Die stillen Opfer der Pandemie – die Kollateralschäden bei Jung und Alt

Mit allen Mitteln wird seit Ausbruch der Pandemie versucht, Corona-Tote zu vermeiden. Menschen werden zwar vor einer Ansteckung geschützt, müssen aber auch einen hohen Preis dafür bezahlen: Vereinsamung. Die Servus Reportage lässt Experten und Betroffene zu Wort kommen und zeigt, welche drastischen Folgen die Corona-Maßnahmen haben können.

Servus Reportage: Die stillen Opfer der Pandemie – die Kollateralschäden bei Jung und Alt

Do., 01.04., ab 21:10 Uhr

Corona hat uns seit rund einem Jahr voll im Griff: Strenge Ausgangssperren und wochenlange Isolation sollen dazu führen, die Infektionsrate möglichst gering zu halten. Hermetisch abgeriegelt, werden vor allem Menschen in Alters- und Pflegeheimen. Bewohner sind monatelang in ihren Zimmern gefangen und fühlen sich wie in Einzelhaft. Die strengen Corona-Maßnahmen fordern erste Opfer und zeigen, dass der Schutz vor der Krankheit dramatische Auswirkungen annehmen kann. Die Folge ist: Vereinsamung.

Die Expertin für Demenzkranke Ingrid Bruckler bricht ihr schweigen und erzählt von den tragischen Vorfällen, die sich seit Corona in einem Pensionisten Wohnheim ereignet haben. Die strengen Ausgangssperren führen bei den Bewohnern zu enormen Belastungen: „Ich denke, wenn man alte Menschen, die eh schon isoliert leben, wenn man denen den Rest an Freiheit und Freude nimmt, dann kommen sie in eine immer größer werdende Verzweiflung, Isolation und Einsamkeit, die über kurz oder lang auch in den Selbstmord endet. Es ist schwer so etwas auszuhalten. Es ist die Verhältnismäßigkeit nicht gegeben. Monatelang fokussieren wir auf einen Virus und lassen alles andere außer Acht. Die sparsame Lebensqualität wird zusätzlich eingegrenzt und beschnitten durch völlig überzogene Maßnahmen.“

Der 95- jährige Pensionist Gustav lebt seit 5 Jahren in einem Wiener Altersheim. „Ich habe im Leben schon so viel überstanden, dass wir hart geworden sind. Die Jugend haben sie mir genommen, weil ich in den Krieg einrücken musste, jetzt nehmen sie uns das Alter auch noch weg.“

Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche
Nicht nur in Altenheimen, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen zeigt die Isolation dramatische Auswirkungen.Die Kollateralschäden des Lockdowns sind in der Kinder- und Jugendpsychiatrie bereits spürbar. Psychiater schlagen Alarm. Zwangsstörungen, Panikattacken und Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen werden auch durch die Corona-Maßnahmen verursacht. Die Jugend und Kinderpsychiaterin Prof. Dr. Katrin Skala erzählt von schockierenden Zuständen, die sich seit Anfang des Jahres auf der Station im Wiener AKH ereignen. „Wir akzeptieren, dass 10- ,12-, 13- Jährige sterben, weil wir die Lupe nur auf diesem einen Geschehen haben und alles zu opfern bereit sind, damit nur ja niemand an Corona stirbt. Wir beobachten das Suizid Geschehen sehr genau und noch gibt es keinen Anstieg, das ist uns klar, denn im Krieg bringt sich niemand um. Was wir wahrnehmen aktuell sind Suizid Versuche bei Kindern in einem Alter, wo ich das noch nie gesehen habe. Wir haben ernsthafte Versuche bei 11-12-jährigen Kindern, auch vollendete Suizide. “

Der Fall von der 18- jährigen Katja zeigt, wie stark Jugendliche in ihrer Entwicklung eingeschränkt werden und welche Probleme durch die monatelange Isolation entstanden sind. „Im ersten Lockdown ging es mir gut aber nach den Herbstferien wurde es dann richtig schwer, weil ich keine sozialen Kontakte mehr hatte. So schlimm die ganze Situation ist, fehlt mir mein altes Leben extrem und bereitet mir psychische Probleme.“

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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