Altaussee: Ausstellung zum Thema Ausseerland – 100 Jahre Salzburger Festspiele eröffnet

Gestern, 17. Juli, wurde vom Obmann des Vereines, Dr. Anton Auerböck, im Literaturmuseum (Foyer des Kur- und Amtshauses) die Ausstellung „Festspiele der Sommerfrische….) eröffnet. Zahlreiche Künstler hatten sich in den Dienst der Sache gestellt und waren zum Teil auch persönlich anwesend, etwa Barbara Frischmuth, Gernot Friedl und Klaus Maria Brandauer. Lutz Maurer gestaltete für diese Ausstellung einen Film, der dort gezeigt wird. Herzlichen Dank an das gesamte Ausstellungsteam für die geleistete Arbeit.

Festspiele in der Sommerfrische …

Die Wurzeln der Salzburger Festspiele im Ausseerland mit einer Sonderausstellung zu beleuchten, ist als eine Verpflichtung des Literaturmuseums Altaussee anzusehen. Sowohl die geistigen Wurzeln als auch die verschiedenen künstlerischen Verbindungen bis in die heutige Zeit sind thematischer Kern einer interessanten Ausstellungsgestaltung im Leseraum.


LITERATURMUSEUM ALTAUSSEE
im Foyer des Kur- und Amtshauses 
SONDERAUSSTELLUNG ganztags bei freiem Eintritt geöffnet.

Die Salzburger Festspiele können in unterschiedlichen Facetten auf das Ausseerland bezogen werden. Sowohl die geistigen Wurzeln als auch verschiedenste künstlerische Verbindungen bis in die heutige Zeit können in der Region verortet werden. Durch einzelne Objekte kann die Geschichte fassbar werden, wie beispielsweise durch den Reisepass von Leopold von Andrian.

Der Diplomatenpass des Schriftstellers und Politikers wurde zufällig überliefert. Der Reisepass ist in dünnem Karton als Heft mit Klammern gebunden. Die schriftliche Quelle gibt Auskunft über die biografischen Daten Andrians. Der Reisepass als behördliches Dokument verfügt über umfangreiche Vordrucke, die erst bei der Ausstellung ausgefüllt wurden. Die eingetragenen Daten sind in Kurrentschrift geschrieben. Da es sich um einen italienischen Diplomatenpass handelt, ist der Reisepass in italienischer Sprache.

Zum Inhalt des Reisepasses: Auf den ersten Seiten werden die personenbezogenen Daten zu Leopold von Andrian erhoben, besonders die körperlichen Merkmale. Die folgenden Seiten würden die Möglichkeit eröffnen, Mitreisende einzutragen, in diesem Reisepass sind jedoch keinerlei Eintragungen dieser Art zu finden. Weiters sind die Geltungsbedingungen zu finden und auf der folgenden Seite eine Fotografie des Passbesitzers. Außerdem ist das Ausstellungsdatum mit 10. August 1920 zu datieren. Als Reisedestinationen können Frankreich und die Schweiz festgehalten werden. Zu den stilistischen Eigenheiten des Dokuments kann konstatiert werden, dass es sich um sogenannte Kanzleisprache handelt.

Der italienische Staat erteilt die Genehmigung zur Ein- und Ausreise aufgrund des gültigen Reisedokuments. Diese Erlaubnis gilt für den Diplomaten Leopold von Andrian, das Dokument selbst dient der Identitätsfeststellung Diese Identität sollte vor allem durch die Feststellung und Überprüfung der körperlichen Merkmale.

Leopold von Andrian ist heute ein wenig bekannter Name, jedoch war er zu Lebzeiten eine sehr geachtete Persönlichkeit. Er war nicht nur als Schriftsteller, besonders durch seine Lyrik etabliert, sondern auch in der Politik tätig, so nahm er etwa an den Friedensverhandlungen von St. Germain teil. Auch in seiner Rolle als kulturellerer Förderer der Salzburger Festspiele, er war etwa am Ende der Habsburgermonarchie als Generalintendant der Staatsoper tätig, ist er heute nahezu vergessen. Leopold von Andrian war bereits ab frühester Jugend immer wieder im Ausseerland zu Gast, hier wurden die entsprechenden Kontakte geknüpft.

