Zum Internationalen Frauentag: Das NHM Wien – von Frauen geprägt

Das Naturhistorische Museum Wien nimmt den Internationalen Frauentag am 8. März 2021 zum Anlass, seine weibliche Seite zu zeigen: Seit 2020 hat das Museum erstmals eine Frau an der Spitze! Gemeinsam mit ihr sind 152 Dienstnehmerinnen in dem Forschungsmuseum beschäftigt. Auch frühere Forscherinnen werden durch einen neuen Schwerpunkt vor den Vorhang geholt.

Die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist ein zentraler Wert und eine der wesentlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Seit Juni 2020 leitet zum ersten Mal eine Generaldirektorin das Naturhistorische Museum Wien und gibt dem Museum eine neue Richtung: Dr. Katrin Vohland.

Seit der Gründung der Sammlungen und des Museums (Eröffnung 1889) ist sie die erste Frau an der Spitze des Hauses. Sie hat Biologie studiert und über Artbildung promoviert, bevor sie die letzten Jahre den Forschungsbereich Museum und Gesellschaft am Berliner Museum für Naturkunde aufgebaut hat. Mit einem Schwerpunkt auf Bürger*innenforschung (Citizen Science) soll die Bevölkerung noch stärker in aktuelle Wissenschaft mit einbezogen werden. „Ich würde mir wünschen, dass es keiner besonderen Nachricht mehr bedarf, die erste Frau in einer leitenden Position zu sein, sondern dass es so selbstverständlich wird, dass es keiner besonderen Erwähnung mehr bedarf, auch als Frau ein solch herausragendes Haus leiten zu dürfen“, merkt Vohland an.

Auch die Stellvertretung der wirtschaftlichen Geschäftsführung ist erstmals in weiblicher Hand: Mag. Elke Lhotak, MA LL.M.

Von den elf Wissenschaftlichen Abteilungen des Museums werden drei von Frauen geleitet, wobei die Abteilungsleiterinnen Mag. Iris Ott (Wissenschaftskommunikation) und Mag. Eva Zimmermann (Bibliotheken) jüngst neu bestellt wurden. Sieben von 13 Fachabteilungen sind unter weiblicher Führung. Die beiden Stabsstellen sind zu 100% weiblich besetzt.

Von den 57 Wissenschaftler*innen des Museums sind 32 weiblich (56,14 %), von insgesamt 160 Akademiker*innen sind 98 Frauen (61,25 %).

Das NHM Wien hat insgesamt 319 Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer, davon sind 152, also 47,64 %, weiblich. Von diesen 152 Mitarbeiterinnen sind wiederum 134 fest angestellt und 18 freie Dienstnehmerinnen. Unter den 134 fest Angestellten befinden sich 73 Vollzeit- und 61 Teilzeit-Mitarbeiterinnen, wobei von letztgenannten wiederum 16 über durch Drittmittel finanzierte Projekte am Museum angestellt sind. Zwei von sieben Betriebsrät*innen sind weiblich.

Seit der Gründung der Sammlung im Jahr 1750 durch Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, den Gemahl Maria Theresias, die quasi als Schutzherrin über die beiden ehemals kaiserlichen Sammlungen zwischen den großen Museen wacht, haben Forscherinnen die Geschichte des Hauses maßgeblich geprägt. Mit der neuen Wissenschafts-Kommunikationsschiene „NHM on tour“ sollen auch die Forscherinnen vergangener Zeiten vor den Vorhang geholt werden und Bewegung in die aktuelle Forschung bringen. Eine von ihnen ist Ida Pfeiffer – nach ihr wurde das erste Elektrolastenrad im Herbst 2020 benannt, mit dem Wissenschaftsprojekte aktiv aus dem Haus in die Wiener Bezirke gebracht werden sollen.

Als erste Frau, die sich 1842 auf eine Forschungsreise begab, ging Ida Pfeifer (1797-1858) in die Sammlungsgeschichte des NHM Wien ein. Sie begann erst im Alter von 45 Jahren zu reisen und war bis zu ihrem Tod fast ständig unterwegs. Sie gilt als eine Frau, die sich ihre Fahrten und ihren Lebensunterhalt durch Publikationen ihrer Reiseerlebnisse und den Verkauf ihrer – während der Reisen angelegten – zoologischen, botanischen und ethnographischen Sammlung finanzierte. Insgesamt 240.000 km zur See und rund 32.000 km zu Land legte sie zurück, viele ihrer Sammlungen befinden sich heute im NHM Wien.

„Unser Elektrolastenrad „Ida 001″ ist ein fahrender Computer und transportiert eine multimediale und partizipative Station, die Bürger*innen dazu einlädt, bei Forschung mitzumachen. Aktuelles Thema ist unser Projekt „Lebensraum Naturnacht“, das sich mit dem Problem der Lichtverschmutzung und deren Auswirkungen auf Ökosysteme beschäftigt“, so Generaldirektorin Dr. Katrin Vohland.

Sobald Veranstaltungen im Rahmen der Covid-19-Regelungen wieder erlaubt sind, wird das Fahrrad durch die Bezirke touren.

Zum Erfolg des Naturhistorischen Museums tragen heute alle seine Frauen bei. Neben der Generaldirektorin prägen nicht nur Mineraloginnen, Geologinnen, Paläontologinnen, Prähistorikerinnen, Anthropologinnen, Zoologinnen, Botanikerinnen, sondern auch Wissenschaftshistorikerinnen, Provenienzforscherinnen, Präparatorinnen, Museumspädagoginnen, Ökologinnen, Bibliothekarinnen, Eventmanagerinnen, Touristikerinnen, Digitalisierungsexpertinnen, Fotografinnen, PR-Frauen und andere Professionistinnen die tägliche Arbeit des modernen Forschungsmuseums.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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