„Nein zur Gewalt an Frauen“: Regionale Runde Tische gestartet

Gewalt an Frauen ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft; denn: der Wunsch, in Würde und Sicherheit zu leben, ist Grundbedürfnis und Recht jedes Menschen. Dennoch sind viele Menschen, insbesondere Frauen, in ihrem Alltag unterschiedlichen Formen von Gewalt ausgesetzt. Auf Initiative des Frauen-Ressorts des Landes Steiermark wird das Netzwerk der steirischen Frauen- und Mädchenberatungsstellen mit insgesamt 13 Beratungsstellen und fünf Außenstellen an der weltweiten Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ teilnehmen. Im Rahmen dieser weltweiten Kampagne veranstalten alle steirischen Frauen- und Mädchenberatungsstellen vom 25. November bis zum 10. Dezember 2020 regionale Round Tables, um für das Thema Gewalt an Frauen zu sensibilisieren. Geplant sind 22 Round Table-Veranstaltungen sowie fünf ExpertInnengespräche, in deren Rahmen rund 400 bis 500 Personen erreicht werden. Aufgrund der neuen Lockdown-Verordnung finden die Veranstaltungen online statt.

„Frauen und Mädchen haben das Recht auf ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben. Die Politik muss Frauen Mut machen, ihr Schweigen zu brechen und einen Weg aus der Gewalt ermöglichen. Ziel muss es sein, Frauen, die von Gewalt betroffen sind, Stabilität, Sicherheit und Vertrauen zu geben. Zentrale Anliegen sind eine stärkere Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft und mehr Präventionsarbeit“, sagt Frauenlandesrätin Juliane Bogner-Strauß und betont weiter: „Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das wir mit vereinter Kraft langfristig bekämpfen wollen und müssen. Das Ziel der Gespräche ist es, Menschen für Zivilcourage zu motivieren, nicht wegzuschauen, sich für von Gewalt betroffenen Frauen einzusetzen und das Angebot der Frauen- und Mädchenberatungsstellen als erste Anlaufstelle weiterzugeben“, so Frauenlandesrätin Juliane Bogner-Strauß.

„Die Steiermark ist das einzige Bundesland mit einem eigenen Gewaltschutzeinrichtungsgesetz. Das heißt, jede Frau hat einen Rechtsanspruch auf Hilfe in einer Frauenschutzeinrichtung“, erklärt Landesrätin Doris Kampus. „Der Lockdown verschärft oftmals die Situation in den eigenen vier Wänden und hat zur Folge, dass Gewalt zunimmt. Mein Ziel ist als Soziallandesrätin, dass jede Frau in der Steiermark weiß, wo sie Unterstützung bekommt. Genau deswegen haben wir nun gemeinsam mit den Frauenhäusern Steiermark eine Sensibilisierungs- und Informationskampagne gestartet, die zeigt wo Gewalt beginnt und an wen man sich wenden kann. Außerdem haben wir die Plätze in den Frauenhäusern um rund 10 Prozent aufgestockt.“, so Soziallandesrätin Doris Kampus.

Gewaltvolle Beziehungen – drei Frauen berichten vom Ausstieg

„Liebes:Leben“, ein Dokumentarfilm der oberösterreichischen Regisseurin Carola Mair, zeigt den Ausstieg dreier Frauen aus Gewaltbeziehungen. „Die Erzählungen der Frauen sind schockierend und aufrüttelnd zugleich und berichten dabei über den Weg der Gewalt in ihren vermeintlichen Liebesbeziehungen, das Aushalten von Demütigungen, Verletzungen bis hin zu Todesängsten über einen längeren Zeitraum. Erst als es ums nackte Überleben geht, brechen die Frauen aus der Gewaltspirale aus und wagen ein selbstbestimmtes, neues Leben“, schildert Regisseurin Carola Mair die Eindrücke aus dem Dokumentarfilm. Die Interviews mit den drei Frauen beeindrucken mit ihrer Klarheit und sind für die Zuschauerinnen und Zuschauer ein tiefer Einblick in Geschehnisse, die sich meist im Verborgenen abspielen. Verbote, etwas nach außen zu tragen, Scham über das Erlebte in einer Beziehung, in der jede der Frauen Liebe, Respekt und Sicherheit erwartet hatte, Verantwortung für gemeinsame Kinder und ökonomische Abhängigkeiten verhinderten lange Zeit jeden Gedanken an Flucht. „Es sind oft Zufälle, die Aufmerksamkeit eines Mitmenschen, der Hinweis einer Bekannten auf eine Einrichtung, von der Hilfe angeboten wird, die zum ersten Telefonanruf und zum ersten Gespräch mit jemandem außerhalb der Beziehung führen. Eine der Frauen im Film nennt den Anruf in einer Frauenberatungsstelle als Beginn ihres Weges aus der Gewalt. Die Erkenntnis, nicht allein zu sein, es gibt Menschen, die mich verstehen, mir glauben, mich begleiten werden, machte ihr Mut für ihre Schritte in ein selbständiges, gewaltfreies Leben. Mein besonderer Dank gilt den steirischen Frauen- und Mädchenberatungsstellen, die mit ihrer Arbeit und ihrem Einsatz in der ganzen Steiermark für und mit Frauen einen wertvollen Beitrag leisten“, sagt Frauenlandesrätin Juliane Bogner-Strauß.

Frauenlandesrätin Juliane Bogner-Strauß gemeinsam mit Soziallandesrätin Doris Kampus mit klarem „Nein zur Gewalt an Frauen“. © Peter Drechsler
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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