Jedoch nicht nur die Verflechtungen im Kleinen sollen thematisiert werden, sondern auch die großen Ideen, die hinter den Salzburger Festspielen standen. Das Festival entstand in einer Zeit, die in Aufruhr war. Der erste Weltkrieg war gerade vorbei und hatte in einem Flächenbrand halb Europa verwüstet und zahlreiche Kleinstaaten zerteilt wurde. Veranstaltungen wie die Salzburger Festspiele sollten eine gemeinsame kulturelle Identität schaffen. Eine Einigung im gesellschaftlichen Sinne wollte die Paneuropabewegung erreichen. Graf Coudenhove-Kalergi war der wichtigste Ideengeber und stellte seine Ideen in der Zeitschrift „Die Bühne“ vor. Die periodisch erscheinende Zeitschrift kann als schriftliche Quelle qualifiziert werden und ist von der äußeren Form her optisch ansprechend produziert, da zumindest das Titelbild in Farbe gehalten ist. Die Zeitschrift kommt dem am nächsten, was man heute als Illustrierte bezeichnen würde. Der Artikel von Graf Coudenhove-Kalergi wurde in Bildungssprache verfasst und enthält klar einen Appell zum Frieden. Zum Stil ist zu bemerken, dass der Text in Hypotaxen, verschachtelten Sätzen, verfasst und mit zahlreichen Imperativen gespickt, die den appellativen Charakter des Textes nochmals unterstreichen.

Der Autor Graf Coudenhove-Kalergie wollte mit dieser Publikation in „Die Bühne“ seinen Plan von Paneuropa einem breiteren Publikum zugänglich machen. Seine Adressanten sind vor allem junge Menschen, da er in diesen die Zukunft Europa sieht, zudem nennt er zahlreiche Unterstützer der Initiative, unter anderem Ignaz Seipl. Die Zeitschrift erschien im Jahr 1926 in Österreich, genauer in Wien. Der Autor nutzt vor allem das Mittel des Wortes um seine Ideen zu verbreiten.

Die Zeitschrift „Die Bühne“ erscheint bis heute und ist als das größte Kultur- und Theatermagazin zu beschreiben, sie erschien erstmals am 6. November 1924 als Zeitung für Theater, Literatur, Film, Mode, Kunst, Gesellschaft und Sport im Kronos-Verlag. In der Zwischenkriegszeit wandte sich die Zeitschrift direkt gegen gesellschaftlichen Antisemitismus, zeigte gleichzeitig freizügige Bildung und thematisierte zahlreiche Kunstobjekte, die von Frauen geschaffen wurden. Ab 1938 erschien „Die Bühne“ in arisierter Form als „Wiener Bühne“. Seit Bestehen der Zeitschrift publizieren immer wieder Autor/innen ihre Werke, bzw. stellen diese vor.

Das Herzstück der Salzburger Festspiele ist heute das Theaterstück „Jedermann“, das ursprünglich als eine Notlösung galt. Doch der Jedermann hat klare Verbindungen ins Ausseerland, da in unterschiedlichen Quellen belegt ist, dass Hofmannsthal dieses Stück im Zuge eines Winteraufenthalts im Ausseerland geschrieben hat. Das erste Programmheft zum Jedermann aus dem Jahr 1920 ist ein Faltpapier in A5-Format. Das Programmheft ist in Schwarz-Weiß-Drucktechnik gehalten, die Schrift ist in Frakturschrift gehalten und das Titelbild im Stil eines Holzschnittes dargestellt. Auf der sprachlichen Ebene handelt es sich um eine Auflistung der Rollen und die Nennung der Verantwortlichen für die Inszenierung des Stücks. Die Salzburger Festspielhausgemeinde informiert in diesem Faltblatt die Gäste des Jedermann über die Besetzung, die Bühnengestaltung und die Choreografie. Der Ort der Aufführung ist der Salzburger Domplatz und das Programmheft soll zusätzliche Informationen bieten.

Diese und viele weitere Objekte werden in der Sonderausstellung des Literaturmuseums in Altaussee gezeigt.

Mehr in einem ARF – Fernsehbericht; Fotos:©Pressefotografie Ingrid Hilbrand

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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