Juni 2020: größtenteils überdurchschnittlich nass und trüb

Vorläufige Monatsbilanz der ZAMG: Juni 2020 um 0,5°C über dem Klimamittel 1981-2010. Niederschlag 30 Prozent über dem Mittel, Sonnenstunden 13 Prozent unter dem Mittel.

Info: Die vorläufige Klimabilanz zum Monatsende basiert auf der ersten Auswertung der rund 270 Wetterstationen der ZAMG sowie auf der räumlichen Klimaanalyse an 84.000 Datenpunkten in Österreich mittels SPARTACUS . Die Daten der Wetterstationen reichen zum Teil bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die SPARTACUS-Daten sind flächendeckend bis ins Jahr 1961 verfügbar.

Der Juni 2020 im Überblick

Auch der Juni 2020 zeigt deutlich die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte und die scheinbaren Widersprüche, die sich zwischen dem subjektivem Empfinden und der langfristigen statistischen Einordnung ergeben. „Im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 30 Jahre war der Juni 2020 im Tiefland Österreichs um 0,3 Grad zu kühl. Das entspricht dem Gefühl vieler Menschen. Trotzdem haben wir einen der 40 wärmsten Juni-Monate der 254-jährigen Messgeschichte erlebt“, sagt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Denn seit den 1990er-Jahren ist es in Österreich massiv wärmer geworden. Ein heute etwas zu kühler Monat liegt deutlich über den Normalwerten vor einigen Jahrzehnten. Zum Beispiel war der Juni 2020 um 1,5 Grad wärmer als ein durchschnittlicher Juni im Zeitraum 1961 bis 1990.“

Die fünf wärmsten Juni-Monate der Messgeschichte stammen fast durchwegs aus der jüngsten Vergangenheit: 2019, 2003, 2017, 1811, 2002 (in der Reihung Platz 1 bis 5).

Sonnenärmster und regenreichster Juni der letzten Jahre

Den subjektiven Eindruck eines „eher schlechten“ Junis bestätigen auch die Auswertungen von Sonnenscheindauer und Niederschlag. Über die gesamte Fläche Österreichs gesehen gab es um 30 Prozent mehr Regen als in einem durchschnittlichen Juni und um 13 Prozent weniger Sonnenstunden (jeweils im Vergleich zum Klimamittel 1981-2020). Es war somit der trübste Juni seit dem Jahr 2009 (damals 14 Prozent weniger Sonnenstunden als im Mittel) und der nasseste Juni seit dem Jahr 2016 (damals 37 Prozent mehr Niederschlag als im Mittel).

Vorsprung der Natur derzeit bei rund einer Woche

Die relativ verhaltenen Temperaturverhältnisse im Juni 2020 verzögerten die Entwicklung der Natur weiter. Durch den extrem milden Jahresbeginn trieben heuer viele Pflanzen um zwei bis drei Wochen früher aus als im vieljährigen Durchschnitt. Durch die Kaltlufteinbrüche Ende März bis Anfang April lag der Vorsprung der Natur Ende Mai bei etwa ein bis zwei Wochen. Jetzt, Ende Juni, liegt der Vorsprung gegenüber einem durchschnittlichen Jahr bei rund einer Woche.

Der Schwarze Holunder ist verblüht, die grünen Beeren auf den Dolden streben ihre endgültige Größe an. Frühe Kirschsorten erreichten die Fruchtreife teilweise schon im Mai. Kirschen und Rote Johannisbeere werden mit diversen anderen Beerenfrüchten in den Gärten geerntet. An manchen Bäumen färben sich die Marillen bereits orangerot.

