Flächendeckende COVID-19-Tests als Grundlage für sichere Events?

Experten aus Sport, Kultur und Medizin sehen flächendeckende Tests als eine der möglichen Lösungen für eine sichere Öffnung von Eventstätten.
„Für mich als Mediziner herrscht aktuell ein kompletter Zustand der Verwirrung“, erklärte Dr. Stefan Woehrer im Rahmen der Online-Diskussion „Erfolgreiche und neue COVID-19 Präventionskonzepte
im Sport“. „Es gab drastische Maßnahmen unter der Prämisse, dass es sich um ein sehr gefährliches Virus handelt. Die zentrale Frage ist, wie gefährlich ist COVID-19? Alles andere hängt davon ab.“
Außer Zweifel steht, dass das Virus hochansteckend ist und dass es eine gewisse Latenzzeit gibt. „Man kann sich gesund fühlen, auf ein Event gehen und dort alle anstecken. Es führt demnach kein Weg daran vorbei, dass man die Gäste vor einem Event-Besuch testet“, so Woehrer.
Darin waren sich die Experten großteils einig. So geht etwa Hannes Tschürtz, Geschäftsführer von NTRY Ticketing und Ink Music davon aus, dass es „noch mindestens ein Jahr, vielleicht aber auch zwei oder drei Jahre dauern wird, bis ansatzweise wieder Normalität herrscht. Wir müssen uns also mit neuen Modellen beschäftigen und ich denke, dass das Testen definitiv eine der Möglichkeiten ist.“

Lösungen für Stadien
Woehrers Ergänzung, wonach kleinste Speicheltropfen bis zu zehn Meter weit fliegen können, macht vor allem bei Indoor-Veranstaltungen einen Mindestabstand von einem Meter nutzlos. „Das ist falsche Sicherheit, in der man sich wiegt“, so Woehrer.
Ein verpflichtender Mund-Nasen-Schutz erscheint speziell bei Freiluft-Events, etwa bei Fußballspielen, als sinnvoller. David Reisenauer, Leiter Spielbetrieb bei der Fußball-Bundesliga, verweist in diesem Zusammenhang auf die Vorgaben in der Schweiz, die – anders als in Österreich – Veranstaltern mehrere Optionen lassen: „In der Schweiz besteht die Möglichkeit die Stadien ab September komplett zu öffnen. Die Vereine können unterschiedliche Ansätze wählen, um diese auch zu füllen. Mindestabstand ist eine Möglichkeit. Arbeitet man aber mit Mund-Nasen-Schutz sind auch höhere Kapazitäten möglich.“

Die Preis-Frage
Wichtige Themen beim flächendeckenden Testen von Besuchern sind der Preis und die verfügbaren Testkapazitäten. Bei zweiterem sieht Dr. Stefan Woehrer kein Problem: „Die Kapazitäten waren zu Beginn der Pandemie und sind teilweise auch jetzt noch der limitierende Faktor für flächendeckende Tests. Die aktuellen Entwicklungen zeigen aber, dass man die Kapazitäten wesentlich ausweiten kann. Die Skalierung ist kein Problem.“ Bleibt die Frage nach den Kosten. „Wir möchten allen Gesellschaftsschichten die Möglichkeit geben, ein Event zu besuchen. Wenn dann Zusatzkosten durch Tests entstehen, stellt sich irgendwann die
Frage, wer dadurch ausgeschlossen wird“, gibt David Reisenauer von der Bundesliga zu bedenken.
Auch für Hannes Tschürtz ist die Preis-Frage eine zentrale: „Die Tickets für unsere Events kosten meist zwischen 15 und 25 Euro. Wenn ein Test dann 20 Euro kostet – was grundsätzlich ja billig ist – ist das eine Verdoppelung des Ticketpreises.“
Auch hier gibt Dr. Stefan Woehrer Entwarnung: „Die Kosten für Tests sinken aktuell stark. Zudem gibt es die Möglichkeit des Poolings. Man könnte zehn Tests gemeinsam auswerten und ist das Ergebnis negativ, haben alle zehn Getesteten Zugang. Das würde die Kosten enorm senken.“
Für Andreas Kienbink, CEO von keyper und Initiator der Diskussionsrunde, steht fest, dass das Testen von Event-Besuchern der momentan vielversprechendste Lösungsansatz ist: „Das hat sich in der Diskussion deutlich herauskristallisiert. Und Umfragen zeigen, dass Besucher durchaus bereit sind, sich testen zu lassen, um an Events teilnehmen zu können. Der Preis ist im Endeffekt wohl der entscheidende Faktor.“
Bleibt noch die Frage, ob sich jeder ständig testen lassen möchte, wenn er ein Event besuchen will.
Aber wer hätte sich noch vor einigen Monaten vorstellen können, dass es ganz normal ist, mit MundNasen-Schutz einkaufen zu gehen!

Beitragsbild: Skifliegen am Kulm

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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