Politische Reaktionen zum Rechnungshofbericht Spitalverbund

ÖVP: Leitspital Liezen – Rechnungshof bestätigt Kurs

Die Empfehlungen des Landesrechnungshofes sprechen eine klare Sprache für die Errichtung des geplanten Leitspitals Region Liezen sowie die Regionsversorgung durch Gesundheitszentren.

„Der aktuelle Prüfbericht des Landesrechnungshofes ist eine klare Bestätigung des eingeschlagenen Kurses“, sagt Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (Titelbild) und betont weiter, dass „die dringende Notwendigkeit einer nachhaltigen Weiterentwicklung der Versorgungsstruktur im Bezirk Liezen und der damit verbundenen Bündelung der Kompetenzen an einem starken Standort nun, von unabhängiger Stelle mit Daten und Fakten, noch deutlicher unterstrichen worden ist. Dennoch muss bis zur Inbetriebnahme des Leitspitals Region Liezen die bestmögliche chirurgische Versorgung in Bad Aussee sichergestellt sein.“

Zusammenfassend zeigen sich für den Krankenanstaltenverbund Rottenmann-Aussee insgesamt stagnierende bis rückläufige Leistungsdaten, eine Betten- und Operationsauslastung, die deutlich unter der Soll-Auslastung liegt sowie überdurchschnittlich hohe Kosten pro Belagstag. Zusätzlich besteht die Schwierigkeit, den Dienstplan der Ärztinnen und Ärzte ausreichend besetzen zu können, was den attraktivitätsmindernden Faktoren, wie beispielsweise einer geringen Fallzahlkomplexität, begrenzten Ausbildungsmöglichkeiten und geringer Karrierechancen geschuldet ist.

KPÖ: Spitäler Bad Aussee und Rottenmann nicht aushungern!

Werner Murgg (KPÖ): „Zentralisierung von Krankenhäusern löst Personalmangel nicht“

Der steirische Landesrechnungshof stellt in einem heute veröffentlichten Prüfbericht fest, dass der Betrieb des Krankenhauses Bad Aussee nicht ausreichend effizient ist. Aufgrund der Personalmangels wird die Verlegung bestimmter Behandlungen nach Rottenmann empfohlen. Außerdem seien die Belegtage zurückgegangen. Für die KPÖ ein guter Grund, die Spitäler im Bezirk Liezen aufzuwerten, statt sie zugunsten eines zentralen Krankenhauses auszuhungern.

In Österreich beträgt die Bettendichte etwas mehr als 10 Betten pro 1000 Einwohner, im Bezirk Liezen derzeit jedoch nur 4,2. Nach der geplanten Realisierung des Leitspitals und Schließung der bestehenden Standorte würden pro 1000 EW nur noch 2,8 Betten (!) zur Verfügung stehen. Deshalb kann die Antwort auf bestehende Probleme nicht eine weitere Zentralisierung der medizinischen Versorgung sein, sondern die Aufwertung der bestehenden Standorte durch Spezialisierungen, die die Grundversorgung ergänzen.

KPÖ-LAbg. Werner Murgg: „Der Aufwand ist bei einem dezentralen Spital natürlich größer, aber die bestehenden Spitalsstandorte sind wichtig für die flächendeckende Versorgung im Bezirk. Der Personalmangel, vor allem der Mangel an Fachärztinnen und Fachärzten, ist keine Besonderheit der Spitäler in Rottenmann und Bad Aussee, sondern ein seit Jahren bestehendes Problem, das für die Landespolitik leider nicht die nötige Priorität hat.“

Auch in den Ballungszentren waren schon lange vor den durch die Covid-Pandemie verschärften Problemen lange Wartezeiten auf gängige Behandlungen an der Tagesordnung. Die von der KAGes neuerdings veröffentlichten Wartelisten machen sichtbar, dass es einen großen Rückstau gibt. Eine Spezialisierung in peripheren Spitälern kann das System entlasten und Patientenströme sinnvoll steuern.

Der Personalmangel besteht auch im niedergelassenen Bereich. Daraus entwickelt sich langfristig zu einer allgemeinen Krise der Gesundheitsversorgung, nicht nur im Bezirk Liezen. Dazu kommt, dass es immer mehr WahlärztInnen gibt, die (teilweise) privat bezahlt werden müssen.

„Wenn im Bezirk nur mit Konsiliarverträgen und unter Überschreitung der gesetzlichen Arbeitszeit die Versorgung aufrechterhalten werden kann, wird das Problem bei der Zentralisierung der Spitäler nicht kleiner, sondern noch größer“, so Murgg.

Landesrechnungshof unterstreicht Grüne Kritik an Gesundheitspolitik im Ennstal – Neustart gefordert um Versorgung sicherzustellen!

Scharfe Kritik an Einfluss-Verlust der KAGes, FachärztInnen- und Personalmangel und zu wenig Primärversorgung – Schwarzl und Schönleitner drängen auf Neustart für Gesundheitsversorgungspläne!

Der heute erschienene, 109 Seiten dicke, Bericht des Landesrechnungshofes (LRH) zum „Krankenanstaltenverbund Rottenmann-Bad Aussee“ hat es in sich und unterstreicht zahleiche Grüne Kritikpunkte an der steirischen Gesundheitspolitik, wie der Grüne Gesundheitssprecher LAbg. Georg Schwarzl und der Grüne Kontrollsprecher LAbg. Lambert Schönleitner festhalten. So fordert der LRH etwa deutlich beim geplanten neuen Leitspital: „Die Eingliederung in die KAGes wäre besser als komplizierte Struktur und Mitsprache durch Private“ – auch die Grünen haben diese geplante Konstruktion mit den Diakonissen schon häufig kritisiert, erinnert Schönleitner: „Die Landesregierung darf die gesundheitspolitisches Steuerung durch die KAGes nicht aus der Hand geben“, so Schönleitner.

Klare Worte findet der Landesrechnungshof auch am unzureichenden Ausbau der Primärversorgung: Es „wird empfohlen, in Zusammenarbeit mit der KAGes in Hinblick auf vermeidbare Krankenhausaufenthalte bei den hierfür zuständigen Stellen auf eine Verbesserung der Primärversorgung hinzuwirken und dementsprechende Analysen durchzuführen.“ „Das heißt: Die Landesregierung hat es bis heute nicht geschafft, eine niederschwellige wohnortnahe Gesundheitsversorgung sicherzustellen“, fasst es Schwarzl zusammen: „Angefangen von den psychologischen Angeboten bis zur hausärztlichen Versorgung fehlt es an Lösungen!“

Dazu passend sieht der LRH auch, dass sich der FachärztInnenmangel weiter verschärfen und auch durch das geplante neue Spital nicht gelöst werden wird. „Angesichts der jetzt schon bestehenden Probleme, Personal im Gesundheitsbereich zu finden, erkennt der Landesrechnungshof auch hier keinen konkreten Ausweg der Landesregierung aus der aktuellen Situation“, so der Grüne Gesundheitssprecher Schwarzl.

Für die Grünen ist nach dem Bericht einmal mehr klar: „Es braucht einen Neustart für die Gesundheitspolitik in der Region – einen Neustart, der neue Konzepte und Ideen für die Gesundheitsversorgung mit einbezieht und verbesserte Rahmenbedingungen mit denen sich die Gesundheitsversorgung weiterentwickeln kann“, so Schwarzl.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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