Der Juni 2020 im Detail

Temperatur

Verglichen mit dem Juni des vergangenen Jahres (der wärmste Juni der Messgeschichte in Österreich) war der Juni 2020 deutlich kühler, aber immer noch ein wenig wärmer als das klimatologische Mittel. Im Flächenmittel war der Juni 2020 um 0,5 °C wärmer als das Mittel 1981-2010 (HISTALP-Tieflanddatensatz). Im hochalpinen Bereich des Landes war der Juni um 0,2 °C wärmer als ein durchschnittlicher Juni im Beobachtungszeitraum 1981-2010. Beim Vergleich des Temperaturverlaufes im Juni mit dem Mittel der vergangenen 30 Jahre (Mittel 1990-2019) war der Juni hingegen im Tiefland um 0,3 °C und auf den Bergen um 0,6 °C kälter. Im Vergleich zur Klimaperiode 1961-1990, die noch relativ unbeeinflusst ist vom einsetzenden Erwärmungstrend am Beginn der 1990er Jahre, war der Juni um 1,5 °C wärmer. Der Juni 2020 belegt insgesamt einen Rang unter den 40 wärmsten Junimonaten der Messgeschichte.

In Vorarlberg, Tirol und im Großteil Kärntens sowie in Teilen des Weinviertels, in Wien und im Wienerwald lagen die Abweichungen der Lufttemperatur zum Mittel 1981-2010 zwischen -0,5 °C und +0,5 °C. In allen anderen Landesteilen war der Juni um 0,5 bis 1,5 °C wärmer als das klimatologische Mittel. Punktuell war es um bis zu 1,7 °C wärmer.

Die Anzahl der Sommertage (Tmax >=25°C) und heißen Tage (Tmax >=30°C) lag im Großteil Österreichs etwas unter einem durchschnittlichen Juni im Bezugszeitraum 1981-2010.

Extremwerte der Lufttemperatur (Juni 2020, inkl. 29.6. )
WetterstationTemperaturDatum
höchste LufttemperaturWien-Innere Stadt (W, 177 m)32.9 °C28. Jun
tiefste LufttemperaturBrunnenkogel (T, 3437 m)-6.3 °C05. Jun
tiefste Lufttemperatur bewohnter OrtLech (V, 1442 m)-0.1 °C01. Jun
tiefste Lufttemperatur unter 1000 mRadstadt (S, 835 m)1.7 °C02. Jun
Minima und Maxima der mittleren Lufttemperatur (Juni 2020, inkl. Prognose )
WetterstationMonats-mittelAbweichung zum Mittel 1981-2010
relativ kältester OrtLandeck (T, 796 m)15.7 °C-0.4 °C
relativ wärmster OrtWindischgarsten (O, 600 m)16.7 °C+1.7 °C
absolut kältester OrtBrunnenkogel (T, 3437 m)-0.5 °Ck.A.
absolut kältester bewohnter OrtObergurgl (T, 1941 m)9.0 °C+0.1 °C
absolut kältester Ort unter 1000 mAchenkirch (T, 931 m)13.5 °C0.0 °C
absolut wärmste OrteWien-Innere Stadt (W, 177 m)20.0 °C+0.2 °C
Andau (B, 118 m)19.8 °C+0.5 °C

Niederschlag

Durch die rege Tiefdrucktätigkeit über Mitteleuropa fiel in diesem Juni in Österreich, verglichen mit einem durchschnittlichen Juni, deutlich mehr Niederschlag. Im Flächenmittel war der Juni 2020 um 30 Prozent niederschlagsreicher als ein durchschnittlicher Juni im Bezugszeitraum 1981-2010. Damit ist er der regenreichste Juni seit dem Jahr 2016, indem es um 37 Prozent mehr Niederschlag als im Mittel gab.

In den zentralen Regionen des Landes, wie Salzburg, südliches Oberösterreich und der Steiermark entsprachen die Niederschlagsmengen mit Abweichungen zum vieljährigen Mittel von -25 bis +25 Prozent in etwa einem durchschnittlichen Juni. In Vorarlberg, Tirol, im südlichen Kärnten, im Burgenland, Niederösterreich, Wien und im Nordwesten und Norden Oberösterreichs erreichten die Anomalien zum Mittel +25 bis +75 Prozent. In Teilen des Wald-, Wein- und Mostviertels sowie im Seewinkel fiel in diesem Juni um 75 bis 125 Prozent mehr Regen.

Durch einige starke gewittrige Regenschauer kam es auch immer wieder zu unwetterbedingten Schäden in Österreich. An der Wetterstation in Gleisdorf (St, 377 m) fiel am 29.6.2020 binnen zwei Stunden eine Regenmenge von 90 Millimeter. So viel Regen in so kurzer Zeit gab es seit Beginn der automatisierten minütlichen Messung an dieser Station im Jahr 2007 noch nie.

