Bundespräsident Van der Bellen und Landwirtschaftsministerin Köstinger besuchen Wald der Zukunft der Bundesforste

Lokalaugenschein mit ÖBf-Vorstand im Wienerwald – Waldumbau in klimafitte Zukunftswälder – Sicherung der Wälder für die nächsten Generationen 

Wetterextreme, Hitze, Trockenperioden und Schädlinge – die Folgen des Klimawandels haben Österreichs Wälder in den letzten Jahren stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Anpassung der Wälder und Waldbewirtschaftung an den Klimawandel gilt daher als Schlüsselaufgabe für die Zukunft. Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundesministerin Elisabeth Köstinger haben sich bei einem Lokalaugenschein in einem Wald der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) angesehen, wie der Wald in 100 Jahren aussehen könnte und welche Maßnahmen jetzt schon gesetzt werden müssen, um die Wälder umzubauen und an die zukünftigen Klimabedingungen anzupassen.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen: „Wälder sind eine unersetzliche Lebensgrundlage für uns Menschen, doch werden sie von der Klimakrise zunehmend bedroht. Für einen grünen Planeten brauchen wir gesunde Wälder! Sie speichern riesige Mengen Kohlendioxid, reinigen Luft und Wasser und sichern die natürliche Artenvielfalt. Daher ist es wichtig, für intakte Wälder zu sorgen. Pflanzen wir also Bäume, auch wenn wir selber nicht mehr in deren Schatten sitzen werden, sondern unsere Kinder und Kindeskinder!“

Bundesministerin Elisabeth Köstinger: „Unser Land ist reich an Wäldern – und das soll auch in 100 Jahren so bleiben. Österreichs Wälder sind unsere Zukunft! Mit einer nachhaltigen, zukunftsorientierten Waldbewirtschaftung sichern wir den nachwachsenden Rohstoff Holz, sorgen für unersetzliche Lebensräume, für eine intakte Umwelt und unterstützen gleichzeitig den wichtigsten Wirtschaftsmotor in den Regionen. Investitionen in unsere Wälder sind Investitionen in die Zukunft! Daher haben wir seitens der Bundesregierung ein 350 Millionen großes Investitionspaket mit auf den Weg gebracht. Mit dem Waldfonds unterstützen wir Österreichs Forstwirtschaft, um gestärkt in eine nachhaltige, klimafitte Zukunft gehen zu können.“

Bundesforste-Vorstand Rudolf Freidhager: „Der Wald der Zukunft wird ein bunter und artenreicher Mischwald sein, da sich Mischwälder als stabiler gegen Umwelteinflüsse erwiesen haben. Doch damit es auch in 100 Jahren noch intakte Wälder in Österreich gibt, müssen wir heute umdenken, denn ein Baum wird durchschnittlich 120 Jahre alt, bis er erntereif ist. In den Wäldern der Bundesforste hat der Waldumbau bereits begonnen: Für alle 120 Forstreviere haben wir neue, klimaangepasste Zukunftskonzepte bis 2050/2100 entwickelt, mit deren Umsetzung wir bereits begonnen haben. Auf rund 500.000 Hektar werden wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten den Wald der Zukunft bauen!“

