Neue „Schweinegrippe“ mit Pandemiepotential entdeckt

Expert_innen waren vor einem neuen Influenzavirus, das in China von Schweinen auf Menschen übertragen wurde

Aktuelle Meldungen berichten von mehreren Ansteckungen bei Arbeiter_innen in Schweinefabriken und Schlachthöfen in China (https://www.bbc.com/news/health-53218704). Der neue Virenstamm (GA EA H1N1) gehört zur Familie der Influenzaviren, deren einzelne Stämme neben der „Echten Grippe“ vor allem auch als Schweinegrippe (H1N1) oder Vogelgrippe (H5N1) bekannt sind.

Das Potential des aktuellen Virus ist noch wenig bekannt, vor allem durch schnelle Mutationen könnten Risiken in der Ansteckungs- und Sterblichkeitsrate stark steigen. Expert_innen befürchten die Gefahr einer neuen Pandemie. Eine der tödlichsten Influenzapandemien der Menschheitsgeschichte (ebenfalls ein H1N1-Virus) forderte zwischen 1918 und 1920 bis zu 50 Millionen Menschenleben – heute bekannt als Spanische Grippe. Zuletzt sorgte ein anderer Schweinegrippevirus 2009-2010 für eine Pandemie mit bis zu 575.000 Toten weltweit.

VGT Aktivistin Lena Remich dazu: Es wird höchste Zeit, dass wir alle die Konsequenzen aus diesen Entwicklungen ziehen. Es ist nun mehr als deutlich geworden, dass die Tiernutzungsindustrie nicht nur unendliches Tierleid verursacht, sondern auch für den Menschen zu einer Gefahr wird, die wir nicht mehr ignorieren können. Auch wenn sich dieses neue Schweinegrippevirus nicht zur gefährlichen Pandemie entwickeln sollte, so bleibt das Risiko bestehen! In den letzten Monaten warnten zahlreiche Expert_innen vor der Gefahr durch Intensivtierhaltungen als Nährboden für neue Erreger.


Brandherd: Intensivtierhaltung

Aktuell stammen 90% des weltweit konsumierten Fleisches aus Intensivtierhaltung (https://www.sentienceinstitute.org/global-animal-farming-estimates). Diese Haltungen verursachen nicht nur enormes Tierleid, sondern treiben auch das Risiko für neue, gefährliche Erreger nach oben:

  • Hohe Besatzdichten: In typischen Tierhaltungen werden Schweine, Hühner oder Puten äußerst eng und dicht gehalten. Haltungen mit tausend oder gar zehntausenden Tieren gehören zur Norm; der Trend zur Massen-Intensivtierhaltung hält weiter an. Die Tiere kommen tagtäglich mit den Fäkalien anderer Tiere in Kontakt, haben nicht selten offene Wunden. Krankheitserreger können kaum einen besseren Nährboden für die Weiterentwicklung finden.
  • Genetisch ähnliche Populationen: Die heute gezüchteten und gehaltenen Schweine, Hühner oder Puten sind genetisch in ihren Populationen äußerst ähnlich. Für Krankheitserreger bedeutet das, unzählige Tiere einfach infizieren können. Zudem spielen ein gutes Immunsystem und Gesundheit in der gezielten Zucht der Tiere maximal eine untergeordnete Rolle.
  • Krankheitsdruck durch Tierleid: Artwidrige Haltungssysteme, Krankheiten und Verletzungen, psychologische Probleme wie Stress oder Langeweile – all das ist in der Intensivtierhaltung weit verbreitet. Die dadurch kompromittierten Immunsysteme der Tiere können Erregern nur wenig entgegensetzen.
  • Kontakt zum Menschen: Die Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen weltweit machten deutlich, dass die Fleischindustrie ein großes Verbreitungsrisiko birgt. Exkremente aus Tierfabriken werden auf Felder ausgebraucht, gelangen auf Lebensmittel und ins Grundwasser. Lebendtiertransporte rollen quer durch Europa – auch von Österreich aus. Neue Erreger haben es so nicht besonders schwer, den Menschen zu erreichen.
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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