Terra Mater: O du wilde Weihnachtszeit

Mi., 02.12., ab 20:15 Uhr

Im Norden überzuckert Frost das Land, schon fällt der erste Schnee und taucht die Welt in feierliche Stille. Für viele bedeutet die Weihnachtszeit eine Zeit der Ruhe – oder doch nicht? Auf der Südhalbkugel sieht die Welt zur Weihnachtszeit ganz anders aus.
Zur Weihnachtszeit sollte man sich in den nordamerikanischen Badlands warm anziehen: Der Wind treibt Schnee- und Eiskristalle über die kargen Ebenen South-Dakotas. Gegen die Kälte schützt Bisons ihr dichtes Fell, der Winter bedeutet für sie dennoch eine harte Zeit. Sie müssen die letzten Gräser unter der Schneedecke ausgraben, um den gröbsten Hunger zu stillen. Auch die Bisons im Yellowstone Nationalpark versinken teils metertief im Schnee. Doch ihnen bietet ihre Heimat zur Erholung ein kleines „Wellness-Programm“: Der Park ist berühmt für seine heißen Quellen und Geysire, von denen auch die Wildtiere profitieren. Rund um Weihnachten nehmen die Bisons im Yellowstone gerne mal ein Dampfbad. 

Weihnachten im Sommer

An den Seitenarmen des Amazonas herrscht zur Weihnachtszeit Sommer. Geschenke gibt es dennoch, darum kümmern sich die leuchtend gelben Schwefelfalter-Männchen. An den Lacken am Ufer treffen sich die Falter zu Tausenden und trinken das mineralienreiche Wasser– nicht nur, um ihren Durst zu stillen. Die meiste Flüssigkeit scheiden sie rasch wieder aus, nur die wertvollen Salze behalten sie im Körper. Sie werden den weiblichen Faltern als „Hochzeitsgeschenk“ übergeben, vermutlich entwickeln sich die Eier dank der Mineralien besser. Ziemlich feucht wird es rund um Weihnachten in Brasiliens zentraler Savannenlandschaft, der Cerrado: Zur Regenzeit bleibt nichts trocken. Ständig sind die Kaninchenkäuze damit beschäftigt, ihr Federkleid von Nässe zu befreien. Für die bodenbewohnenden Eulen ist es dennoch eine gute Zeit: Ihre Jungtiere können lernen, Insekten zu fangen, davon gibt es gerade jetzt reichlich. Das Prinzip Heuschrecken-Jagd haben die jungen Käuze recht schnell begriffen. Doch wie sollen sie mit diesem riesigen Chitin-gepanzerten Käfer umgehen? 


Weiße Weihnachten 

Schneezeit anstatt Regenzeit herrscht in Kanada: Wenn die Meisenhäher am Yukon brüten, türmen sich noch Schneemassen auf den Bäumen – von Frühling keine Spur. Auf dem Nest zu sitzen, wird zur frostigen Angelegenheit. Doch die Vögel sind schlau, denn im Winter zu brüten bietet einige Vorteile, zumindest wenn man vorgesorgt hat: Schon im Vorjahr haben die Vögel tausende Futterdepots unter der Rinde von Bäumen angelegt. Die Reserven helfen ihnen jetzt, die eisige Brutzeit gut zu überstehen. Ihre Küken werden als erste im Wald zur Welt kommen – ein enormer Entwicklungsvorteil im hohen Norden, wo die Sommer kurz sind. An „weiße Weihnachten“ erinnern im Osten Tasmaniens allerhöchstens einige Wallabys: Sie haben ein schneeweißes Fell. Nicht gerade die perfekte Tarnung im saftig-grünen Sommergras. Doch weil es auf der Insel südlich von Australien keine großen Raubtiere gibt, nimmt die Zahl der Albinos hier sogar zu.


Der Weihnachtsbaumwurm

Vor der Küste Australiens, in der lichtdurchfluteten Unterwasserwelt des Great Barrier Reefs, übernimmt die Rolle des Christbaumes ein Tier, genauer gesagt: der Weihnachtsbaumwurm. Seine farbigen Tentakelkronen entfalten sich Unterwasser wie ein geschmückter Tannenbaum – wenn auch nicht nur zur Weihnachtszeit. Mitnehmen ins heimische Wohnzimmer lässt sich dieser nur ein bis zwei Zentimeter große „Baum“ allerdings kaum, denn seine auf Korallen gebauten Kalkröhren verlässt er zeitlebens nicht.

Fotorechte: © Getty Images

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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