Zukunft der KFZ-Branche: WK Steiermark lädt zu Technologiegesprächen

Graz (OTS) – „Die Politik hat Ziele vorzugeben, nicht aber die
Technologie für deren Erreichung“, betonen WKO Steiermark Präsident
Josef Herk und Direktor Karl-Heinz Dernoscheg. Anlass ihrer Kritik:
Die auf europäischer Ebene neu entflammte Debatte über ein
vorzeitiges Aus für den Verbrennungsmotor. Herk und Dernoscheg
unterstützen hier die offene Aufforderung namhafter Betriebe und
Experten aus der KFZ-Branche an die Bundesregierung, sich gegen ein
solches Verbot auszusprechen. Denn für die CO2-Bilanz eines Fahrzeugs
sei nicht die Antriebsart, sondern der Einsatz sauberer Energie in
einer über die Betriebsdauer hinausgehenden Lebenszyklus-Betrachtung
entscheidend. „Wir brauchen hier einen Wettbewerb der besten
Technologien, um so zur besten Lösung für die Menschen und die Umwelt
zu kommen“, so das WKO-Führungsduo. Für ein Autoland wie die
Steiermark sei das essenziell. Entscheidungsbasis dürften hier keine
Vorurteile sein, sondern technologieneutrale Fakten. Aus diesem Grund
lädt die WKO Steiermark nun zu Technologie-Gesprächen.

   Wird die Elektromobilität Benzin und Diesel schon bald verdrängen?
Werden dieser Wandel und die Automatisierung tausende Arbeitsplätze
kosten? Fragen, die nicht nur für ein Automobilland wie die
Steiermark von entscheidender Bedeutung sind. Bundesweit hängen rund
180.000 Jobs und 16 Milliarden Euro an Wertschöpfung direkt an der
Automobilbranche. „Jeder ordnungspolitische Eingriff sollte daher
wohlüberlegt sein“, mahnen WKO Steiermark Präsident Josef Herk und
Direktor Karl-Heinz Dernoscheg. „Fakt ist: Klimaziele sind natürlich
einzuhalten. Wie die festgelegten C02-Einsparungsziele von den
Herstellern erreicht werden, sollte Ihnen allerdings selbst
überlassen werden“, fordert die WKO-Führungsspitze. Die Grenzwerte
werden bis 2030 ohnehin sehr stark verschärft, demnach müssen die
CO2-Emissionen von Neuwagen dann um 37,5 Prozent (PKW) bzw. 31
Prozent (Nutzfahrzeuge) unter den bereits beschlossenen
Emissionslimits von 2021 (95 g – Ziel) liegen.  

   Ein zu rasanter Ausstieg aus fossilen Antrieben wäre jedenfalls in
wirtschaftlicher, volkswirtschaftlicher und technologischer Hinsicht
suboptimal. Denn: Die Skalenerträge bzw. Massenproduktion ist bei
alternativen Antrieben in vielen Bereichen noch nicht so ausgereift,
dass leistbare Preise bei vergleichbarem Nutzen auf den
Verbrauchermärkten erzielt werden können. Das zeigt sich auch beim
Blick auf die Zulassungsstatistik, der reine E-Antrieb (BEV) ist hier
derzeit noch immer ein Nischenprodukt, auch wenn die Neuzulassungen
einen leichten Trend in Richtung der E-Mobilität – basierend auf
einem niedrigen Ausgangsniveau – erkennen lassen. Aktuell teilt sich
der PKW-Bestand in Österreich wie folgt auf:

~
*   Diesel: 54%
*   Benziner: 43%
*   Benzin-Hybride: 1,3%
*   Diesel-Hybride: 0,3%
*   reine-E-Autos: 0,8%
~
   Jahrzehntelang aufgebautes Knowhow sowie die Forschungs- und
Entwicklungsgeschichte bei der Verbesserung von Verbrennungsmotoren
dürfe nicht mit einem Schlag vernichtet werden, mahnen Herk und
Dernoscheg. Genau das würde aber passieren, wenn es – wie von der
Politik auf EU-Ebene derzeit diskutiert – zu einem vorzeitigen Aus
des Verbrennungsmotors kommen würde. „Der Übergang zur
Dekarbonisierung braucht Zeit. Wenn dies zu rasant erfolgt, könnte
das aufgrund der Verflechtung mit der Zulieferindustrie viele
traditionelle Arbeitsplätze kosten“, sorgen sich Herk und Dernoscheg.
Gerade in der aktuellen Corona-Zeit, wo die wirtschaftliche Belastung
so und so hoch sei, müsse hier mit Augenmerk vorgegangen werden.  

Handlungsempfehlung auf Basis von Technologiegesprächen

 Aus diesem Grund lädt die WKO Steiermark nun zu
Technologiegesprächen auf Expertenebene ein. Zentraler Punkt dieser
Gespräche soll die Frage werden, wie man Klimaziele und den Wandel
der Mobilität am besten vereinen könne. Auf dieser Basis will die WKO
dann gemeinsam mit der Automobilindustrie Handlungsempfehlungen
ausarbeiten und diese der Politik übermitteln. Denn für die
Steiermark sei diese Frage essenziell, wie Herk und Dernoscheg
nochmals betonen: „32 Prozent aller unselbständigen Beschäftigten in
Österreichs Automobilbranche sind in der Steiermark tätig. Mit diesen
vielen Existenzen darf nicht leichtfertig umgegangen werden.“

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


error: (c) arf.at