Minima und Maxima des Niederschlags (Juni 2020, inkl. 29.6. )
WetterstationMonatssummeAbweichung zum Mittel 1981-2010
relativ nassester OrtAndau (B, 118 m)163 mm182%
relativ trockenster OrtAigen/Ennstal (St, 641 m)80 mm-36%
absolut nassester OrtLaterns (V, 1559 m)394 mmk.A.
absolut trockenster OrtOberwölz (St, 842 m)77 mm-26%

Sonne

Der Juni 2020 war nicht nur überdurchschnittlich niederschlagsreich sondern auch ausgesprochen trüb. Insgesamt gab es im österreichischen Flächenmittel um 13 Prozent weniger direkten Sonnenschein. Damit ist der Juni 2020 der sonnenärmste seit dem Juni 2009, der nochmals um ein Prozent weniger Sonne in Österreich brachte.

Die geringe Ausbeute an direktem Sonnenschein war in diesem Monat mit Abweichungen von -10 bis -30 Prozent relativ gleich verteilt. Stellenweise, wie im Inn- und Mühlviertel sowie im unteren Inntal und rund um Graz, entsprach die Sonnenscheindauer dem klimatologischen Mittel oder lag nur leicht darunter (bis zu -10 Prozent).

Minima und Maxima der Sonnenscheindauer (Juni 2020, inkl. 29.6. )
WetterstationMonatssummeAbweichung zum Mittel 1981-2010
relativ sonnenreichster OrtSchöckl (St, 1443 m)173 h1%
relativ sonnenärmster OrtSonnblick (S, 3109 m)86 h-40%
absolut sonnenreichster OrtGüssing (B, 215 m)214 hk.A.

Juni 2020: Übersicht Bundesländer

Vorarlberg

Niederschlagsabweichung51%
Temperaturabweichung0.0 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer-16%
TemperaturhöchstwertBludenz (571 m) 28.9 °C am 26.6.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin)Lech (1442 m) -0.1 °C am 1.6.
Temperaturtiefstwert unter 1000 mSchoppernau (839 m) 3.5 °C am 1.6.
höchstes Monatsmittel der LufttemperaturBregenz (424 m) 17.2 °C, Abw. -0.1 °C
höchste SonnenscheindauerRohrspitz (395 m) 197 h, Abw. k.A.

Tirol

Niederschlagsabweichung38%
Temperaturabweichung+0.1 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer-18%
TemperaturhöchstwertInnsbruck-Uni. (578 m) 32.1 °C am 27.6.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin)Brunnenkogel (3437 m) -6.3 °C am 5.6.
Temperaturtiefstwert unter 1000 mEhrwald (982 m) 3.1 °C am 2.6.
höchstes Monatsmittel der LufttemperaturInnsbruck-Uni. (578 m) 17.3 °C, Abw. +0.1 °C
höchste SonnenscheindauerPatscherkofel (2251 m) 173 h, Abw. -4 %

Salzburg

Niederschlagsabweichung3%
Temperaturabweichung+0.5 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer-18%
TemperaturhöchstwertSalzburg/Freis. (419 m) 30.5 °C am 28.6.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin)Sonnblick (3109 m) -4.3 °C am 5.6.
Temperaturtiefstwert unter 1000 mRadstadt (835 m) 1.7 °C am 2.6.
höchstes Monatsmittel der LufttemperaturSalzburg/Freis. (419 m) 17.3 °C, Abw. +0.1 °C
höchste SonnenscheindauerSalzburg-Flugh. (430 m) 181 h, Abw. +2 %

Oberösterreich

Niederschlagsabweichung34%
Temperaturabweichung+0.7 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer-9%
TemperaturhöchstwertBraunau (382 m) 31.9 °C am 28.6.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin)Dachstein-Gletscher (2520 m) -2.8 °C am 1.6.
Temperaturtiefstwert unter 1000 mFreistadt (539 m) 4.0 °C am 2.6.
höchstes Monatsmittel der LufttemperaturLinz (262 m) 18.4 °C, Abw. +0.5 °C
höchste SonnenscheindauerHörsching (298 m) 206 h, Abw. -5 %

