Plakatkunst von Heribert Friedl an Grazer Fassaden: Lesbare und ertastbare Kunst lädt zur Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und Perspektiven ein

Begleitend zum Klangprojekt Sonic Projections des Künstlers Bill Fontana haben im Rahmen des Projektes Kultur inklusiv eine Gruppe von Menschen mit und ohne Hör- und Sehbeeinträchtigung gemeinsam über Wahrnehmungen und Erfahrungen im Stadtraum geforscht und den Künstler Heribert Friedl für eine Umsetzung der Erfahrungen gewonnen. Friedls ausdrucksstarke Plakatserie, in der Brailleschrift neben Druckschrift gleichwertig zu stehen kommen, wurde gestern präsentiert. Ab sofort ist die Serie ist zu finden, zu lesen und zu ertasten an den Fassaden des Kunsthauses, der Akademie Graz, am Odilieninstitut, dem Graz Museum und der Kunst Universität Graz. Sie lädt dazu ein, sich auf andere Perspektiven einzulassen und Wahrnehmung insgesamt als Schatz der Verständigung mit der Welt zu betrachten.

„Das Projekt lässt innehalten und bietet dabei eine Gelegenheit darüber nachzudenken, wie andere Menschen wahrnehmen und so auch zu reflektieren wie man selbst und wie die Stadt um einen rum unterschiedlich wahrgenommen wird“, erläutert Kunsthaus-Kuratorin Katrin Bucher Trantow. Als mehrsprachiges Ergebnis der Stadterkundung durch eine Gruppe von Menschen mit und ohne Seh- oder Hörbehinderung gestaltete der Künstler Heribert Friedl eine Serie von Plakaten: poetisch-abstrakte Anstöße, um Bilder im Kopf entstehen zu lassen und andere dabei zu beobachten, wie ihnen dasselbe passiert. In der Mehrsprachigkeit der Texte gibt es gleichzeitig auch Hinweise auf eine Breite von Wahrnehmung, die sich über die eigenen Gewohnheiten hinaus auffächert und uns gerade durch den Perspektivenwechsel bereichert. „Die Arbeit wird zum konzentrierten Moment der Flüchtigkeit, in der sich kurz die Wahrnehmungen von Welt verbinden. Ursprünglich ging es um den Duft selbst, doch in diesem Projekt formulierte sich die Sprache und das Kommunizieren über Wahrnehmung zum Instrument der Katharsis“, so der Künstler Heribert Friedl. Astrid Kury (Akademie Graz) bezeichnet Friedls Projekt als „feine Momente des Innehaltens, eine Einladung in eine poetische Wirklichkeit.“
Erfahrbar ist Friedls Plakat-Serie noch bis zum 4. Oktober an den Fassaden mehrerer Grazer Institutionen: am Kunsthaus Graz, der Akademie Graz, dem Odilieninstitut, der Kunst-Universität Graz und dem GrazMuseum. Sie lädt dazu ein, Wahrnehmung als Schatz im ständigen Wachstum und Wandel zu beobachten.

Heribert Friedl
Heribert Friedl (geboren 1969 in Feldbach) lebt und arbeitet in Wien. Seit 2017 lehrt er an der Universität für angewandte Kunst Wien (Abteilung: Ortsbezogene Kunst). Er beschäftigt sich immer wieder auch mit dem Geruch als Material für skulpturale und performative Erfahrung. Friedl war 1999 und 2016 Preisträger des Förderungspreises des Landes Steiermark für zeitgenössische bildende Kunst. Seine Arbeiten sind seit 1995 in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen.
Akademie Graz
Astrid Kury (Akademie Graz), 
Dietmar Ogris (Verein Selbstbestimmt Leben),
Heribert Friedl
 © Akademie Graz

Heribert Friedl
Wenn alles beginnt sich aufzulösen, dann ist vielleicht der Geruch das große Verbindende 

Plakatserie, 2020
An verschiedenen Fassaden öffentlicher Institutionen in Graz

20.08. – 04.10.2020

Eine Kooperation von Akademie Graz und Kunsthaus Graz im Rahmen von Kultur inklusiv, ein Projekt des Kulturjahres Graz 2020
www.akademie-graz.at

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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