Skicross: Die Wahl der richtigen Taktik ist am WM-Kurs in Idre Fjäll das oberste Gebot

Den anspruchsvollen Kurs im schwedischen Idre Fjäll kennen die heimischen WM-Starter im Skicross von zahlreichen Weltcuprennen zur Genüge. Neu ist hingegen, dass es nach der am Mittwoch ausgetragenen Qualifikation nun zwei Tage Pause bis zur Medaillenentscheidung am Samstag (Start 12.30 Uhr) gibt. „Das ist schon eine spezielle Situation, die neu für uns ist. Jetzt heißt es einfach cool bleiben und sich vom Warten auf das Rennen nicht verrückt machen lassen“, erklärt die Steirerin Katrin Ofner, die sich mit Rang drei in der Qualifikation eine gute Ausgangsposition für das 16er-Finale der Damen geschaffen hat. Bei den Herren ist das ÖSV-Quartett Johannes Rohrweck (10.), Johannes Aujesky (20.), Robert Winkler (21.) und Sandro Siebenhofer (25.) in der Finalentscheidung der Top 32 ebenfalls mit dabei.

Bei der gestrigen Vergabe um die Startplätze spielte der in Idre Fjäll so gefürchtete Wind einmal mehr mit hinein. Vor allem auf der langen Zielgeraden sorgten die wechselnden Verhältnisse dafür, dass die Top 32 bei den Herren nicht weniger als 4,11 Sekunden auseinanderlagen, bei den Top-16-Damen betrug die Differenz ebenfalls satte 4,30 Sekunden.

„Mit Startnummer eins war ich in der Qualifikation so etwas wie die Testpilotin, aber ich habe zum Glück eine gute Fahrt hinbekommen. Ich habe zusammen mit den Trainern noch einmal meine Strategie ändern müssen, weil die Strecke im Vergleich zur Trainingsfahrt vor der Quali viel langsamer geworden ist“, bilanziert Katrin Ofner, die im Jänner bei den zwei Weltcuprennen auf dem WM-Kurs die Plätze vier und fünf belegt hat. „Im Gegensatz zum Weltcup sind bei der WM auch die beiden starken Schwedinnen Sandra Näslund und Alexandra Edebo wieder mit dabei, die man sicher auf der Rechnung haben muss. Wir sind alle hier, um eine WM-Medaille zu gewinnen, aber dafür muss alles zusammenpassen“, hält Ofner fest.

Der Oberösterreicher Johannes Rohrweck, zuletzt guter Weltcup-Sechster in Idre Fjäll, streicht die Besonderheiten des WM-Kurses noch einmal heraus: „Hier kommen viel mehr taktische Überlegungen ins Spiel als auf jeder anderen Strecke. Vor allem der Windschatten ist sonst nirgends so wichtig wie hier. Es ist keine Seltenheit, dass du als Vierter auf die 600 Meter lange Zielgerade einbiegst und dann als Erster durchs Ziel fährst. Es ist auch wichtig, nie aufzugeben, denn hier kann sich bis zum letzten Meter immer etwas tun“, konkretisiert Rohrweck.

„Von den 32 Fahrern, die am Samstag am Start stehen, kann jeder auf das Podest fahren“, lautet die Antwort des Steirers Robert Winkler auf die Frage nach den Medaillenchancen der ÖSV-Herren. Dass die Qualifikation nicht allzu große Aussagekraft habe, zeige das Beispiel des Franzosen Bastien Midol: „Er ist beim Weltcup in der Quali zweimal Bestzeit gefahren und war dann in beiden Rennen im Achtelfinale draußen. Am ersten Tag ist er in seinem Heat als Führender vom Gegenwind gebremst worden und die Konkurrenten sind aus dem Windschatten heraus an ihm vorbeigefahren. Im zweiten Rennen wollte er das Feld von hinten aufrollen, das hat aber nicht geklappt, weil es im Gegensatz zum Vortag Rückenwind gegeben hat“, charakterisiert Winkler die Tücken, die die äußeren Einflüsse in Idre Fjäll oft mit sich bringen.

„Deshalb schauen wir uns schon jetzt die Wettervorhersagen für Samstag sehr genau an, denn davon hängt es auch ab, welche Taktik wir wählen werden. Es kann sogar sein, dass sich während des Rennens die Bedingungen ändern, die dann auch eine neue Strategie erfordern“, erläutert der Steirer Sandro Siebenhofer, der zuletzt in Schweden mit Rang acht sein bestes Weltcupresultat erreicht hat. Bester Österreicher vor zwei Jahren bei der WM in Solitude (USA) war Johannes Aujesky als Sechster. „Das war ein gutes Resultat für mich, aber wenn es für uns hier weiter nach vorne gehen würde, hätten wir nichts dagegen“, meint der Niederösterreicher augenzwinkernd.

TV-Hinweis:
ORF SPORT+ überträgt die Skicross-WM in Idre Fjäll am Samstag (13.02.2021) ab 12.25 Uhr LIVE. ORF 1 berichtet ab 13.00 Uhr.

Foto: GEPA/ÖSV

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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