Bundesforste pflanzen 1,5 Millionen Jungbäume

Pünktlich zum Tag des Waldes am 21. März starteten die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) in die Aufforstungssaison. In den nächsten Wochen, wenn die Schneedecken geschmolzen sind, werden wieder tausende von Jungpflanzen in den heimischen Wäldern ausgebracht – insbesondere dort, wo Stürme, Käfer und Schadereignisse ihre Spuren hinterlassen haben. „Wir bewirtschaften die Wälder naturnah und forcieren grundsätzlich Naturverjüngung, sprich natürlichen Nachwuchs, da dieser am besten an die lokalen Witterungsbedingungen angepasst ist“, unterstreicht Rudolf Freidhager, Vorstand der Österreichischen Bundesforste (ÖBf). „Nach Schadereignissen muss jedoch aufgeforstet werden, damit die Wälder rascher nachwachsen und die kahlen Flächen sich wieder schließen können. Auch heuer werden wir in unseren Wäldern daher wieder rund 1,5 Millionen Jungbäume pflanzen und in Summe über 2 Mio. Euro in Aufforstungen investieren.“ Zahlreiche Schadereignisse wie Schneebrüche, Stürme und Österreichs wichtigster Waldschädling, der Borkenkäfer, haben Aufforstungen in nahezu allen Forstrevieren erforderlich gemacht. „Gleichzeitig treiben wir damit den Waldumbau hin zu artenreichen Mischwäldern voran – das Artenspektrum umfasst über 40 Baumarten und reicht von Ahorn, Eiche und Nuss bis hin zu Traubenkirsche, Tanne und Zirbe“, betont Freidhager die Bedeutung artenreicher Zukunftswälder. Die Aufforstung wird in zwei Wellen – die erste im Frühling, die zweite im Herbst – in allen 120 Forstrevieren der Bundesforste in ganz Österreich durchgeführt.

Baumpflanzungen in sieben Bundesländern
Die meisten Jungbäume, fast die Hälfte, werden in den Bundesländern Oberösterreich und Salzburg – mit je 350.000 Stück – gepflanzt, die in den letzten Jahren wiederholt von Schadereignissen heimgesucht wurden. Rund 280.000 Jungpflanzen werden in Niederösterreich gesetzt, vor allem in der vom Borkenkäfer geplagten Region Waldviertel. In der Steiermark wird mit rd. 200.000 Jungbäumen aufgeforstet, in Tirols Gebirgslagen mit rd. 200.000 Jungpflanzen und in Kärnten mit rd. 120.000 Jungpflanzen. „Gerade im Gebirgswald ist das Aufforsten besonders wichtig. Denn nur intakte Schutzwälder schützen uns Menschen vor weiteren Naturkatastrophen wie Lawinen, Muren, Hangrutschungen oder Erosion“, so Freidhager zum heurigen Aufforstungsprogramm. Die erste Welle der Aufforstung beginnt je nach Witterung und Höhenlage im März und wird bis Mai andauern, während die zweite Aufforstungswelle dann im September und Oktober erfolgen wird.

Bunter Aufforstungsreigen mit Elsbeere, Schwarznuss und Traubeneiche
Gepflanzt werden vor allem jene Baumarten, die mit den zukünftigen Klimabedingungen besser zurechtkommen werden. Die Fichte, Österreichs häufigste Baumart, stellt noch immer eine wichtige Pflanzgruppe dar, wird vor allem in tieferen Lagen unter 600 Meter Seehöhe jedoch zunehmend um Laubbäume, Kiefern, Tannen oder Lärchen ergänzt. Insbesondere Tannen und Lärchen sind tief wurzelnde Baumarten und damit Stürmen, aber auch längeren Trockenperioden besser gewachsen als die flach wurzelnde Fichte. „Rund ein Drittel aller gepflanzten Bäume sind heuer bereits Lärchen“, unterstreicht Freidhager die Bedeutung dieser Zukunftsbaumart. Eine weitere Baumart, die in Gebirgslagen zunehmend an Bedeutung gewinnen wird, ist die Tanne (Weißtanne). Ähnlich wie die Lärche verfügt sie über sehr lange Wurzeln, die ihr Sturmfestigkeit verleihen und mit denen sie auch bei großer Trockenheit noch Feuchtigkeit aus den tieferen Bodenschichten aufnehmen kann. „Den Anteil an Tannen und Lärchen wollen wir in den nächsten Jahren mehr als verdoppeln“, erklärt Freidhager, „dafür wird der Anteil an Fichten um ein Drittel zurückgehen.“ In tieferen Lagen und im Osten des Landes wird die trockenheitstolerante Eiche forciert, vor allem die Trauben- und die Stieleiche, die auch auf trockenen Standorten gut wächst. Auf geeigneten Böden, etwa im Waldviertel, wo die Fichte aufgrund zunehmender Trockenheit immer mehr zurückgehen wird, ist auch die Douglasie, eine wüchsige Tannennart, eine zukunftsträchtige Alternative. Neben Hauptbaumbarten werden viele Mischbaumarten die Wälder ergänzen.

„Der Wald der Zukunft ist ein artenreicher, bunter Mischwald, da sich artenreiche Wälder als widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse erwiesen haben als artenarme“, unterstreicht Freidhager ihre Bedeutung. „In Summe werden über 40 unterschiedliche Nadel- und Laubbaumarten in unseren Wäldern gepflanzt.“ Neben den genannten Nadelbäumen werden etwa Zirben, vor allem in Hochlagen Salzburgs und Tirols, und Schwarzkiefern in den tieferen Lagen Niederösterreichs gepflanzt. Bei den Laubbäumen ergänzen Berg-, Spitz- und Feldahorne, Weiß- und Hainbuchen, Grau- und Schwarzerlen, aber auch seltenere, alte und edle Wildobstbäume wie Elsbeere, Schwarznuss, Mehlbeere, Traubenkirsche, Wildapfel und Wildbirne das Artenspektrum. „Mit diesem bunten Aufforstungsreigen werden wir den Waldumbau in Richtung Klimawandel vorantreiben, denn bei einem durchschnittlichen Erntealter von 120 Jahren haben wir keine Zeit zu verlieren“, wird Freidhager nicht müde zu betonen. „Denn wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass auch unsere Kinder und Kindeskinder sich noch an der unermesslichen Schönheit von gesunden und vitalen Wäldern freuen können.“
www.waldderzukunft.at

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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