Querfeldein – 120 Jahre Geschichte über Schotter, Wiesen, Sand und Schlamm


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Ohne Zuschauer werden Ende Januar in der flämischen Hafenstadt Ostenende die 72. UCI-Weltmeisterschaften im Cyclocross über die Bühne geben. Doch auch ohne die frenetischen und radsportaffinen Zuseher werden die Medaillenrennen im Querfeldein zum ersten großen sportlichen Highlight des neuen Radsportjahres. Vor allem das heiß erwartete Duell der dreifachen Weltmeister Mathieu van der Poel (Niederlande) und Wout Van Aert (Belgien) gilt schon jetzt als absoluter Leckerbissen. Und mit Nadja und Philipp Heigl sind nach der Absage der Juniorenbewerbe nun zwei Österreicher im Einsatz in der seit über 100 Jahren alten Sportart, die eine der Säulen des Radsports in Europa darstellt.

Denn rund um 1900 fand der Sport seinen Ursprung an der französischen Riviera. Um die Kondition und das Gleichgewicht zu fördern, trainierten einige Athleten anstatt auf den staubigen Schotterstraßen der damaligen Zeit auf den Strandabschnitten, mieden auch keine steilen Dünenauf- oder -abfahrten. Am 10. Januar 1903, also rund ein halbes Jahr vor der Erstaustragung der Tour de France, fand das erste dokumentierte Rennen statt.

Knapp 20 Jahre später ging mit dem Critérium International, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Straßenrennen, welches von 1932 bis 2016 ausgetragen wurde, der erste internationale Wettbewerb über die Bühne. Von 1924 bis 1949 bildete das Rennen die inoffizielle Weltmeisterschaft im Querfeldeinsport, bei der 1928 mit Rudolf Kremmel und Ferdinand Boesch die ersten beiden Österreicher am Start standen.

1950 wurden dann erstmals in Paris eine offizielle Weltmeisterschaft ausgetragen. Der Debütsieger war mit Jean Robic ein Lokalmatador, der wenige Jahre zuvor die Tour de France für sich entscheiden konnte. Bis 1967 starteten Amateure und Profisportler in einer Kategorie. Im letzten Jahr der einheitlichen Klasse kehrten auch die Österreicher zurück zum Cross. Mit Karl Grubmaier, Robert Csenar, Roman Humenberger und Leopold Kretz stand ein Quartett am Start, von denen Grubmaier das Rennen auf Rang 46 beenden konnte.

Ab 1968 wurden die Titel bei den Profis als auch den Amateuren vergeben, 1979 nahm die UCI die Junioren mit ins Programm auf, 1996 die U-23 der Männer. 2000, bei der 51. Weltmeisterschaft wurde erstmals ein Regenbogentrikot für Elitefrauen vergeben. Die weiblichen U23-Fahrerinnen folgten 2016, die Juniorinnen im vergangenen Jahr 2020 in Dübendorf in der Schweiz.

Mit Rang 23 bei den Amateuren 1971 sorgte Hermann Höllwert für das beste rot-weiß-rote Ergebnis in der Geschichte bei den Männern. Bei ihrem dritten WM-Start bei den Frauen konnte Österreichs Cross-Pionierin Isabella Wieser mit Platz 19 dieses unterbieten. Dieses Ranking wurde dann 2015 in Tabor von Nadja Heigl eingestellt, die als 18-Jährige in der Eliteklasse der Frauen erstmals aufzeigte. In der dann im Folgejahr etablierten U23-Kategorie der Frauen wurde sie Fünfte und ein Jahr später fuhr sie in Valkenburg in den Niederlanden zur historisch ersten Medaille für den rot-weiß-roten Radsport.

Dass die Wurzeln der Sportart, als zusätzliches Training und harte Belastung in einer anderen Rennzeit, Querfeldein wird vom Spätherbst bis zum Frühling gefahren, durchaus auch Sportler aus anderen Disziplinen locken, zeigen nicht nur die aktuellen Starter wie Heigl, die auch auf der Straße und im Mountainbike zu finden ist, sondern auch ehemalige heimische WM-Teilnehmer wie der mehrfache Österreich Rundfahrt-Etappensieger Ludwig Kretz, Tour de France-Starter Erich Jagsch oder Gregor Mühlberger, der Olympiazehnte im Mountainbike Alexander Gehbauer, Marathon-WM-Medaillist Daniel Geismayr oder die aktuelle Junioren-Welt- und -Europameisterin Mona Mitterwallner.

Nadja Heigl – Foto: Elisa Haumesser/ÖRV
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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