Die Steirische Jagd tickt im Rhythmus der Natur

Mit dem 1. April beginnt für die Steirische Landesjägerschaft das neue Jagdjahr 2021/22. Im Gleichklang mit dem Wiedererwachen der Natur ist auch der gesetzlich verankerte Jahresbeginn des Jagd- und Wirtschaftsjahres der 1. April. Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof gibt einen Überblick darüber, wie es den steirischen Wildtieren geht. Für Landesrat Hans Seitinger ist der Beginn des neuen Jagdjahres ein Anlass um einen vielschichtigen Blick auf die Jagd zu werfen, denn die Jagd ist seit Jahrhunderten ein wesentlicher Teil der steirischen Kultur:

Samenjahre, Kleinsäugerzyklen und Wildtiere

Nachdem im letzten Herbst Fichte und Buche auffällig stark fruktifiziert haben sind bereits jetzt im Frühjahr wieder mehr Kleinsäuger zu beobachten. Kleinsäuger profitieren von den Samen- und Mastjahren. Maus und Co sind jedoch auch eine beliebte Beute bei Eulen, Greifvögeln, Füchsen und Mardern. Eulen brüten oft überhaupt nur, wenn das Beutetierangebot ausreichend groß ist. Das heißt: In Mäusejahren jagen Prädatoren bevorzugt jene Beute, die am häufigsten vorhanden ist, und die auch leicht zu fangen ist. Damit wird wiederum der Druck auf andere Beutetiere gemindert. Vor allem der Nachwuchs von Haselhühnern, Auerhühnern, Feld- und Schneehasen profitiert davon. Im Jahr darauf erhöht sich der Druck auf diese durch die ausgewachsenen Jungtiere und die jagdliche Regulierung muss bei Fuchs und Marder eingreifen, damit sich durch eine Überpopulation der Druck nicht zu stark erhöht oder auf Haustiere übertragbare Krankheiten, wie die Fuchsräude, sich zu stark ausbreiten. Es greift also eins ins andere im Lebensnetzwerk unserer Natur.

Gams in der Steiermark

Die Steiermark war nach Tirol lange jenes Land, das die höchsten Gamswildstrecken in Österreich aufgewiesen hat. Nach Bestandsrückgängen wurden die Jagdstrecken ebenso wie die Abschussrichtlinien neu ausgerichtet und angepasst. Eine Voraussetzung dafür war auch, dass die Bestände erhoben werden. Die Steiermark war das erste Bundesland in Österreich, wo über 1000 Jägerinnen und Jäger freiwillig auf gesamter Landesebene die Gamswildbestände gezählt und kartiert haben. Zudem wurde ein Lebensraumeignungsmodel für das ganze Land erstellt. Es zeigt, wo es im Sommer und im Winter gute und weniger gut geeignete Gamslebensräume gibt. Damit wurde eine wichtige Grundlage für die Raumplanung geschaffen. Auch dabei hat die Steiermark derzeit die Nase vorn. Bleibt noch festzuhalten, dass sich die Altersstruktur in den Beständen wesentlich verbessert hat. Obwohl das Zielalter bei den Gamsböcken deutlich angehoben wurde, ist heute der Anteil an alten Böcken an der Gesamtstrecke wesentlich höher als vor zehn Jahren. Der Streckenanteil der zu schonenden Mittelklasse wurde dagegen deutlich abgesenkt. Damit ist gewährleistet, dass die Bestände nach wildbiologischen Kriterien richtig genutzt werden.

Rebhühner kurz vor dem Verschwinden

Vor 20 Jahren gab es noch Rebhühner in der Obersteiermark. Sogar vor 10 Jahren wurden noch vereinzelt Vögel im Aichfeld nahe Knittelfeld beobachtet. Zurzeit als die Bergbauern noch Getreide anbauten, sind diese Feldhühner in der Steiermark noch bis 1.200 – 1.300 Meter Seehöhe vorgekommen. Lange haben sich Rebhühner sogar rund um Krakau im hintersten Winkel des Bezirkes Murau gehalten, auch rund um Sankt Lamprecht gab es im selben Bezirk noch bis ins neue Jahrtausend Rebhühner. Heute ist diese Wildart durch intensive Bemühungen der Jägerschaft noch im Süden von Graz sowie vereinzelt im Bezirk Leibnitz und Weiz zu finden. Die ehemals guten Rebhuhnlebensräume in den typischen Niederwildrevieren sind verschwunden. Die Art ist durch den Verlust des Lebensraumes kurz vor dem Aussterben. Dennoch bemüht sich die Landesjägerschaft um diesen Hühnervogel, indem sie vor allem Projekte zur Lebensraumerhaltung fördert und durchführt. Einzelne Projekte zum Beispiel in der Nähe des Flughafens Graz zeigen ermutigende Erfolge.

Zitat Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau:

So geht’s den Steirischen Wildlebensräumen aktuell:

„Der Blick der Steirischen Jagd auf unsere Wildlebensräume ist umfassend und ganzheitlich. Unsere Jägerinnen und Jäger sind flächendeckend täglich draußen in ihren Revieren und beobachten Veränderungen aufmerksam und genau. Ihr Blick ist aufgrund unserer Ausbildung gut geschult und richtet sich nicht nur auf die jagdbaren Arten. Von der Lebensraumpflege und –verbesserung durch die Jagd profitieren auf einer Fläche in der Größe eines Fussballfeldes laut deutscher Wildtierstiftung bis zu einer Million Klein- und Kleinstlebewesen von diesen Maßnahmen. Das ist ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt, mein herzlicher Dank gilt den zahlreichen Jägerinnen und Jägern, die diesen Beitrag nicht nur in ihrer Freizeit, sondern auch auf ihre eigenen Kosten leisten.“

Zitat Landesrat Johann Seitinger:

Mehr Bewusstsein und Respekt für die Natur und ihre Kreisläufe!

Für Landesrat Hans Seitinger ist der Beginn des neuen Jagdjahres ein Anlass um einen vielschichtigen Blick auf die Jagd zu werfen, denn die Jagd ist seit Jahrhunderten ein wesentlicher Teil der steirischen Kultur: „Die rund 25.000 steirischen Jägerinnen und Jäger leisten mit ihren Hege- und Pflegemaßnahmen einen wertvollen Beitrag für ein gesundes Ökosystem. Nicht umsonst wird das jagdliche Wissen auch als „grüne Matura“ bezeichnet. Mit ihren umfassenden Bildungs- und Informationsmaßnahmen, etwa den Naturwelten in Pernegg, die demnächst ihre Pforten öffnen, fördert die Landesjägerschaft auch das gegenseitige Verständnis für die Interessen von Jagd und Gesellschaft.“ Ein noch größeres Augenmerk wird in Zukunft auch auf die Besucherlenkung gelegt, damit das gesamte Ökosystem nicht aus dem Gleichgewicht gerät. „Es braucht mehr Bewusstsein und Respekt für die Natur und ihre Kreisläufe“, so Landesrat Hans Seitinger.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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