Italienisch-österreichisches Projekt erweitert Zusammenarbeit im Erdbeben-Katastrophenschutz

Am 17. Dezember 2020 findet eine öffentliche Online-Veranstaltung des Projekts ARMONIA statt, unter anderem mit einer Direktschaltung in die Einsatzzentrale in Palmanova.

Bei ARMONIA entwickeln sieben Organisationen aus Italien und Österreich grenzüberschreitende Strategien für das Management von Naturgefahren mit Schwerpunkt Erdbeben.

Aus Österreich sind die ZAMG und die Universität Innsbruck beteiligt.

Die italienischen Regionen Friaul-Julisch Venetien und Veneto sowie Österreich erarbeiten im Projekt ARMONIA gemeinsame Einsatzprotokolle, um bei Naturkatastrophen Rettungsaktionen zu beschleunigen und zu erleichtern.

In der Projektregion ereignen sich immer wieder deutlich spürbare Erdbeben. Im Mai 1976 erschütterte Friaul eines der schwersten Erdbeben in der Geschichte des Alpen-Adria Raums. Mehr als 1.000 Menschen starben, über 45.000 Menschen wurden obdachlos.

Sofortige Beurteilung der Schadensverteilung

Im derzeit laufenden Projekt ARMONIA wird unter anderem ein innovatives Überwachungssystem entwickelt, das grundlegende Informationen für schnelle und gezielte Maßnahmen im Erdbebenfall liefert. Dabei werden zum Beispiel auf Gebäuden unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Bauart Messgeräte installiert, um Daten über die Anfälligkeit der jeweiligen Bausubstanz für Erdbeben zu erhalten.

Für die Einsatzzentralen entwickeln die Partnerorganisationen Analysetools, wie thematische Karten in Echtzeit, um eine sofortige Beurteilung der Schadensverteilung zu ermöglichen.

Weiters soll die Einführung eines einheitlichen grenzüberschreitenden Modells für das Risikomanagement die Einrichtungen des Zivilschutzes und Regionalregierungen bei der Ausarbeitung von Plänen zum Schutz der Bevölkerung unterstützen. Gemeinsame Protokolle für die Ausbildung und gemeinsame Übungen von Freiwilligen des Katastrophenschutzes und der Bevölkerung werden außerdem die Koordination schneller grenzüberschreitende Maßnahmen verbessern.

Online-Veranstaltung für alle Interessierten

Die Expertinnen und Experten der beteiligten Organisationen präsentieren am Donnerstag den 17. Dezember 2020 (16.30 bis 18.30 Uhr) das Projekt und stehen für Fragen zur Verfügung. Die Veranstaltung findet online statt und richtet sich sowohl an interessierte Bürgerinnen und Bürger also auch an Fachleute.

Der Vortrag über die Praxis der Erdbebenwarnung in der Region Friaul-Julisch-Venetien erfolgt direkt aus der Einsatzzentrale des Zivilschutzes in Palmanova.

Österreich wird durch Wolfgang Lenhardt vertreten, dem Leiter der Abteilung für Geophysik an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Er berichtet über die Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlicher Forschung und Zivilschutz in Österreich und gibt einen Überblick zum aktuellen Stand der Erdbebenforschung und Erdbebenüberwachung.

Infos und Anmeldung zur Veranstaltung unter www.armoniaproject.eu bzw. über https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_RbLWFhHATY6brEJ0ZF82XA

Sieben Organisationen aus Italien und Österreich

Am Projekt beteiligt sind aus Italien: das Ozeanografische und Geophysikalische Institut Udine, die Universitäten von Triest und Udine, sowie der Zivilschutz der Regionen Veneto und Friaul-Julisch Venetien. Aus Österreich: Universität Innsbruck und Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

ZAMG liefert Messstationen und historische Auswertungen

Die ZAMG hat im Rahmen des Projekts in Kärnten und Tirol sechs neue Erdbebenstationen installiert und ein Test-Gebäude in Innsbruck mit Sensoren bestückt. Außerdem arbeitet die ZAMG im Bereich historische Erdbebenforschung. Dabei werden bis 1000 Jahre zurück, also bis weit vor den Beginn instrumenteller Messungen, historische Schriften ausgewertet und auf die Auswirkungen von Erdbeben nach modernen Messkriterien umgelegt. So erhält man sehr lange Datenreihen für die Bebentätigkeit einer Region, die in die Beurteilung der Bebengefährdung eingehen und zum Beispiel beim Erstellen von Baunormen berücksichtigt werden.

Die Universität Innsbruck beteiligte sich auch mit paläoseismologischen Untersuchungen. Dabei werden in Sedimenten die Spuren von Erdbeben ausgewertet, die sich vor rund 1000 bis über 100.000 Jahren ereignet haben.

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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