Grüne Landtags-Anfrage zu Boom an Feriendörfern: „Je unberührter die Landschaft, desto höher das Interesse der InvestorInnen!“

Grünen-LAbg. Lambert Schönleitner bringt umfangreiche Landtagsanfrage an Landesrätin Lackner ein: „Besorgniserregende Entwicklung führt zu immer weiterer Flächenversiegelung, zu mehr Verkehr, zu problematischen Eingriffen in das Landschaftsbild, zur Zerstörung intakter Naturräume, infolgedessen zu einem weiteren Rückgang der Biodiversität, zu galoppierenden Grundstückspreisen und damit zu unerschwinglichen Wohnpreisen für Einheimische!“

Das umstrittene Projekt eines Chaletdorfes am Ufer des weitgehend unberührten Leopoldsteiner Sees bei Eisenerz führt jetzt zu einer umfangreichen Landtagsinitiative des Grünen Landtagsabgeordneten Lambert Schönleitner. Er will von Landesrätin Ursula Lackner unter anderem wissen, ob die Stadtgemeinde Eisenerz aufgefordert wurde, eine Rückwidmung zu prüfen und ob die Landesregierung „in Wahrnehmung ihrer Aufsichtspflicht bekannt war, dass es nach Scheitern des Hotelbaus in den 1990er Jahren zu keiner Rückwidmung kam? Wenn ja, seit wann?“

Schönleitner nimmt in seiner Anfrage aber gleichzeitig auch die grundsätzliche Problematik ins Visier: „Seit über 15 Jahren kommt es in der Steiermark zu einem markanten Anstieg an diesen touristisch genutzten Chalets bzw. Feriendörfern. Sie entstehen in den touristisch attraktiven Regionen der Steiermark, das heißt je unberührter die Landschaft, desto höher das Interesse potentieller InvestorInnen. Diese besorgniserregende Entwicklung führt zu immer weiterer Flächenversiegelung, zu mehr Verkehr, zu problematischen Eingriffen in das Landschaftsbild, zur Zerstörung intakter Naturräume, infolgedessen zu einem weiteren Rückgang der Biodiversität, zu galoppierenden Grundstückspreisen und damit zu unerschwinglichen Wohnpreisen für Einheimische“, so Schönleitner, der dazu gleich sieben weitere Fragen an Lackner stellt und Fakten einfordert:

Wurden oder werden Daten erhoben, wieviele Chalets- und Appartementprojekte in der Steiermark seit 2010 bewilligt und errichtet wurden und wenn ja, wie lauten die Zahlen und welche Flächenwidmungen weisen die nun bebauten Grundstücke auf?

Zugunsten wievieler dieser Projekte musste die Flächenwidmung geändert werden, um sie genehmigungsfähig zu machen (jeweils bis 12 Monate vor Einbringung des Antrags)?
a) Bei welchen Projekten wurden Freiland-Grundstücke in Bauland umgewidmet?
b) Bei wievielen dieser Grundstücke handelte es sich zuvor um landwirtschaftlich genutzte Flächen?

Wieviele Chalet- bzw. Appartementprojekte in der Steiermark seit 2010 unterlagen der UVP-Pflicht? Welche die UVP-Pflicht auslösenden Tatbestände waren in diesen Fällen erfüllt? 

Wieviele Chalet- bzw. Appartementprojekte wurden in Landschaftsschutzgebieten realisiert bzw. wie viele wurden naturschutzrechtlich verhandelt und in wie vielen dieser Fälle fiel die naturschutzfachliche Beurteilung negativ aus?

Wieviele „illegale Zweitwohnsitze“ gibt es geschätzt in der Steiermark?

Welche Möglichkeiten sieht die Landesregierung, um die Entwicklung von Chalets- und Appartementprojekte im Sinne einer nachhaltigen Raumplanung (unter Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Bedürfnissen einer Region) zu steuern, etwa durch die Festlegung von Ausschlusszonen? 

Gibt es in anderen Bundesländern Maßnahmen zur Steuerung der Entwicklung von Chalets- und Appartementprojekten? Wenn ja, welche? 

Zurück zu den Plänen am Leopoldsteiner See: Mit der Frage „Welche rechtlichen Möglichkeiten hat die Landesregierung, um einen Eingriff in dieses Naturjuwel zu verhindern?“ fordert Schönleitner Klartext von Lackner. 

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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