Fachkräftenachwuchs Jahresstatistik 2020 – Region Ennstal/Salzkammergut: Corona-Krise als Bildungszeit genutzt

MEISTER-/BEFÄHIGUNGSPRÜFUNG. „Corona“ Zeit sinnvoll genutzt

Deutliches Zeichen, dass die Zeit für Aus- und Weiterbildungen genützt wird, ist der große Zuwachs bei den abgelegten Meister- und Befähigungsprüfungen im Jahr 2020. 674 Meister- und Befähigungsprüfungen und 404 Unternehmerprüfungen in der Steiermark sprechen eine klare Sprache. So wurden steiermarkweit um 21 Prozent mehr Prüfungen absolviert gegenüber dem Vorjahr. Beliebte Meisterprämie von 1.000 Euro geht in die Verlängerung und steht auch 2021 zur Verfügung.

LEHRE. Deutlicher Trend zum Handwerk in der Region erkennbar

Das Corona-Jahr 2020 hat auch in der Lehrlingsbilanz deutliche Spüren hinterlassen. Zwischenzeitlich zeigten die Zahlen auf ein Minus von über 20 Prozent, was sich bis Jahresende auf einen steiermarkweiten Wert von -7,9 Prozent einpendelte. Die Region Ennstal/Salzkammergut kann dabei von einem „blauen Auge“ sprechen, da lag der Rückgang der betrieblichen Lehranfänger bei -7,16 Prozent. Die Verantwortung in die Ausbildung zu investieren und somit Fachkräfte von morgen selber auszubilden, ist trotz Krise bei den Unternehmerinnen und Unternehmern zu spüren. So stieg die Anzahl der Lehrbetriebe in der Region um +3,7 Prozent bzw. sind im letzten Jahr 16 Lehrbetriebe dazugekommen. Was deutlich über dem steiermarkweiten Trend liegt. Bei der Geschlechterverteilung bei den Lehranfängern verschob sich das Verhältnis leicht zu den männlichen Lehrlingen, so beträgt die Aufteilung 65 Prozent männlich zu 35 Prozent weiblich.

JahrLehrlinge gesamtLehrbetriebe gesamt
20191.232417
20201.201433

„Der Lehrbetriebszuwachs und die damit verbundene Bereitschaft in die Lehre zu investieren, ist ein klares Zeichen für die Zukunft. Das Jahr 2020 hat auch deutlich gezeigt, dass eine fundierte Berufsausbildung sich sehr krisensicher bewährt. Gerade einen Beruf zu erlernen, bedeutet eine Berufsausbildung zu haben, von der sich wiederum viele Möglichkeiten der weiteren beruflichen Karriere auftun (Meister, Selbstständigkeit, Fachexperte bis hin zum Studium).“, so Regionalstellenleiter Christian Hollinger.

Dennoch sprechen die Regionszahlen was den Lehrstellenmarkt betrifft auch eine deutliche Sprache. Mit Jahresende standen 210 offene Lehrstellen 24 Lehrstellensuchende gegenüber.

Top Zuwächse bei den Lehrberufen (Vergleich 2019 zu 2020)

  • Koch/in
  • Konditor/in (Zuckerbäcker/in)

Zuwächse bei Lehrberufen (Vergleich 2019 zu 2020)

  • Augenoptik
  • Betriebslogistikkaufmann/frau
  • Bürokaufmann/frau
  • Dachdecker/Dachdeckerin
  • Drucktechnik
  • Druckvorstufentechniker/in
  • Fahrradmechatronik
  • Fertigteilhausbau
  • Fertigungsmesstechnik
  • Fitnessbetreuung
  • Friseur/in (Stylist/in)
  • Garten- und Grünflächengestaltung
  • Gold- und Silberschmied/in und Juwelier/in
  • Hochbau
  • Hotel- und Restaurantfachmann/frau
  • Informationstechnologie
  • Installations- und Gebäudetechnik
  • Karosseriebautechnik
  • Kraftfahrzeugtechnik
  • Kunststofftechnik
  • Labortechnik
  • Land- und Baumaschinentechnik
  • Masseur/in
  • Milchtechnologie
  • Ofenbau- und Verlegetechnik
  • Platten- und Fliesenleger/in
  • Rauchfangkehrer/in
  • Seilbahntechnik
  • Spengler/in
  • Sportgerätefachkraft
  • Straßenerhaltungsfachmann/-frau
  • Tischlereitechnik
  • Vermessungstechniker/in
  • Versicherungskaufmann/frau
  • Verwaltungsassistent/in
  • Zahntechnik

Stärkste Rückgänge bei den Lehrberufen (Vergleich 2019 zu 2020)

  • Einzelhandel
  • Restaurantfachmann/frau

Regionalstellenobmann Egon Hierzegger resümiert: „Bei allen besuchten Betrieben ist mir schon sehr stark aufgefallen, dass hier Eigeninitiative zur Kreativität in Innovation mündet. Bemerkenswert ist die Bereitschaft und der finanzielle Einsatz vieler Betriebe, um einerseits eine fundierte Lehrlingsausbildung zu ermöglichen und andererseits ein großes Augenmerk auf innerbetriebliche Aufstiegsmöglichkeiten und ein gutes Arbeitsklima legen. Auszeichnung / Erfolg kommt eben nicht von ungefähr.“

HOMESCHOOLING. Kritische Betrachtung

Die WKO Regionalstelle Ennstal/Salzkammergut blickt mit Sorge auf die „Homeschooling-Generation“. Es kann nicht sein, dass zur aktuellen Wirtschaftskrise auch noch das Bildungsniveau der heranwachsenden Generation noch weiter leidet. Es darf zu keiner zwei Bildungsklassengesellschaft werden, wo Schüler/innen, die in den Schulen sind eine andere Voraussetzung haben gegenüber jenen, die über Homeschooling teilnehmen und dadurch die Gefahr besteht, dass Teile der Schülerschaft abgehängt werden. Ebenso ist diese Zusatzbelastung bei den Eltern enorm, wo neben der beruflichen Betätigung noch zusätzlich die Betreuung und erhöhter Unterstützungsbedarf dazukommt. Es gibt nach wie vor viel Aufholbedarf hinsichtlich der technischen Ausstattung und dem Umgang in teils beengten Wohnverhältnissen und der Unterstützungsmöglichkeiten im Lernprozess.

Lehrbetriebe hatten schon in der Vergangenheit zu kämpfen, gewisse Wissenslücken in den Grundkompetenzen zu kompensieren. „Die Digitalisierung bringt viele Vorteile, gerade die Kombination aus Präsenz- und Fernunterricht wäre ein Bildungsformat, das ein positiver Reformeffekt aus der Krise wäre. Eine Trendumkehr wäre dringend erforderlich, gerade in Zeiten von Fachkräftemangel braucht die regionale Wirtschaft heranwachsende Bildungsgewinner.“ so Regionalstellenleiter Christian Hollinger.

Logo: WKO Steiermark

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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