Gemeindebund-Präsident Riedl: „Lösung des Ärztemangels nicht den Gemeinden umhängen“

„8-Punkte-Plan“ aus Niederösterreich gute Diskussionsgrundlage – Weitergehende Maßnahmen dringend gefordert.

Der kürzlich vorgestellte „8-Punkte-Plan“ aus Niederösterreich zur Bekämpfung des Ärztemangels enthält wichtige und notwendige Vorschläge, um die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern. Der Österreichische Gemeindebund unterstützt diesen Vorstoß aus Niederösterreich und fordert die zuständigen Akteure in Bund, Ländern, Ärztekammer, Dachverband der Sozialversicherungsträger und Kassen auf, gemeinsam mit den Gemeinden eine bundesweite Strategie gegen den Ärztemangel zu erarbeiten. Der Gemeindebund verweist außerdem auf ein eigenes Positionspapier zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung.

Kritisch sieht die kommunale Interessensvertretung in diesem Zusammenhang aktuelle Aussagen von ÖGK-Obmann Huss. „Als Gemeindebund warnen wir schon seit Jahren vor einem drohenden medizinischen Engpass, gerade in den ländlichen Regionen. Als Antwort hören wir meist, wie auch aktuell wieder von ÖGK-Obmann Andreas Huss, dass die Gemeinden die Praxisgründung von Ärzten finanziell fördern sollen. Wir sagen aber ganz klar: Wir sind nicht dafür da, die Arztpraxen zu finanzieren, weil Krankenkassen, Dachverband, Ärztekammer und Co. versagen! Die Lösung des Ärztemangels darf also nicht den Gemeinden umgehängt werden“, erläutert Gemeindebund-Präsident Bürgermeister Alfred Riedl die Position des Österreichischen Gemeindebundes.

Aktuelle Statistiken zeigen, dass in den nächsten zehn Jahren österreichweit rund 48 Prozent aller niedergelassenen Allgemeinmediziner und 52 Prozent aller Ärzte mit einem Kassenvertrag das Pensionsalter erreichen. Ebenso ist seit 2008 die Anzahl der Wahlärzte im Vergleich zu der Zahl der Kassenärzte kontinuierlich angewachsen – heute gibt es in Österreich über 10.000 Wahlärzte bei nur rund 7.000 Ärzten mit einem Vertrag mit der ÖGK.

Im Positionspapier des Bundesvorstandes des Gemeindebundes vom letzten Jahr finden sich zahlreiche Vorschläge für Reformmaßnahmen, wie etwa familienfreundliche Kassenverträge, mehr Transparenz bei Stellenplänen und Ausschreibungen, Reform des Wahlarztsystems, Reduktion von bürokratischen Aufgaben, Anreize zur Ergreifung des hausärztlichen Berufs, Harmonisierung der Gehälter, Verbesserung der wirtschaftlichen Perspektive für junge Hausärzte im ländlichen Raum und laufende Information und Einbindung der Gemeinden.

Foto: ©Jürg Christandl
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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