Niederösterreich

Niederschlagsabweichung60%
Temperaturabweichung+0.6 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer-16%
TemperaturhöchstwertHohenau/March (154 m) 32.5 °C am 28.6.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin)Rax/Seilbahn (1547 m) 1.6 °C am 1.6.
Temperaturtiefstwert unter 1000 mKlausen-Leopoldsd. (389 m) 3.6 °C am 2.6.
höchstes Monatsmittel der LufttemperaturGroß-Enzersdorf (154 m) 19.1 °C, Abw. +0.5 °C
höchste SonnenscheindauerWr. Neustadt (275 m) 196 h, Abw. -11 %

Wien

Niederschlagsabweichung66%
Temperaturabweichung+0.3 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer-15%
TemperaturhöchstwertWien-Innere Stadt (177 m) 32.9 °C am 28.6.
Temperaturtiefstwert (Gipfel)Wien-Jubiläumsw. (450 m) 8.0 °C am 1.6.
TemperaturtiefstwertWien-Mariabrunn (225 m) 6.4 °C am 2.6.
höchstes Monatsmittel der LufttemperaturWien-Innere Stadt (177 m) 19.9 °C, Abw. +0.1 °C
höchste SonnenscheindauerWien-Innere Stadt (177 m) 203 h, Abw. -15 %

Burgenland

Niederschlagsabweichung63%
Temperaturabweichung+0.7 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer-11%
TemperaturhöchstwertAndau (118 m) 32.5 °C am 28.6.
TemperaturtiefstwertB. Tatzmannsdorf (347 m) 6.4 °C am 2.6.
höchstes Monatsmittel der LufttemperaturAndau (118 m) 19.8 °C, Abw. +0.5 °C
höchste SonnenscheindauerGüssing (215 m) 214 h, Abw. k.A.

Steiermark

Niederschlagsabweichung0%
Temperaturabweichung+0.7 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer-17%
TemperaturhöchstwertB. Radkersburg (207 m) 31.6 °C am 28.6.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin)Schöckl (1443 m) 2.5 °C am 1.6.
Temperaturtiefstwert unter 1000 mNeumarkt (869 m) 4.6 °C am 12.6.
höchstes Monatsmittel der LufttemperaturB. Radkersburg (207 m) 19.3 °C, Abw. +1.1 °C
höchste SonnenscheindauerGraz Uni. (367 m) 205 h, Abw. -8 %

Kärnten

Niederschlagsabweichung25%
Temperaturabweichung+0.4 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer-17%
TemperaturhöchstwertSt.Andrä/Lav. (403 m) 32.2 °C am 28.6.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin)Villacher Alpe (2117 m) 0.1 °C am 1.6.
Temperaturtiefstwert unter 1000 mWeitensfeld (704 m) 2.8 °C am 2.6.
höchstes Monatsmittel der LufttemperaturPörtschach (450 m) 18.4 °C, Abw. +0.5 °C
höchste SonnenscheindauerKlagenfurt (450 m) 203 h, Abw. -10 %

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Anmerkungen

Die Bezeichnung „vieljähriges Mittel“ betrifft die Klimaperiode 1981-2010.

Alle Daten sind vorläufige Werte und setzen sich nach Möglichkeit aus den Messungen bis zum gestrigen Tag und den Vorhersagen bis zum Ende des Monats zusammen. Die endgültige Bilanz ist ab der zweiten Woche des Folgemonats auf www.zamg.at/cms/de/klima/klima-aktuell abrufbar.

Temperatur im Juni 2020: Abweichung der Temperatur vom vieljährigen Mittel 1981-2010. Auswertung mit SPARTACUS-Daten bis inkl. 29.6.2020. Quelle ZAMG
Niederschlag im Juni 2020: Vergleich des Niederschlags mit dem vieljährigen Mittel 1981-2010. 100 Prozent entsprechen dem Mittel. Auswertung mit SPARTACUS-Daten bis inkl. 29.6.2020. Quelle ZAMG.
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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