VCÖ: Im Vorjahr auf Pyhrnroute mehr Lkw unterwegs als über alle Schweizer Alpenpässe

VCÖ fordert EU-weite Lkw-Mindestmaut und Abschaffung von Dieselprivileg

VCÖ (Wien, 20. Juli 2020) – Allein auf der Pyhrnautobahn waren im Vorjahr deutlich mehr Lkw unterwegs als über alle vier Schweizer Alpenübergänge, macht der VCÖ aufmerksam. Während auf der A9 im Vorjahr rund 1,5 Millionen Schwerfahrzeuge durch den Lainbergtunnel fuhren, waren über die vier Schweizer Alpenpässe in Summe nur 0,9 Millionen unterwegs. Der VCÖ fordert daher eine Lkw-Mindestmaut in der EU und die Abschaffung der Steuerbegünstigung von Diesel.

„Der Schweiz ist gelungen, was sich die Anrainerinnen und Anrainer entlang von Österreichs Transitrouten seit vielen Jahren wünschen: Die Zahl der Lkw-Fahrten hat deutlich abgenommen“, weist VCÖ-Experte Michael Schwendinger auf aktuelle Daten des Schweizer Bundesamts für Verkehr hin. Demnach ist die Zahl der Lasten- und Sattelzüge über die Schweizer Alpenpässe im Jahr 2019 um 41.000 auf 808.000 zurückgegangen, weitere 90.000 waren kleinere Lastwagen über 3,5 Tonnen. In Summe waren es 898.000 Lkw, die die Schweizer Alpenpässe überquerten. Zum Vergleich: Über den Brenner fuhren im Vorjahr 2,469 Millionen Lasten- und Sattelzüge und damit um 47.000 mehr als im Jahr 2018, informiert der VCÖ.

Und auch über die Pyhrnautobahn rollten mehr Lkw als über alle vier Schweizer Alpenübergänge. So fuhren auf der A9 rund 1,5 Millionen Schwerfahrzeuge durch den Lainbergtunnel. Gegenüber dem Jahr 2010 nahm der Lkw-Verkehr im Lainbergtunnel um rund 440.000 zu. Über die Schweizer Pässe gab es hingegen einen Rückgang um rund 330.000, der Großteil – nämlich 260.000 – entfiel auf Lasten- und Sattelzüge, berichtet der VCÖ.  

Infolge der Covid-19-Pandemie ist im 1. Halbjahr auch der Lkw-Verkehr zurückgegangen, aber: „Die Finanzkrise vor zehn Jahren hat gezeigt, dass ohne strukturelle Änderungen die Rückgänge des Lkw-Verkehrs nur kurzfristig sind. Umso wichtiger ist es, dass sowohl Österreich als auch die EU Maßnahmen setzen, damit nachhaltig die Belastungen durch den Lkw-Verkehr reduziert werden“, betont VCÖ-Experte Schwendinger.

Der Rückgang in der Schweiz ist die Folge einer konsequenten Politik. „In der Schweiz wird Diesel, der Treibstoff der Lkw, nicht steuerlich begünstigt. Zudem sind in der im Jahr 2001 eingeführten Lkw-Maut auch die sogenannten externen Kosten, wie Schäden an Umwelt, Gesundheit und Straßen berücksichtigt“, erklärt VCÖ-Experte Schwendinger. Und im Unterschied zu Österreich gibt es auf den Schweizer Autobahnen de facto keine Toleranz beim Überschreiten von Tempolimits.

Österreich kann durch die Abschaffung der Steuerbegünstigung auf Diesel und eine Reduktion der Toleranzgrenze beim Überschreiten von Tempolimits dazu beitragen, die Transitbelastung reduzieren, betont der VCÖ.

Darüber hinaus sind Maßnahmen auf EU-Ebene dringend nötig. Statt der bestehenden Höchstmaut braucht es eine Lkw-Mindestmaut, die so wie in der Schweiz auch die durch Abgase und Lärm verursachten Schäden inkludieren soll. Die über den Brenner fahrenden Lkw legen den Großteil ihrer Strecke außerhalb Österreichs zurück. Eine niedrige Lkw-Maut in Italien und Deutschland führt auch zu mehr Transit-Lkw in Österreich. Auch die Reduktion qualvoller Lebendtiertransporte durch Europa ist auf EU-Ebene voranzutreiben, betont der VCÖ.

Darüber hinaus sind sektorale Fahrverbote in der EU zu erleichtern. „Wenn Güter auf der Schiene transportiert werden können, ist der freie Warenverkehr gewährleistet. Darüber hinaus braucht es einen Paradigmenwechsel. Die Gesundheit der Bevölkerung und das Erreichen der Klimaziele müssen Vorrang vor dem Prinzip des freien Warenverkehrs bekommen“, stellt VCÖ-Experte Schwendinger fest.

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Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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