Eröffnung des neuen BIG ART Projekts für die Universität Graz

Die Künstlerin Anna Artaker hat vor kurzem ihre 500m² große Arbeit für die Universitätsbibliothek Graz fertig gestellt – am Montag, 14. September, wurde sie feierlich eröffnet. PERSPECTIVA PRACTICA heißt das herausragende Kunst & Bau-Projekt, das in alter Sgraffito-Technik hergestellt wurde und nun der Öffentlichkeit übergeben wird.

Maximilian Pammer, Leiter Unternehmensbereich Universitäten BIG, Anna Artaker, Künstlerin, Hannah Bruckmüller, Kunsthistorikerin, Peter Riedler, Vizerektor Universität Graz und Günter Riegler, Stadtrat Graz (v.l.) „enthüllten“ gestern das Kunstwerk.
(c) BIG ART/Robert Frankl

Im Wintersemester 2019 konnte die modernste Bibliothek Österreichs in Betrieb genommen werden. Mit der Fertigstellung des Kunstprojekts von Anna Artaker ist die neue Universitätsbibliothek nun komplett. Mit ihrer Arbeit schafft es die Künstlerin auf eindrucksvolle Art und Weise, die Themen Wissenschaft, Architektur und Kunst zu verbinden und den überdachten Eingangsbereich zur Bibliothek perspektivisch zu erweitern. Die Untersicht des Dachaufbaus wird damit zum überdimensionalen Bildträger im öffentlichen Raum. PERSPECTIVA PRACTICA wurde aus einem Wettbewerb der BIG ART, der Kunstinitiative der Bundesimmobiliengesellschaft, ermittelt und ist Teil der umfassenden Modernisierung der Bibliothek der Universität Graz.

Hans-Peter Weiss, CEO der Bundesimmobiliengesellschaft: „Seit 15 Jahren bringt die Bundesimmobiliengesellschaft unter dem Titel BIG ART Kunst in den öffentlichen Raum. Wir haben vor allem mit unseren Bildungsbauten die Möglichkeit, Kunst in der Mitte der Gesellschaft stattfinden zu lassen. Orte wie Universitäten und Schulen sind prädestiniert dafür, Phantasie und Inspiration in den Alltag zu bringen und ein waches Bewusstsein für unsere Umgebung zu formen. Ich freue mich, dass jetzt zu Semesterbeginn mit der Arbeit von Anna Artaker das erste BIG ART Projekt an der Universität Graz eröffnet wird.“

Peter Riedler, Vizerektor für Finanzen, Personal und Standortentwicklung, Universität Graz: „Nach der Eröffnung der Universitätsbibliothek vor ungefähr einem Jahr, freue ich mich, dass wir nun mit der Enthüllung des BIG ART- Projektes von Anna Artaker das Bauwerk nunmehr vollendet ist. Der damit gestaltete Bereich vor der Bibliothek lädt dazu ein, sich dem Thema Buch und der Geschichte der Universität zu widmen.“

Zur Arbeit PERSPECTIVA PRACTICA von Anna Artaker

In ihrer flächenmäßig bisher größten Arbeit PERSPECTIVA PRACTICA überträgt Anna Artaker einen Kupferstich aus der Renaissance zweihundertzwanzigfach vergrößert auf die 500 Quadratmeter große Fläche des aufsehenerregenden Neubaus, modernisiert ihn damit und schafft eine Verbindung zwischen jahrhundertealtem Buchwissen und den modernen Anforderungen an einen Bibliotheksbetrieb. Ausgangspunkt und Vorlage für ihre Arbeit ist eine Illustration aus dem Lehrbuch des französischen Renaissance-Gelehrten Jean Du Breuil von 1642 mit dem Titel PERSPECTIVA PRACTICA. Damit verweist Artaker auf den Wissensstand zur Zeit der Gründung der Universität Graz 1585. In ihrer künstlerischen Forschung befasst sie sich schon seit Langem mit Bildproduktion im Kontext von Geschichtsschreibung und -vermittlung. Nun ist das fast 500 m² große Sgraffito, die Übertragung einer historischen Buchillustration zum perspektivischen Zeichnen in überlebensgroßer Dimension auf die Untersicht der Bibliothek angebracht worden.

Ich freue mich, mit meiner Arbeit zur gelungenen Erweiterung der Universitätsbibliothek auf dem Campus der Universität Graz beizutragen. Das Motiv stammt aus einem Lehrbuch zur praktischen Anwendung der Zentralperspektive. Es zeigt sechs Personen um eine Lichtquelle in einem zentralperspektivisch dargestellten Raum. Licht und Perspektive sind auch Metaphern, die häufig in Zusammenhang mit Wissensaneignung und Wissenschaft verwendet werden: Wissen eröffnet uns ’neue Perspektiven‘ auf die Welt, die uns umgibt. Die von der Entwicklung der Naturwissenschaften geprägte Zeit der Aufklärung – aus der die Vorlage stammt – wird oft direkt mit Licht in Verbindung gebracht. So schafft die perspektivische Darstellung die Illusion eines zusätzlichen Raums und weckt Assoziationen zum universitären Leben auf dem Campus„, so Anna Artaker zu ihrem fertig gestellten Kunst & Bau-Projekt.

