Frühlingsgefühle unter Wasser: Bundesforste errichten Liebesnest für Fisch des Jahres

Mehr natürliche Laichplätze für gefährdete Äsche in der Traun – Revitalisierung von rund 5.000 Quadratmeter Fluss-Boden als Kinderstube für den Fischnachwuchs

Schön, elegant und kämpferisch, aber gleichzeitig sensibel und anspruchsvoll: Die Europäische Äsche (Thymallus thymallus), Fisch des Jahres 2021, ist vor allem in den kühlen und sauerstoffreichen Flüssen und Bächen des Alpenvorlandes zu Hause. In den letzten Jahrzehnten sind die Bestände allerdings drastisch geschrumpft – die Äsche zählt heute zu den gefährdeten Fischarten in Österreich. Grund dafür ist unter anderem der Verlust an geeignetem Lebensraum durch Verbauungen an den Bächen und Flüssen. Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) starten daher dieser Tage an der Traun bei Ohlsdorf in Oberösterreich umfangreiche Revitalisierungsarbeiten, um rechtzeitig vor dem Beginn der Laichzeit der Äsche Anfang April wieder mehr natürlichen Lebensraum für die Fische zu schaffen. „Unsere Gewässer sind hoch sensible Ökosysteme und unersetzlicher Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten“, sagt Rudolf Freidhager, Vorstand der Bundesforste, die mehr als 70 der größeren Seen und über 2.000 Kilometer Fließgewässer des Landes betreuen und fischereilich bewirtschaften. „Dort, wo die Natur aus dem Gleichgewicht geraten ist, wollen wir mithelfen, die natürlichen Bedingungen wiederherzustellen, um die Vielfalt der Arten auch in Zukunft zu erhalten.“ Die Revitalisierungsarbeiten an der Traun sind Teil des mehrjährigen LE (Ländliche Entwicklung)-Projektes „Integratives ökologisches Gewässermanagement an Traun & Alm“ unter Leitung der Bundesforste. Finanziert wird das Projekt von der Europäischen Union, dem Land Oberösterreich sowie den fischereilichen Bewirtschafter*innen an der Traun.

Rückgang der Äschen-Populationen in der Traun
Jüngste Untersuchungen im Auftrag der Bundesforste an rund 30 Kilometer Flusslauf zwischen Gmunden und Lambach belegen den deutlichen Rückgang der Äschen-Bestände auch in der Traun. Grund dafür ist unter anderem der Verlust geeigneter Laichplätze: Über die Jahre hat die fehlende Dynamik im Abfluss der Traun aufgrund von Querverbauungen zu einer Verfestigung des Flussbettes geführt. Als sogenannte Kieslaicher sind Äschen, aber auch Forellen sowie seltene Huchen oder Koppen, auf einen lockeren, gut durchspülten Untergrund angewiesen. Um sich fortzupflanzen, legen die Tiere ihre Eier in den lockeren Schottergrund, wo diese dann über mehrere Wochen gut geschützt vor Fressfeinden und Strömung zu Larven heranwachsen.

5.000 Quadratmeter große Kinderstube für mehr Fischnachwuchs
Die Bundesforste lockern nun auf einer Fläche von rund 5.000 Quadratmetern mit einem Spezialrechen, befestigt an einem Baggerkopf, den stark verdichteten Traun-Grund wieder auf. So gelingt es, die feinen Sedimente und Verschlammungen mit Hilfe der Wasserströmung wieder aus dem Schotterbett auszuspülen. Danach werden rund 175 Tonnen gewaschener, grobkörniger Kies aus dem Einzugsgebiet der Traun in das Gewässer eingebracht, um wieder ein durchlässiges und damit sauerstoffreiches Gewässerbett für den Fischnachwuchs zu schaffen.

Naturnahe Fischereibewirtschaftung
Aber nicht nur direkte menschliche Eingriffe ins Ökosystem, auch die Auswirkungen des Klimawandels mit Wetterextremen und schwankenden Niederschlägen sowie die Rückkehr fischfressender Arten wie zum Beispiel die des Kormoran, machen den Äschen-Beständen an der Traun zu schaffen. Als größter Gewässer- und Fischereibewirtschafter des Landes beschreiten die Bundesforste daher schon heute neue Wege. Gezielt werden aquatische Lebensräume an Seen und Flüssen revitalisiert und damit der natürliche Nachwuchs der heimischen Fische gefördert. Diese sind dann schon von Natur aus bestmöglich an die Bedingungen vor Ort angepasst und widerstandsfähiger gegenüber sich ändernden Umwelteinflüssen. 

(c) ÖBf-Archiv/ W. Simlinger
(c) ÖBf-Archiv/C. Ratschan
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Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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