VCÖ: Im Coronajahr 2020 in der Steiermark deutlich weniger Handy-am-Steuer Vergehen – aber Anzahl mit über 15.000 weiterhin sehr hoch

VCÖ: Durch Handy am Steuer so schlechte Reaktion wie mit 0,8 Promille

VCÖ (Wien, 2. März 2021) – In der Steiermark wurden im Coronajahr 2020 weniger Lenkerinnen und Lenker beim Handy-Telefonieren am Steuer erwischt, macht der VCÖ aufmerksam. Mit 15.871 war die Zahl der geahndeten Handy Vergehen aber noch immer sehr hoch. Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille, verdeutlicht der VCÖ. Der VCÖ fordert die Aufnahme von Handy am Steuer ins Vormerksystem und verstärkte Kontrollen insbesondere im Ortsgebiet.

15.871 Lenkerinnen und Lenker wurden im Coronajahr 2020 in der Steiermark beim verbotenen Handy-Telefonieren am Steuer erwischt, um über 6.000 weniger als im Jahr 2019 und um 3.000 weniger als im Jahr 2018, weist der VCÖ auf die Daten des Innenministeriums hin. Nach wie vor ist die Zahl der Handy-Lenker hoch, umso mehr als die tatsächliche Anzahl der Vergehen um ein Vielfaches höhe ist, als Erhebungen in der Vergangenheit gezeigt haben. Wie viele Handy-Lenker erwischt werden hängt damit auch von der Kontrolldichte ab.

Österreichweit wurden im Vorjahr 121.111 Handy-Lenker erwischt. In sechs Bundesländern nahm die Zahl der Handy-am-Steuer-Vergehen im Coronajahr sogar zu, berichtet der VCÖ. „Zu viele meinen es wäre ein Kavaliersdelikat und sind sich der fatalen Folgen nicht bewusst, die das Handy-Telefonieren oder gar das Schreiben von Nachrichten während des Autolenkens haben kann“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Diese fatalen Folgen, die Ablenkung durch Handy am Steuer haben kann, verdeutlicht das nachfolgende Beispiel des VCÖ. Läuft ein Kind zwölf Meter vor einem Pkw, der 30 km/h fährt, auf die Straße, kann ein aufmerksamer Lenker sein Auto vor dem Kind zum Stillstand bringen. Ein Autofahrer, der eine halbe Sekunde verzögert reagiert, fährt das Kind mit einer Geschwindigkeit von rund 25 km/h nieder, was zu schweren Verletzungen führen kann.

„Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille. Handy-Telefonierende Autofahrer reagieren etwa um eine halbe Sekunde später. Im Straßenverkehr, wo oft ein Bruchteil einer Sekunde entscheidet, ob es zu einem Unfall kommt oder nicht, kann das fatale Folgen haben“, weist VCÖ-Experte Michael Schwendinger auf das stark erhöhte Unfallrisiko durch Handy am Steuer hin. Wer während des Lenkens am Handy Nachrichten schreibt, ist sogar bis zu zwei Sekunden im Blindflug unterwegs.

Die derzeitige Strafhöhe von 50 Euro steht in keinem Verhältnis zum Gefährdungspotenzial des Delikts. In Europa zählt Österreich zu jenen Staaten, wo die Strafhöhe sehr niedrig ist. In Italien ist die Strafhöhe mit 165 Euro mehr als dreimal so hoch, in Spanien und Dänemark mit jeweils 200 Euro rund viermal so hoch und in den Niederlanden mit 240 Euro fast fünfmal so hoch. „In Deutschland gibt es nicht nur 100 Euro Strafe, sondern auch einen Punkt im Punkteführerschein. Damit kann gezielt Bewusstseinsarbeit bei jenen gemacht werden, die sich ans Handy-Verbot nicht halten“, spricht sich VCÖ-Experte Schwendinger dafür aus, dass Handy am Steuer auch in Österreich ins Vormerksystem aufgenommen wird.

VCÖ: Im Coronajahr wurden in der Steiermark deutlich weniger Handy-Lenker erwischt  
(Anzahl Strafen in der Steiermark wegen Handy am Steuer)

Jahr 2020: 15.871 geahndete Vergehen wegen Handy am Steuer

Jahr 2019: 22.105

Jahr 2018: 18.874

Jahr 2017: 19.598

Jahr 2016: 17.908

Jahr 2015: 20.215

Quelle: BMI, VCÖ 2021

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


error: (c) arf.at