Lokalaugenschein im „Wald der Zukunft“ im Wienerwald
Als ein Erfolgsbeispiel von vielen wächst im Bundesforste-Revier Hinterbrühl im Wienerwald bereits heute ein kleines Waldstück zu einem idealtypischen „Wald der Zukunft“ heran: An nur einem Waldort gedeihen unterschiedliche Baumarten wie Buchen, Lärchen, Tannen, Kiefern, Hainbuchen, Eichen, aber auch Fichten und Wildobstbäume oder -sträucher. Alte und junge Bäume, große und kleine, dicke und dünne – vom kleinen Keimling bis zum majestätischen Baumriesen findet sich größte Vielfalt auf kleinster Waldfläche. Das Waldstück ist nicht nur strukturreich, sondern weist auch eine besonders hohe Biodiversität auf. Der Wirtschaftswald wird naturnah bewirtschaftet und beherbergt neben vielen Baumarten auch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. „Für den Wald der Zukunft braucht es Standort angepasste Baumarten, die mit den zukünftigen Klimabedingungen besser zurechtkommen. Das sind etwa Tannen, Eichen oder Lärchen, die mit Hitze, langen Trockenperioden und Stürmen besser umgehen können als etwa die zunehmend mit Trockenheit kämpfende Fichte. Dabei gilt es, für jeden Standort die ideale Baumartenzusammensetzung zu finden und natürlichen Nachwuchs zu fördern, da von Natur aus aufkommende Bäume am besten an den Standort angepasst ist. Aber auch die Jagd ist ein wesentliches Element für den Wald der Zukunft. Nur mit einem guten Gleichgewicht aus Wald und Wild kann ein Aufkommen des Zukunftswaldes gelingen. „So bunt und vital könnte der Wald der Zukunft aussehen“, so Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Ministerin Elisabeth Köstinger und die ÖBf-Vorstände Rudolf Freidhager und Georg Schöppl nach dem Lokalaugenschein unisono. „Umso wichtiger ist es, die Weichen in Richtung Zukunft jetzt zu stellen!“

Österreichs Wälder in 100 Jahren
Für ihre Wälder haben die Bundesforste zukünftige Klimaszenarien simuliert und die Waldentwicklung bis 2100 angepasst. In manchen Regionen, in denen die Wälder heute schon deutlich mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben wie etwa dem Waldviertel, wird sich das Waldbild merklich verändern. Auch die Baumgrenze wird sich nach oben verschieben. Österreichs häufigste Baumart, die Fichte, kommt als Flachwurzler mit Stürmen und Trockenheit zunehmend schlechter zurecht, sie gerät unter Trockenstress und wird zukünftig deutlich abnehmen. Trotz ihres Rückgangs wird sie Österreichs häufigste Nadelbaumart bleiben, da sie entlang des Alpenbogens ein ideales Verbreitungsgebiet vorfindet. Erhöhen wird sich hingegen der Anteil an Lärchen und Tannen. Die Lärche ist sturmstabiler und kann mit ihren speziellen Herzwurzeln Windwürfen besser standhalten. Das gilt auch für die Weißtanne, die mit ihren zwei bis drei Meter tiefen Wurzeln zu den am tiefsten wurzelnden Nadelbäumen zählt und mit Trockenheit ebenso besser zurecht kommt. Ursprünglich in heimischen Wäldern weit verbreitet, ist sie in den letzten Jahren stark zurückgegangen und wird nun wieder gefördert. Auch die Rotbuchen, Österreichs häufigste Laubbaumart, und die Eichen vertragen Trockenheit besser. Zudem wird sich die Buche aufgrund der Klimaerwärmung bis auf 1.500 Meter Seehöhe nach oben stärker ausbreiten können. In niederen Lagen zunehmen wird die Eiche, die nur wenig Niederschlag braucht, und auch auf trockenen Standorten wächst. Generell werden Baumarten, die bisher weniger stark vertreten waren, wie Zirben, Eichen, Ulmen, Linden oder Ahorne, an Bedeutung gewinnen, da Artenvielfalt im Wald der Zukunft eine größere Rolle spielen wird. Positiver Nebeneffekt: Ein breiteres Baumartenspektrum ist nicht nur die beste Risikovorsorge gegen Naturgefahren, Klimaveränderungen und Schädlinge, sondern bringt auch eine höhere Artenvielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt mit sich.

Mehr Infos unter www.wald-der-zukunft.at

©ÖBf-Archiv/Frank Helmreich
©ÖBf-Archiv/ Wolfgang Simlinger
©ÖBf-Archiv/Frank Helmreich
ÖBf-Archiv/Wolfgang Simlinger
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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