Bergwelten: Manaslu – Berg der Geister, Rekorde und Tragödien

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Mo., 28.12., ab 20:15 Uhr auf ServusTV

Historische Aufnahmen aus dem Goldenen Zeitalter
Manaslu bedeutet in Sanskrit „Berg der Geister“ oder „Berg der Seele“. Der Manaslu liegt so versteckt im Nordosten des Marsyangdi-Tals von West-Nepal, dass es bis 1950 kein Foto von ihm gab. In der Entdeckerzeit der Fünfziger Jahre beanspruchten einige Nationen einzelne Achttausender Gipfel für sich. So wie der Everest als Berg der Engländer und der Nanga Parbat als „Schicksalsberg der Deutschen“ galt, wurde der Manaslu der Berg der Japaner. Der Film zeigt Originalaufnahmen der japanischen Erstbesteigung, die nach mehreren Erkundungen und Versuchen 1956 gelang. Am 9. Mai standen Toshio Imanshi und Sherpa Gyaltsen Norbu als erste Menschen auf dem Gipfel des Manaslu. Die Bergsteiger filmten ihren Aufstieg bis zum höchsten Punkt – eine echte Rarität unter den Achttausender-Erstbesteigungen. So sind diese Filmausschnitte einmalige Dokumente aus dem „Goldenen Zeitalter“ des Himalaya-Bergsteigens.

Schneesturm des Todes
Als Reinhold Messner 1972 auf dem Manaslu stand, war das Himalaya-Bergsteigen in eine neue Phase getreten. Es ging vermehrt um die Durchsteigung der großen Wände und Grate an den welthöchsten Bergen. Messners Gipfelerfolg war die Vollendung der ersten Durchsteigung der teils äußerst schwierigen und durch Eisschlag extrem gefährlichen Manaslu-Südwand. Doch der Erfolg wandelte sich zur Tragödie: Messners Partner, Franz Jäger, kehrte vor dem Gipfel um und verschwand im Höhensturm. Bei der Suche nach ihm, verirrten sich Horst Fankhauser und Andi Schlick ebenfalls im Sturm, fanden ihr Lager nicht mehr und nutzten ein Schneeloch als Not Biwak. In der Nacht drängte Schlick, ausgezehrt und bereits halb im Delirium, zum Aufbruch und verschwand schließlich ebenfalls. Nur Horst Fankhauser überlebte diese Sturmhölle und kehrte anderntags zu Messner ins Zelt zurück. Bergwelten zeichnet die Tragödie in einem bedrückend realistischen Re-Enactment nach, bei dem die Schauspieler Wind bis zu 100 km/h und Temperaturen unter -20°C aushalten mussten.
Neun Jahre nach den dramatischen Ereignissen um Reinhold Messner, waren es zwei Österreicher, Peter Wörgötter und Sepp Millinger, die am Manaslu eine neue Ära einleiteten. Von einem Punkt, 30 Meter unterhalb des Gipfels, fuhren sie über die Normalroute bis kurz vor das Basislager mit Ski ab. Diese Leistung, welche als erste Skiabfahrt von einem Achttausender gilt, fand ihren Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde. Eindrucksvoll dargestellt wird das Skibergsteigen auf einem Achttausender durch die Originalaufnahmen von Peter Wörgötter und einem Interview des inzwischen 79-jährigen Saalfeldners.

Die Rückkehr zum Berg des Schreckens
Der inzwischen 64-jährige Südtiroler Extrembergsteiger Hans Kammerlander hat 1991 am Manaslu zwei seiner besten Freunde verloren. Carlo Großrubatscher starb aus bis heute unerklärlichen Gründen an einem Genickbruch. Friedl Mutschlechner wurde wenige Meter neben Hans Kammerlander vom Blitz getroffen. Kammerlander versuchte in dieser Nacht das Sturminferno zu überleben, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gab. Es dauerte 26 Jahre, bevor Kammerlander bereit war, nochmals an den Ort dieser Tragödie zurückzukehren. Vor dem Hintergrund der Rückkehr zu seinem Schicksalsberg, erzählt der Film erstmals umfassend die facettenreiche Geschichte des Manaslu. Ergänzt mit bisher nicht veröffentliche Szenen, die Hans Kammerlander dokumentarisch bei seinem letzten Achttausender Versuch am Manaslu begleiten, erzählt Bergwelten eindrucksvoll von seiner Passion für die Kultur Nepals. Gleichzeitig erfährt man seine Beweggründe, nochmals auf den Gipfel des Manaslu steigen zu wollen.

Kein Rekord ohne dramtisches Unglück
Ein Rekord glückte dem Deutschen Benedikt Böhm 2012 mit seiner Skiabfahrt in Kombination mit einer Speedbesteigung: 15 Stunden vom Basislager bis zum Gipfel plus 8,5 Stunden für den Weg zurück. Nur wenige Tage zuvor starben zwölf Menschen in einer Lawine. Benedikt Böhm und sein Team waren mit die ersten am Unglücksort, um den wenigen Überlebenden zu helfen. Hätten sie ihr Höhenlager nicht abseits aufgebaut gehabt, wären auch sie von dieser Lawine erfasst worden. Sowohl Böhm, als auch Bergführer Stephan Keck berichten von diesen schockierenden Erlebnissen am Manaslu als Augenzeugen. Böhm ließ sich trotz der furchtbaren Bergkatastrohe bei seinem Vorhaben nicht beirren und schaffte es unversehrt auf den Gipfel und retour. Inzwischen ist der Manaslu nach dem Mount Everest der beliebteste Achttausender und wird jedes Jahr von mehreren hundert Bergsteigern bestiegen. Lukas Furtenbach, österreichischer Anbieter kommerzieller Achttausender-Expeditionen, die modernst organisiert werden, gibt einen Überblick, wie eine heutige Besteigung funktioniert und mit welchen Schwierigkeiten sich Besteiger aktuell befassen müssen.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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