Pkw-Verkehr auf steirischen Autobahnen im 1. Halbjahr deutlich stärker zurückgegangen als Lkw-Verkehr

Der Covid-19 bedingte Verkehrsrückgang auf den steirischen Autobahnen und Schnellstraßen war im 1. Halbjahr sehr verschieden, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. Was auffällt: Der Pkw-Verkehr ging auf allen Autobahnen um ein Vielfaches stärker zurück als der Lkw-Verkehr. Und im Juni war die Belastung durch den Lkw-Verkehr auf einzelnen Abschnitten der A2 und S36 bereits wieder höher als im Juni 2019. Der VCÖ fordert einen Klimabonus für Betriebe, die ihren Gütertransport auf die Schiene verlagern und ein rasches Ende des Dieselprivilegs.

Auf den steirischen Autobahnen und Schnellstraßen ist im 1. Halbjahr der Autoverkehr deutlich stärker zurückgegangen als der Lkw-Verkehr, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. So nahm der Pkw-Verkehr auf der Südautobahn um rund ein Viertel ab, der Lkw-Verkehr jedoch nur um fünf Prozent. Beispielsweise waren bei der Zählstelle Feldkirchen mit fast neun Millionen um rund 2,6 Millionen Pkw weniger unterwegs als im 1. Halbjahr 2019. Die Zahl der Lkw ging um rund 100.000 auf 1,2 Millionen zurück.

Auf der Pyhrnautobahn ging der Pkw-Verkehr mit 26 Prozent rund dreimal so stark zurück wie der Lkw-Verkehr. Durch den Gleinalmtunnel fuhren mit rund 2,6 Millionen um rund 900.000 weniger Autos, die Zahl der Lkw ging um rund 70.000 auf 650.000 zurück. Auf der Semmering Schnellstraße, der Murtal Schnellstraße und der Brucker Schnellstraße war der Rückgang des Autoverkehrs prozentuell etwa doppelt so stark wie der Rückgang des Lkw-Verkehrs, informiert der VCÖ.

„Zum Rückgang des Autoverkehrs haben vor allem zwei Entwicklungen beigetragen. Zum einen haben mehr Kurzarbeit und weiterhin verstärktes Home-Office den Pendlerverkehr reduziert. Zum anderen gab es weniger Reiseverkehr aus dem Ausland“, erklärt VCÖ-Experte Schwendinger.

In den vergangenen Wochen hat die Verkehrsbelastung wieder spürbar zugenommen, auch der Lkw-Verkehr. „Auf der Südautobahn waren heuer im Juni zwischen Hochenegg und Laßnitzhöhe bereits mehr Lkw unterwegs als im Juni des Vorjahres. Auf Autobahnen ist die rechte Spur de facto wieder eine rollende Lagerhalle“, macht VCÖ-Experte Schwendinger aufmerksam.

Der Dieselpreis ist seit Jahresbeginn um fast 16 Prozent gesunken, damit ist der Transport auf der Straße billiger geworden. Damit droht eine verstärkte Verlagerung von der Schiene auf die Straße, was zu mehr Staus, erhöhter Unfallgefahr sowie mehr Schadstoffen, Treibhausgasen und Lärm führt. „Österreich droht seine Klimaziele deutlich zu verfehlen, wenn der Lkw-Verkehr wieder massiv zunimmt. Ein Verfehlen der Klimaziele kommt wegen der Strafzahlungen und der zunehmenden Klimaschäden teuer. Auch der Güterverkehr muss endlich einen stärkeren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten“, betont VCÖ-Experte Schwendinger.

Der VCÖ fordert einen Klimabonus für Unternehmen, die ihren Gütertransport auf die Schiene verlagern, betriebliche Gleisanschlüsse sollen stärker unterstützt werden. Zudem ist die Steuerbegünstigung von Diesel – die Mineralölsteuer ist um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper – endlich abzuschaffen. Damit rechnen sich auch Investitionen in eine bessere Logistik sowie in alternative Antriebe rascher, betont der VCÖ. Wer sich für langlebige Produkte statt Wegwerfware entscheidet und auf regionale Herkunft achtet, leistet durch das eigene Konsumverhalten einen Beitrag zur Reduktion des Lkw-Verkehrs.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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