Martyrium im Mittemeer: 900 Rinder tot, 1800 noch auf See

Milch-Überproduktion in Österreich und der EU als Ursache für Lebend-Tierexporte – VGT fordert Änderung des Systems und Exportstopp für lebende Tiere.

Nach fast drei Monaten auf dem Mittelmeer wurden alle Rinder der Karim Allah auf Anordnung der spanischen Behörden im Ausgangshafen getötet. Dutzende Rinder auf einem zweiten Tiertransportschiff ElBeik, das sich weiter auf Irrfahrt im Mittelmeer befindet sind qualvoll gestorben.

Das Tiertransportschiff Karim Allah verließ am 17. Dezember den spanischen Mittelmeerhafen von Cartagena mit 900 Rindern an Bord, die in der Türkei zum Verkauf bestimmt waren. Ein zweites Schiff, die ElBeik, legte am Tag darauf mit 1.800 Rindern an Bord von Tarragona aus ab in Richtung Libyen.

Obwohl die Tiere über Veterinärbescheinigungen verfügten, lehnten die türkischen und lybischen Behörden beide Schiffe ab, nachdem in der nordspanischen Provinz Huesca – wo auch Kälber aus Österreich für den Weiterexport in Drittstaaten gemästet werden – ein Ausbruch der Blauzungenkrankheit festgestellt wurde. Es folgte eine fast 3-monatige Irrfahrt der beiden Schiffe quer durch das Mittelmeer.

Milchproduktion als Ursache

Die Tiere, die auf diesen Schiffen unvorstellbares Leid durchleben mussten und müssen, sind das Nebenprodukt der europäischen Milch-Überproduktion. Denn eine Kuh muss, um für den landwirtschaftlichen Betrieb wirtschaftlich zu sein, jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Die überzähligen männlichen Kälber werden in Länder wie Spanien oder Italien transportiert, wo die Mast am billigsten ist – Zehntausende davon aus Österreich. Damit der europäische Rindfleischmarkt entlastet wird, werden diese Rinder nach der Mast mit tagelangen Transporten zur Schlachtung in die Türkei, nach Nordafrika oder Länder des Nahen Ostens verschifft.

Zur Petition

VGT-Kampagnenleiter Tobias Giesinger: Die Odyssee dieser beiden Schiffe ist nur ein Symptom eines an sich kranken Systems. Österreich und die EU fördern die Überproduktion von Milch und Milchprodukten, was dazu führt, dass die überschüssigen männlichen Milchkälber billig im Ausland gemästet und unter tierquälerischen Bedingungen in Drittstaaten verschifft werden.

Immer noch auf Irrfahrt – die ElBeik

Das 54 Jahre alte, ausgemusterte Autofrachtschiff ElBeik, das mittlerweile unter der Flagge von Togo fährt, ist seit nunmehr 3 Monaten unterwegs. Ursprüngliches Ziel war Libyen, wo das Schiff wegen angeblicher Blauzungenkrankheit nicht anlanden durfte. Im Anschluss führte die Irrfahrt in die Türkei, nach Ägypten, Sizilien, Kreta und das griechischen Festland – jeweils ohne Erfolg.

Ohne anzulegen konnte die ElBeik am 9. März vor Griechenland 50 Tonnen Futter aufnehmen – was bei 1800 Rindern für genau einen Tag reicht. Wobei die Versorgung von 1800 Rindern auf einem mehrgeschossigen Frachtschiff, das nicht für den Transport von Tieren konzipiert wurde, kaum möglich ist.

Laut Aussagen der Transportfirma sind bereits dutzende Tiere gestorben und über Bord ins Meer geworfen worden. Auch befindet sich weder auf der ElBeik noch auf der Karim Allah ein Tierarzt oder eine Tierärztin an Bord – die Lage ist also mehr als dramatisch.

Da alle Versuche der Transportfirma scheiterten, die überlebenden Rinder doch noch gewinnbringend in einem Drittland zu verkaufen, sollte auch die ElBeik laut griechischen Behörden nach Spanien zurückkehren, wo die Odyssee ihren Anfang nahm. Doch nun scheint ihr neues Ziel der Hafen von Beirut im Libanon zu sein, wo erstmals getestet werden soll, ob die Rinder überhaupt mit der Blauzungenkrankheit infiziert sind – das Schicksal der überlebenden Tiere bleibt also auch nach 3 Monaten ungewiss.

Schicksal der Karim Allah vor einer Woche besiegelt

Vergangenen Samstag hatten die spanischen Behörden angeordnet, die knapp 850 überlebenden Rinder auf dem Transportschiff ‚Karim Allah‘ zu töten, das nach der fast dreimonatigen Irrfahrt in den spanischen Hafen von Cartagena zurückgekehrt war.

VGT fordert Exportstopp aus Österreich

Im Jahr 2020 wurden direkt aus Österreich 898 Kalbinnen nach Nordafrika und 13.593 nach Vorder- und Zentralasien transportiert. Um künftig zu verhindern, dass Tiere von österreichischen Bauernhöfen nach tagelangen Tiertransporten per LKW und Schiff qualvoll in Drittländern geschlachtet werden, fordert der VGT einen generellen Exportstopp.

Tobias Giesinger: Rinder, die Aufgrund der Überproduktion von Milch und Milchprodukten aus Österreich exportiert werden, erwartet oft ein grauenvolles Schicksal – egal ob Kalb oder Milchkuh. Das System muss endlich geändert und diese Transporte sofort eingestellt werden, denn die nächste Katastrophe dieser Art wird nicht lange auf sich warten lassen.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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