Wirtschaftsbarometer Region Ennstal/ Salzkammergut – Talsohle durchschritten, aber Unsicherheiten bleiben

Die Corona-Krise hat die Unternehmen in Liezen schwer getroffen. Vor allem die Konjunkturdaten zum Gesamtumsatz und zur Auftragslage liegen im neuen Wirtschaftsbarometer der WKO Steiermark auf einem historischen Tiefstand – aber mit ersten Aussichten auf Besserung. Bei den Geschäftserwartungen zeigen die Trendpfeile für die kommenden Monate nämlich nach oben.

Eine Stimmungsaufhellung, die sich auch bei der Einschätzung des Wirtschaftsklimas widerspiegelt. Während der Negativsaldo hier aktuell noch bei ‑61 Prozentpunkten zu liegen kommt – 61,2 Prozent sehen gegenüber dem Vorjahr eine Verschlechterung, 0,2 Prozent eine Besserung – beträgt der künftige Erwartungssaldo nämlich ‑19,5 Prozentpunkte. Das ist zwar noch immer ein klarer Minuswert, aber auf deutlich höherem Niveau als im Frühjahr 2020. Ein Zeichen dafür, dass die wirtschaftliche Talsohle durchschritten sein könnte. „Unternehmer sind grundsätzlich dem Optimismus verpflichtet, müssen aber natürlich auch realistisch bleiben. Darum braucht es weitere Konjunkturimpulse, um Arbeitsplätze und damit Wohlstand im Land weiter zu sichern“, betont Regionalstellenobmann Egon Hierzegger.

Die Konjunktur in der Steiermark ist aktuell noch immer von Corona und den dadurch ausgelösten Maßnahmen geprägt – das zeigen die Zahlen des aktuellen Wirtschaftsbarometers der WKO Steiermark deutlich. Nach einem durchwegs positiven Start ins Jahr 2020 wurde die Wirtschaft in Liezen durch das Virus jäh gebremst. Eine konjunkturelle Vollbremsung, die sich auch deutlich auf die Saldenwerte zum bisherigen Geschäftsverlauf auswirkt. Im Detail: Gesamtumsatz (‑65,7 Prozentpunkte) und Auftragslage (‑57) sind klar im Minus. „Damit haben sich die Erwartungen aus unserer Frühjahrsumfrage leider erfüllt“, erklärt Regionalstellenobmann Egon Hierzegger, der aber auch von einem „ersten Silberstreif am Konjunkturhimmel“ zu berichten weiß. Denn beim Ausblick auf die Geschäftserwartungen der kommenden Monate zeigen die Trendpfeile wieder nach oben. So steigt die Umsatzerwartung von zuletzt ‑77,4 Prozentpunkten auf ‑2,2, die Auftragslage von ‑51,6 auf +1,3, die Preise von ‑20,1 auf +2,7, die Investitionen von ‑71,3 auf +33,2 und die Beschäftigung von ‑55,3 auf +22,3 Prozentpunkte. „Damit bleiben zwar vereinzelt Saldenwerte im Minusbereich, zeigen aber einen deutlichen Aufwärtstrend. Kommen keine weiteren einschneidenden Corona-Maßnahmen, könnte die wirtschaftliche Talsohle durchschritten sein“, zeigt sich dennoch Regionalstellenleiter-Stellvertreter Christian Hollinger vorsichtig optimistisch. Denn die Entwicklung sei noch von vielen Unsicherheiten geprägt. Das zeigt auch die Einschätzung des allgemeinen Wirtschaftsklimas: Hier beträgt der Saldowert aktuell ‑61 Prozentpunkte, steigt aber in den Erwartungen für die kommenden Monate auf ‑19,5 Prozentpunkte.

