Gesäuse Sternenhimmel – europaweit einzigartig

Eine Sensation, die zumindest in Europa ihresgleichen sucht, ist der Sternenhimmel über dem Gesäuse.

Reklametafeln, Gewerbebeleuchtung, Straßenlaternen und vieles mehr beleuchten in der Nacht unsere Siedlungen und Ortschaften. Licht, das vielerorts sinnlos in den Himmel abgestrahlt wird. Lichtverschmutzung, wie es Fachleute nennen, ist an kleinsten Partikeln gestreutes Licht, das sich wie eine Kuppel über Ballungsräume legt. In ganz Mitteleuropa ist es in der Nacht nicht mehr finster, sondern nur noch düster, wie ein Blick auf die Lichtverschmutzungskarte zeigt: www.lightpollutionmap.info – mit wenigen Ausnahmen, wie der Gesäuse-Region.

Dabei hat das Zuviel an Licht in der Nacht durchaus beachtliche Auswirkungen:

  1. Auf die Ökosysteme: unzählige Insekten verirren sich Nacht für Nacht und umkreisen bis zum Erschöpfungs- oder Hitzetod Lichtquellen. Insekten, die als Bestäuber und als Nahrungsgrundlage für andere Tiere fehlen.
  2. Auf unsere Gesundheit: Melatonin, das Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers steuert, wird nur ausreichend bei Schlaf in Dunkelheit produziert. Fachleute, wie der Linzer Arzt Dr. Dietmar Hager warnen seit vielen Jahren vor Schlaf im Dämmerlicht. Das Risiko an Brust- oder Prostatakrebs zu erkranken, steigt dadurch signifikant. Das bestätigt auch die WHO, die Lichtverschmutzung als erhebliches Gesundheitsrisiko einstuft.
  3. Auf unsere Sicherheit: Einbruchsdelikte steigen durch Beleuchtung. Wer glaubt, Einbrecher kommen mit der Taschenlampe, der irrt. Viel unauffälliger dringt man in beleuchtete Gebäude ein. Fragt dann doch einmal ein besorgter Nachbar nach, kann man immer noch ein scheinbar betrunkenes „Schlüüüüsssel vergesssssen“ rufen und alles ist gut…

Positive Ansätze in unserer Region:

  • Die Marktgemeinde Admont hat ihre gesamte Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt. Das spart viel Energie und das Licht wird auf die Straße gelenkt – dort, wo es hingehört – und nicht mehr in den Himmel abgestrahlt. Die Abschaltung der gesamten Straßenbeleuchtung nach 24 Uhr – mit Ausnahme der Hauptverkehrswege – wurde dennoch beibehalten. Sehr vorbildlich und zukunftsweisend, wie man aus anderen Regionen neidisch hört!
  • Der Kölblwirt in Johnsbach, ein Vordenkerbetrieb seit vielen Jahren, baut in sein neues Dachgeschoßzimmer ein großes Dachflächenfenster ein und nennt dieses stolz „Sternensuite“.
  • Ein Verein zur Sternenbeobachtung gründete sich rund um den Haller Christoph Baumberger und sucht nach Gleichgesinnten. https://www.sternenfreunde-gesaeuse.info/
  • Der Nationalpark Gesäuse bietet seit einigen Jahren nächtliche Fotoworkshops und Termine zum „Sternderl-Schauen“ an. Mit beachtlichem Erfolg! Besucher*innen kommen extra von weit her, um ein Wochenende hier zu sein und ein paar Stunden in unseren Sternenhimmel zu schauen.

Was gibt es Schöneres, als im Spätherbst in warme Decken gehüllt und mit einem Häferl Glühwein in der Hand in den Himmel zu schauen? Vom Gesäuse aus sind mit bloßem Auge nicht nur die hellen Sternbilder zu erkennen, sondern viele Tausend Sterne zu sehen. Wie unsere Urahnen können wir uns in der Unendlichkeit des Universums verlieren und unserer Phantasie freien Lauf lassen.

Speziell in der Zwischensaison und in der „toten“ Zeit hat die Gesäuse-Region enormes Potential. Ein touristischer Schatz, der nicht von anderen Regionen kopiert werden kann, weil es dort schlichtweg nicht dunkel ist.

©StefanLeitner
Nächtlicher Blick auf Hall, Weng und Admont
(c) Andreas Hollinger
Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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