ServusTV: Eisvorhang auf für ein vertikales Ballett

„Bergwelten: Im hohen Norden Südtirols“, am Mo., 15.03., ab 20:15 Uhr

In der Ruhe trainieren die Kräftigen
Etwas abgelegen, zwischen den Paradebergen der Zillertaler Alpen im Norden und den Dolomiten im Süden, liegt die Region Tauferer Ahrntal. Durch alle vier Jahreszeiten begleitet Bergwelten Menschen, die jeweils auf ihre ganz eigene Weise von dieser Landschaft geprägt wurden und sich in ihr eingefügt haben. Eine davon ist Biathlon-Star Dorothea Wierer, die im Antholzer Tal beheimatet ist. Ab dem Frühjahr herrschen hier ideale Trainingsbedingungen für die so unterschiedlichen Aspekte ihres Sports: Von Laufstrecken rund um den Antholzer See bis zu herausfordernden Trail-Runs hinauf in die karge Gebirgslandschaft der Rieserfernergruppe. Deren Gipfel überragen das Tal um mehr als 2.000 Meter – Dimensionen, wie man sie eher von den Viertausendern der Westalpen kennt.

Sensationsfund in Südtirol
Der 36-jährige Alpinist Simon Gietl aus Luttach im Ahrntal machte bereits mit schwierigen Erstbegehungen in den Dolomiten und auch außeralpin seit gut 15 Jahren von sich reden. Gegenwärtig gilt er als eines der bergsteigerischen „Aushängeschilder“ Südtirols. Für Bergwelten versucht Gietl sich, gemeinsam mit seinem Bruder Manuel, an einer neuen, äußerst schwierigen Felsroute in der steilen Südwand der Durrerspitz im Hochgallmassiv, dem höchsten Gipfel der Region. Hoch hinaus, zur Rieserfernerhütte, der zweithöchsten Hütte der Region auf 2.800 Meter, führt auch Dorothea Wierers Berglauftraining. Diese wird seit 41 Jahren von Gottfried Leitgeb bewirtschaftet, einem der dienstältesten Hüttenwarte Südtirols. Leitgeb ist zudem intimer Gebietskenner und Hobbyarchäologe. Anfang der 1990er-Jahre entdeckte er nahe seiner Hütte eine archäologische Sensation, die als bedeutendster Fund auf Südtiroler Boden nach der Entdeckung Ötzis gilt.

Berge kennen keine Grenzen
Bei den Bergen des Tauferer Ahrntals handelt es sich vielfach um anspruchsvolle, hochalpine Gipfel. Einen dieser herausfordernden Exemplare besteigt Christoph Hainz, der seit über drei Jahrzehnten zu den beständigsten Alpinisten Südtirols zählt. Den „Schneebigen Nock“, die zweithöchste Erhebung der Rieserfernergruppe, nimmt er sich gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin vor. Die landschaftlich spektakuläre Grattour führt eindrucksvoll vor Augen, welche Tücken solche Gipfel selbst im Sommer haben können. Etwas später dann, im Herbst, ist die Zeit für eine historische Besonderheit der Region. Seit über 800 Jahren besitzen Südtiroler Bauern Weiderechte auf der Jagdhausalm im Osttiroler Defereggental und bewirtschaften diese auch. Mit den ersten Schneefällen treiben die Bauern ihr Vieh zurück in die Heimathöfe, ein Wettlauf gegen das Wetter beginnt. Die sogenannte „Transhumanz“ regt allerdings gleichzeitig auch zum Nachdenken an. Gerade in einer Zeit, in der wieder verstärkt über Grenzen debattiert wird, existiert nämlich in Südtirols hohem Norden noch immer eine Almwirtschaft, in der es keine vom Menschen gezogenen Grenzen gibt.

Eisklettern als ästhetischer Spitzentanz
Mit dem Einzug des Winters entsteht schließlich im Tauferer Ahrntal ein neues Medium für Kletterer: das Eis. Seit Ende der 1970er-Jahre hat sich die Region zu einer Hochburg des Eis- und Mixed-Kletterns entwickelt. Profis wie Konrad Auer und Christoph Hainz zählen heute zur internationalen Eiskletter-Spitze. An den bis zu 200 Meter hohen, schmalen Eiskaskaden im Großklausental, einem versteckten Seitental des Ahrntals, demonstrieren beide die Künste des modernen Eiskletterns in all seiner Virtuosität und Ausgereiftheit. Abschluss und visueller Höhepunkt des Films ist die nächtliche Kletterei am Zösenberg-Eisfall im Mühlwalder Tal von Christoph Hainz. Scheinwerfer beleuchten die gefrorenen Eisvorhänge von innen und verwandeln sie in einen durchsichtigen, blau schimmernden Schirm, an dem Hainz ein vertikales Ballett vollführt.  

© ServusTV / Albolina / Mathias Keitsch

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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