VCÖ und WWF: Fast 2.500 Hasen wurden in der Steiermark im Vorjahr Opfer des Straßenverkehrs

Im Vorjahr sind in der Steiermark fast 2.500 Feldhasen dem Kfz-Verkehr zum Opfer gefallen, informieren VCÖ und WWF. Im Vergleich zum Jahr davor nahm die Zahl der nieder gefahrenen Hasen leicht um 142 ab. Der Lebensraum von Feldhasen wird von vielen Straßen durchschnitten. In der Steiermark ist das Straßennetz fast 24.000 Kilometer lang. VCÖ und WWF fordern einen stärkeren Schutz von Grünräumen vor dem Aus- und Neubau von Straßen.

Die Feldhasen sind im Frühjahr besonders aktiv. Es ist Paarungszeit. „Der Aktionsraum eines Feldhasen ist rund 20 Quadratkilometer groß. Das große und dichte Straßennetz schränkt den Lebensraum der im Freien lebenden Tiere stark ein“, erklärt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. Im Schnitt durchschneiden 60 Kilometer Straßen den Lebensraum eines Hasen. In der Steiermark gibt es neben den rund 460 Kilometer Autobahnen und Schnellstraßen, über 23.000 Kilometer Landes- und Gemeindestraßen.

Die Folge: Im Vorjahr wurden laut offiziellen Daten der Jagdstatistik auf den steirischen Straßen 2.481 Hasen und Wildkaninchen von Lkw und Pkw erlegt, um 142 weniger als im Jahr 2019, berichten VCÖ und WWF. Erfasst werden von der Statistik nur die bei der Bezirkshauptmannschaft eingegangenen Meldungen. Die Dunkelziffer ist höher.

Im Bundesländer-Vergleich fielen in Niederösterreich die meisten Hasen dem Straßenverkehr zum Opfer, nämlich 11.713, berichtet der VCÖ. Es folgen Oberösterreich (5.461), das Burgenland (2.986) und mit der vierthöchsten Opferzahl die Steiermark (2.481) vor Salzburg (588) und Kärnten (524).

„Pro Minute werden in Österreich fast 100 Quadratmeter Boden verbaut. Auch das dichte Straßennetz ist stark gewachsen und zerschneidet immer stärker den Lebensraum der Feldhasen. Allein seit dem Jahr 2015 hat der Flächenverbrauch durch den Straßenverkehr laut Umweltbundesamt um mehr als 40 Quadratkilometer zugenommen“, sagt Hanna Simons, Programmleiterin des WWF Österreich. Der WWF fordert einen eigenen Bodenschutzvertrag und einen Bodenschutz-Gipfel unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers. „Wir müssen die Raumordnung und das Steuersystem vollständig ökologisieren, um falsche Anreize für neue Verbauungen zu stoppen. Zusätzlich braucht es dringend eine große Naturschutz-Offensive“, fordert Hanna Simons.

„Wir brauchen einen sorgsameren Umgang mit der Natur. Fauna und Flora brauchen mehr Schutz. Und wir haben auch die Verantwortung, unseren Kindern und Enkelkindern eine intakte Umwelt zu übergeben. Was heute verbaut wird, steht unseren Kindern und den nachfolgenden Generationen nicht mehr als Naturraum zur Verfügung“, stellt VCÖ-Sprecher Gratzer fest. Österreich hat bereits ein dicht ausgebautes Straßennetz. Angesichts der zunehmenden Klima- und Biodiversitätskrise ist ein weiterer Ausbau nicht mehr gerechtfertigt, betonen VCÖ und WWF.

Bodenversiegelung ist ein wachsendes Umweltproblem. Böden sind wichtige Wasserspeicher, die gerade in Zeiten zunehmender Trockenheit sehr wichtig sind. Bei Hitze haben Böden eine abkühlende Wirkung, während Asphaltwüsten zu einem regelrechten Hitzestau führen. Und Böden nehmen bei Starkregen Wasser auf, während versiegelte Böden die Folgen von Starkregen verschärfen, stellen  VCÖ und WWF fest.

Eine Ursache für den zunehmenden Flächenverbrauch ist die Zersiedelung, die zusätzlich auch zu deutlich mehr Autoverkehr führt. Die Stärkung der Ortskerne verringert den Flächenverbrauch und ermöglicht der Bevölkerung mehr als Alltagswege gesund und klimafreundlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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