Aufwändige Renaissance-Technik für zeitgenössische Kunst

Die ins Gigantische vergrößerte und in den Putz eingekratzte Zeichnung erzeugt durch die Perspektive eine starke tiefenräumliche Wirkung – eine Art Kuppel. Das Motiv wird von Buchdimension auf architektonische Dimensionen vergrößert und in aufwändiger Sgraffito-Technik auf die Untersicht des auskragenden Neubauteils übertragen. Die Technik des Sgraffito wurde in der italienischen Renaissance perfektioniert und verstärkt als Strukturtechnik die Dreidimensionalität des Motivs. Über eine dunkel eingefärbte Putzschicht wird eine hellere Deckschicht aufgetragen, in diese wird das Motiv eingekratzt und der dunklere Putz dadurch sichtbar. Dadurch entsteht der Eindruck von Räumlichkeit. Die Entscheidung der Künstlerin für die Sgraffito-Technik ist auch eine Referenz an die Technik des Kupferstichs, bei der das Motiv ebenfalls in die Druckplatte eingekratzt wird.

Die große Fläche, die bearbeitet wurde, stellte eine besondere Herausforderung für die Arbeit mit Sgraffito-Technik dar. Der Putz musste Stück für Stück aufgetragen und als Tagwerk im noch feuchten Zustand gleich im Anschluss gekratzt werden. An der Umsetzung arbeiteten gleichzeitig jeweils drei bis vier Personen über mehrere Wochen hindurch.

Über die Künstlerin

Anna Artaker wurde 1976 in Wien geboren. Sie studierte Philosophie und Politikwissenschaften an den Universitäten Wien und Paris 8 sowie Konzeptkunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Seit 2015 ist sie Elise Richter Research Fellow an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo sie ihre Habilitation vorbereitet. Anna Artaker ist Mitglied der Jungen Akademie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (im Bereich künstlerische Forschung) und Mitglied der Vereinigung bildender KünstlerInnen der Wiener Secession. Sie lebt in Wien.

Universitätsbibliothek – Generalsanierung und Erweiterung: 2015 bis 2019

Die spektakuläre auskragende Aufstockung, der über dem historischen Lesesaal zu schweben scheint, zieht die Blicke auf sich. Die Fassade aus dem Jahr 1895, die mehr als 50 Jahre hinter einem Zubau aus den 1970ern verschwunden war, wurde wieder ans Tageslicht geholt. Darauf setzte der Grazer Architekt Thomas Pucher einen gläsernen Quader, verband Bibliothek und Hauptgebäude mit einem transparenten Foyer und fügte ein über Jahrzehnte ergänztes Stückwerk zu einem großen Ganzen zusammen. Nun sind erstmalig die Gebäudeteile mit mehr als 10.000 Quadratmetern zu einer Einheit zusammengewachsen.

Wettbewerb

Der Kunst & Bau Wettbewerb für das Bauvorhaben Universitätsbibliothek Graz wurde im Frühsommer 2016 ausgelobt. Es wurden sieben nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler geladen. Die Jurierung fand am 7. Oktober 2016 statt.

Jurybegründung für das Siegerprojekt

„Mit der Umsetzung einer Illustration zum perspektivischen Zeichnen aus der Renaissance fügt Anna Artaker der Untersicht des auskragenden Neubauteils der Universitätsbibliothek eine weitere und überraschend vielschichtige Dimension hinzu. Das historische Original ist ein Kupferstich. Diese ins Gigantische vergrößerte Zeichnung auf der Deckenuntersicht erzeugt durch die Perspektive eine starke räumliche Atmosphäre – eine Art Kuppelwirkung wird erzeugt. Inhaltlich schafft Artaker damit eine Verbindung von Perspektive und Wissenschaft und erinnert nebenbei an die Gründung der Karl-Franzens-Universität im Jahr 1585.“

Die Jury bestand aus Klaus-Jürgen Bauer (Architekt, BIG ART Fachbeirat), Marie-Therese Harnoncourt (Architektin, BIG ART Fachbeirat), Katharina Kohlmaier (Bundesimmobiliengesellschaft), Cornelia Offergeld (Kuratorin, BIG ART Fachbeirat), Thomas Pucher (Projektarchitekt), Peter Riedler (Vizerektor Universität Graz), Nicole Six (Künstlerin, BIG ART Fachbeirat) und Manfred Wakolbinger (Künstler, BIG ART Fachbeirat)

Über BIG ART

Mit der Gründung der Kunstinitiative BIG ART im Jahr 2005 hat die Bundesimmobiliengesellschaft ihre Kunstaktivitäten neu aufgestellt. Ziel ist es, Kunst an jene Orte zu bringen, wo möglichst viele Menschen in guter Architektur studieren, arbeiten und lernen, und wo die Kunst mit einer gerade entstehenden Architektur mitwachsen kann und die Chance hat, Teil eines Ensembles zu werden. Seit Bestehen von BIG ART wurden 35 Kunst & Bau Projekte in ganz Österreich realisiert und knapp 4,5 Mio. Euro investiert. Parallel dazu kümmert sich BIG ART um die Instandhaltung und Restauration bestehender Kunstwerke auf den Liegenschaften des BIG Konzerns.

Unter dem Begriff „BIG ART Kunst & Bau“ findet in der Bundesimmobiliengesellschaft ein synergetischer Dialog zwischen ArchitektInnen, NutzerInnen und österreichischen und internationalen KünstlerInnen statt. Dieser beinhaltet die Entwicklung, Umsetzung und Dokumentation permanenter und temporärer Kunstprojekte an ausgewählten Gebäuden der Bundesimmobiliengesellschaft. Abhängig vom Projektvolumen lobt die BIG jährlich ein bis drei Wettbewerbe für Kunst & Bau Projekte aus und realisiert in Folge die Siegerprojekte.

www.big-art.at

Graz, am 15. September 2020

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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