„Die Regierung hat in der Krise entschieden gehandelt. Gemeinsam mit den Sozialpartnern wurden viele Maßnahmen gesetzt, die noch schlimmere wirtschaftliche Auswirkungen verhindert haben. Auf dieser Basis können wir jetzt – wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen – den wirtschaftlichen Restart schaffen“, ist Regionalstellenobmann Egon Hierzegger überzeugt. Insgesamt 820 Unternehmerinnen und Unternehmer haben in der Steiermark an der großen Konjunkturumfrage teilgenommen. „Sie spiegelt sämtliche Branchen, Regionen und Betriebsgrößen wider und bietet dazu auch einen Überblick zur Wirksamkeit der bisherigen Corona-Maßnahmen“, erklärt Regionalstellenleiter-Stellvertreter Christian Hollinger.

So schätzen die Unternehmen in der Region Ennstal/Salzkammergut die Geschäftsentwicklung ein

UMSATZ. Die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Krise für die steirische Wirtschaft sind enorm und spiegeln sich in den Umsatzzahlen der Unternehmen in Liezen wider: 76,7 % der befragten Betriebe verzeichneten in den vergangenen 12 Monaten Umsatzrückgänge, nur 10,9 % wiesen ein Umsatzplus auf (Saldo bisher: ‑65,7 Prozentpunkte). Die Einschätzungen in Bezug auf die künftige Entwicklung haben sich gegenüber der Frühjahres-Umfrage zwar verbessert (Erwartungssaldo: ‑2,2 Prozentpunkte), eine rasche und nachhaltige Erholung ist aber dennoch nicht zu erwarten: 15,8 % rechnen mit weiteren Umsatzrückgängen, 13,5 % erwarten eine Verbesserung ihrer Umsatzsituation und 61,1 % können zum Umfragezeitpunkt gar keine Einschätzung abgeben. Die Unsicherheit unter den Betrieben ist somit im Herbst weiterhin hoch.

Auftragslage. In puncto Auftragslage zeigt sich ein ähnliches Bild: Auch in diesem Bereich kam es seit Beginn der COVID-19-Pandemie zu klaren Rückgängen (Saldo bisher: ‑57 Prozentpunkte). Die Erwartungen sind im Saldo zwar leicht positiv (1,3 Prozentpunkte), die Verunsicherung ist aber weiterhin stark ausgeprägt: 13,8 % rechnen mit steigenden Auftragszahlen in den kommenden 12 Monaten, 12,5 % gehen von weiteren Rückgängen aus und 62,8 % – so viele wie in keiner anderen Region – können gar keine Prognose abgeben.

Preise. Preisseitig hatte die Corona-Krise in Liezen bisher kaum einen Effekt (Saldo bisher: 0,2 Prozentpunkte), woran sich in den kommenden Monaten nur wenig ändern dürfte. Der Preis-Erwartungssaldo liegt mit 2,7 Prozentpunkten zwar knapp über der Nulllinie (Preise werden steigen: 12,3 %; sinken: 9,6 %), die Mehrheit der Unternehmen (69,9 %) rechnet jedoch künftig mit einem gleichbleibenden Preisniveau.

Investitionen. Trotz Corona-Krise gibt es in der Region Liezen positive Signale aus dem Investitionsbereich. Sowohl der Saldo des bisherigen als auch des erwarteten Investitionsvolumens liegen klar über der Nulllinie. 53 % planen ihr Investitionsvolumen auszuweiten, vergleichsweise nur 19,8 % gehen von einer Reduktion aus (Erwartungssaldo: 33,2 Prozentpunkte). Als Hauptmotiv gelten in Liezen in 62,6 % der befragten Betriebe Neuinvestitionen.

Beschäftigung. Der steirische Arbeitsmarkt ist durch die Corona-Krise stark unter Druck geraten, in Liezen sind die Auswirkungen aber bisher moderat ausgefallen (siehe dazu auch S. 8). Beide Saldenwerte liegen im Herbst 2020 über der Nulllinie (bisher: 5; erwartet: 22,3 Prozentpunkte). Jeder Dritte möchte künftig eher Personal aufstocken, wohingegen 11,3 % von einem Personalabbau ausgehen. 10,3 % können keine Einschätzung zur Personalstandentwicklung abgeben.

