen Desperation Save aus und kickte den Backhander mit der Kufe von der Linie (41.). Bei einem „Vier-gegen-Zwei“-Angriff der Gäste setzte Nick Plastino das Spielgerät von halblinks flach an der kurzen Stange vorbei (44.). In der 46. Spielminute behauptete Dustin Gazley im Slot den Puck und setzte Anton Bernard am Crease in Szene, der jedoch scheiterte. Einen Robertson-Schuss vom rechten Anspielpunkt aus konnte der Rotjacken-Keeper bei numerischer Unterlegenheit nicht festhalten, Angelo Miceli spielte von neben dem Pfosten nochmals in den Slot zu Stefano Giliati, der aber auch aus bester Position vom Dänen verneint wurde (47.). Kurz darauf kamen die Füchse dann doch zum Ausgleichstreffer: Angelo Miceli setzte sich nach einem schönen Steilpass zentral durch, scheiterte jedoch am Schoner von Sebastian Dahm. Die Scheibe landete allerdings direkt auf dem Blatt von Anton Bernard, der das leere Tor vor sich hatte und zum 1:1 einnetzte (48.). Die druckvollste Phase der Gäste an diesem Abend flaute damit ab, fortan hielt Klagenfurt wieder besser dagegen. Als in Minute 53 Johannes Bischofberger gleich drei Gegenspieler band und den Puck noch diagonal auf Samuel Witting brachte, wischte dieser bei der Direktabnahme über das Spielgerät. Nach einem Unterweger-Fernschuss fand keiner seiner Mitspieler den kurzzeitig freiliegenden Rebound, Lukas Haudum zielte von links zu mittig auf Irving (jeweils 58.), dann brachte die letzte Minute der regulären Spielzeit noch jeweils eine Gelegenheit pro Team: Dahm parierte einen Findlay-Onetimer aus dem Slot und der über links zum Tor drängende Petersen wurde von Youds noch am Abschluss gehindert. 

Folgerichtig ging es beim Spielstand von 1:1 in die Verlängerung und in deren vierten Minute sollte die Entscheidung zu Gunsten der Hausherren fallen. Bei numerischer Überlegenheit (Bernard saß nach Spielverzögerung in der Kühlbox) zog Nick Petersen auf der linken Seite zwei Gegenspieler auf sich und legte den Puck zurück auf Blaž Gregorc, der seinen Onetimer unter die Querlatte in die lange Ecke knallte und Klagenfurt jubeln ließ. (NB/HB)

Der Kommentar:

„Wieder eine enge, hart umkämpfte Partie, aber wir wissen ja, dass diese Spiele kein Spaziergang sind – für keines der beiden Teams. Ich finde, das war eine richtig gute Playoff-Partie von beiden Mannschaften. Der Kampf dominierte den gesamten Abend, aber in der Verlängerung hat unser Powerplay einen Weg gefunden, dieses Spie, für uns zu entscheiden. Wir bleiben jedoch mit beiden Beinen am Boden, haben uns in der Kabine ein paar Minuten lang gefreut und dann schon wieder auf den Dienstag eingestimmt. Nichts ist entschieden, wir haben noch viel, viel Arbeit vor uns.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

Der Ausblick:

Der EC-KAC hat nach dem Heimspiel am Sonntagabend drei der vier Finalspiele und sieben der zehn Saisonduelle mit dem HCB Südtirol für sich entschieden. Die Rotjacken benötigen damit bei maximal drei ausständigen Partien nur noch einen Sieg, um sich den Meistertitel in der bet-at-home ICE Hockey League zu sichern. Die erste Möglichkeit dazu bietet sich bereits übermorgen Dienstag, dann genießen die Füchse wieder Heimrecht. Das fünfte Endspiel beginnt in der PalaOnda um 19.30 Uhr und wird wie üblich von Puls24 und Sky Sport Austria (TV) sowie Radio Kärnten live übertragen.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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