TVB Gesäuse: Es braucht eine nachhaltige Verkehrslösung

Admont (17. September 2020). Ein jüngstes Facebook-Posting des Nationalparks ließ in der Region die Wogen hochgehen. Das Thema? Eine Urlauberin erzählt von ihren so gar nicht besinnlichen Erlebnissen mit dem Verkehr im Gesäuse. Mit dem Nationalpark Gesäuse und dem Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen zählt die Destination zu jenen mit der höchsten Naturschutzdichte Österreichs. Die Position des Tourismusverbandes ist daher ganz klar: Wir stehen hinter dem Nationalpark und sind für eine Verkehrsentlastung in der gesamten Region. 

An der B146 ist der zunehmende Verkehr seit Jahren ein Thema: An Werktagen nehmen LKWs die Strecke als Ausweiche, im Sommer und an den Wochenenden kommt der Freizeitverkehr mit Motorradfahrern, Bussen, PKW-Tagestouristen und Radfahrern hinzu. Der Nationalpark tritt daher für ein Fahrverbot für LKWs und Motorräder, ein Tempolimit von 70 km/h und ein gefahrloses Passieren auf der Gesäuse Bundesstraße für Radfahrer und Fußgänger ein. Im Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen wiederum findet man eine ähnliche Situation an der Salza. Dort parken zahlreiche Tagestouristen ihre Autos neben den Einstiegsstellen für Kajak und Raftingboot. Gleichzeitig dröhnen die Motorräder um die kurvenreichen Straßen. „Als Tourismusregion unterstützen wir die Positionen des Nationalparks und Naturparks zu 100%. Da sind wir als Region eher atypisch für den österreichischen Tourismus, denn bei uns geben die Naturschutzorganisationen die Werte vor.“, erklärt Tourismus-Chef David Osebik. „Der Nationalpark ist in diesem Sinne unsere Kathedrale, die internationale Strahlkraft hat und die wir wie ein Kulturgut erhalten wollen. Es würde ja auch keiner auf die Idee kommen im Petersdom zu grölen.“, erläutert er weiter. 

Im Vordergrund steht die Erlebnisqualität für Einheimische und Gäste. Dabei sind vor allem Tagestouristen eine Herausforderung, was man auch nur zu gut an Destinationen wie Hallstatt oder Venedig sieht. „Wir haben rund 3.000 Gästebetten auf 1% der Staatsfläche Österreichs. Wir haben kein Tourismusproblem, sondern ein Tagesgastproblem.“, stellt Osebik fest. Wären nur die Nächtigungsgäste in der Region unterwegs, gäbe es kein Frequenzproblem in der Region.  

Die vom Nationalpark geforderten Beschränkungen sind ein Teil der Lösung. Zusätzlich braucht es nach Ansicht des Tourismusverbandes eine gezielte Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Herauszustreichen dabei ist der Wiederaufbau des ausgedünnten öffentlichen Verkehrs und die gezielte Adaptierung der Verkehrswege auf sanfte Mobilitätsformen – insbesondere dem Radfahren. Der Tourismus in der Region ist vorwiegend infrastrukturlos und aus diesem Grund von Natur aus nachhaltig. Wo dies nicht möglich ist? Bei der Mobilität der Einheimischen und Gäste. Im peripheren ländlichen Raum gibt es schlicht nicht genügend öffentliche Alternativen. In den letzten Jahren fand außerdem eine stetige Ausdünnung des öffentlichen Verkehrs statt, wobei Nationalpark und Tourismusverband durch das selbst finanzierte Gesäuse Sammeltaxi vulgo Gseispur versucht haben dem gegenzuwirken. Bei der Politik ist eine dementsprechende Unterstützung leider weitgehend auf Desinteresse gestoßen. Der Fokus sollte auf gut ausgebaute öffentliche Verkehrsanbindungen mit Beispiel der ländlichen Gegenden in der Schweiz liegen. David Osebik dazu: „Eine öffentliche Infrastruktur mit zufriedenen Einheimischen, Urlaubern und Verkehrsteilnehmern ist das Ziel.“ 

Der Ennsradweg R7 führt zahlreiche Besucher zu Rad über die Bundesstraße zwischen Admont und Hieflau. Anstatt die tosende Enns und die imposante Bergwelt des Gesäuses zu bestaunen, ist die Strecke für Radfahrer aufgrund der vielen Verkehrsteilnehmer jedoch eine gefährliche Herausforderung. Radfahren liegt im Trend über alle Altersgruppen hinweg und wird uns im Österreichischen Tourismus noch mehrere Jahrzehnte begleiten. Mit Zunahme der Ennsradweg-Gäste steigt auch die Forderung nach einer Entlastung der B146. In dieser Angelegenheit tritt der Tourismusverband klar für den Radverkehr ein, da dieser eine der wichtigsten Zukunftsentwicklungen für den Österreichischen Tourismus darstellt – ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig.  


Die Positionierung des Tourismusverbandes: 

  • Verkehrsentlastung der Gesäuse Bundesstraße 146 nach den Ansprüchen des Nationalparks 
  • Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes in die Region und innerhalb der Region (Frequenzsteigerung Bahn und Ausbau flexibler Mobilitätsformen)  
  • Ausbau der Radinfrastruktur entlang des R7 (Tunnel am Gesäuseeingang und schrittweise Etablierung von Mehrzweckstreifen an der B146)  
Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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