Wirtschaft fordert eine zusätzliche Milliarde
für kommunales Investitionsprogramm

Damit diese negativen Aussichten zu keinem weiteren Arbeitsplatz- und damit Wohlstandsverlust werden, brauche es zusätzliche konjunkturbelebende Maßnahmen, ist Egon Hierzegger überzeugt: „Wir müssen die Abwärtsspirale durchbrechen und die Konjunkturlok wieder in Fahrt bringen. Dafür braucht es zum einen wieder Vertrauen und Planbarkeit, zum anderen investitionsfördernde Impulse. Die Politik hat in der Krise schnell und entschieden reagiert, selbiges erwarten wir uns jetzt auch für den wirtschaftlichen Restart“, betont Regionalstellenobmann Hierzegger. Die Experten der WKO Steiermark haben dafür ein entsprechendes Maßnahmenpaket geschnürt, hier die wichtigsten Kernpunkte im Überblick:

  • MEHR FAIRNESS: Vollständige Kosten-Entschädigung bei Quarantäne-Bescheiden
  • Aufgrund der Fülle an Corona-Fällen bekommen Unternehmen von den Bezirkshauptmannschaften oftmals nur mehr mündliche Bescheide bzw. zwischen den Corona-Tests und der Bescheiderstellung vergehen meist mehrere Tage. Für beide Fälle wird eine Kostenübernahme durch die öffentliche Hand gefordert.

  • MEHR SICHERHEIT: Vertrauen aufbauen durch wirtschaftliche Hilfestellung
  • Weiterführung der wirtschaftlichen Unterstützungen (Härtefallfonds, Fixkostenzuschuss, Stundungen etc.)
  • Keine neuen Steuern und Belastungen, wie die Nova-Änderung
  • Klare Perspektiven für alle Branchen der gewerblichen Wirtschaft

  • MEHR INNOVATION: Gezielte Maßnahmen als Motor des Aufschwungs
  • Wiedereinführung des Investitionsfreibetrags
  • Digitalisierungsinfrastruktur vorantreiben: Breitbandausbau gehört forciert
  • Digital Innovation Hub-Süd implementieren
  • MEHR KONJUNKTURIMPULSE: Zusätzliche Maßnahmen der öffentlichen Hand
  • Thermische und energetische Sanierung förderungstechnisch und steuerlich
    vorantreiben
  • Schwellenwertverordnung temporär auf 300.000 Euro anpassen
  • Zusätzliche Milliarde für kommunales Investitionsprogramm

So wirksam sind die bisherigen Corona-Hilfsmaßnahmen

Abgefragt wurde im Rahmen des Wirtschaftsbarometers auch die Wirksamkeit der bisherigen Corona-Hilfsmaßnahmen. Die gewerblichen Unternehmen in der Steiermark sehen demnach vornehmlich die Investitionsprämie (60,5 %) und die Corona- Kurzarbeit (52 %) als Schwerpunktmaßnahmen im Zusammenhang mit der Krisenbewältigung. Es folgen mit einigem Abstand Kreditgarantien und Haftungen (20 %), Corona-Hilfsfonds (18,9 %), die Verbesserung der Abschreibungsmethoden (17,7 %) sowie Stundungen von Steuern und Abgaben (17,6 %). In den kommenden sechs Monaten planen die befragten steirischen Betriebe – insbesondere mittelständische und Großunternehmen – vor allem die Investitionsprämie (70,1 %) in Anspruch zu nehmen. An zweiter Stelle rangieren die verbesserten Abschreibungsmethoden (32,2 %), gefolgt von der Corona-Kurzarbeit (27,8 %) und dem Corona-Hilfsfonds (21,5 %). Der Bereich Kreditgarantien und Haftungen ist für 18,8 % von Bedeutung, während Stundungen von Steuern und Abgaben für 15,3 % auch weiterhin als Maßnahme von Relevanz ist.

Liezen, 17.12.2020

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


error: (c) arf.at