Die Geschichte der Villa Castiglioni in Grundlsee

Um die weiße Villa am Grundlsee ranken sich zahlreiche Geschichten. Ihren Namen „Villa Castiglioni“ erhielt sie von dem Mann, der sie zu dem gemacht hat, was sie heute ist – Camillo Castiglioni.

Die Geschichte beginnt aber schon früher. 1881 wurde das Gebäude von Dr. Franz Ritter von Winniwarter unter dem Namen „Villa Grundlstein“ errichtet. Zu diesem Zeitpunkt war Camillo Castiglioni zwar schon auf der Welt, noch wusste aber niemand, welchen Einfluss er in Europa haben würde. Er wurde 1879 in Triest als Sohn eines Oberrabbiners geboren und begann mit zunehmendem Alter mit Spekulationen. Als er zu Geld gekommen war, half ihm der Erste Weltkrieg, noch wohlhabender zu werden. Camillo Castiglioni stieg in die Luftfahrt- und Automobilindustrie ein. Nach dem Weltkrieg vergrößerte er seinen Reichtum durch Börsen- und Devisengeschäfte. Er nutzte die Inflation aus, und galt schließlich als reichster Mann Österreichs und sogar als einer der reichsten Männer Europas.

Camillo Castiglioni versuchte, ein eigenes Haus (wie das Haus Habsburg) zu gründen, und kaufte unter anderem 1920 die Villa am Grundlsee. Er ließ das Gebäude mit Renaissance-Türen aus italienischen Schlössern, einem Gewächshaus mit der seinerzeit größten Orchideenzucht Europas, und einem ägyptischen Obelisken ausstatten. In dem Haus saß Camillo Castiglioni sogar mit Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt zusammen, um die Gründung der Salzburger Festspiele zu bereden.

1926 schenkte Camillo Castiglioni die Villa seiner Frau Iphigenie Buchmann, einer bekannten Schauspielerin, die er bereits 1916 geheiratet hatte. Dort besuchte er sie regelmäßig mit seinem eigenen Bahn-Salonwagen. Die Ehe hielt aber nicht ewig, und Iphigenie Buchmann trennte sich ein paar Jahre später von ihrem Mann Camillo. Die Villa verkaufte sie 1937 dem Schweizer Kaufmann Heinrich Hardmeier.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Villa von Adolf Hitler als Privatbibliothek genutzt. Wertvolle Orignalwerke Richard Wagners wie „Rheingold“ und „Wilküre“ verschwanden auf wundersame Weise, und sind nicht wieder aufgetaucht.

Seit 1999 gehört die prachtvolle Villa einem Unternehmer aus dem Großraum Wien und seiner Frau, der sie von der oö Handelskammer erwarb.

Quellen:

http://www.ennstalwiki.at/wiki/index.php/Villa_Castiglioni

https://oe1.orf.at/artikel/324216/Camillo-Castiglioni

https://www.kleinezeitung.at/steiermark/ennstal/5686780/Grundlsee_Die-wechselvolle-Geschichte-der-Villa-am-See

Iris Hödl, Ausseer Regionalfernsehen

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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