Altaussee: Ein Jahrhundertprojekt für die Losergemeinde

Heute, 19. Juni, erfolgte im Kurpark Altaussee der symbolische Spatenstich für ein 6 Mio Projekt, das bis 2049 realisiert wird. Es geht u.a um eine ausgedehnte Lawinenverbauung am Loser (das Projekt wird unter der Bildergalerie genau vorgestellt), zu der man sich letztlich durch die enormenSchneemengen im Winter 2018/19 und den damit verbundenen Evakuierungen im Ortsteil „Sauzipf“ entschlossen hat. Schigebiet, Jufa – Gästehaus, Hagan Lodge…. mussten über Tage geschlossen werden, weil es die prekäre Lawinensituation erforderte. Zahlreiche Gäste waren der Einladung von Bgm. Gerald Loitzl gefolgt, u.a. Landesrat Johann Seitinger, Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau, DI Kurt Wittek (ÖBf), DI Max Pöllinger und DI Rainer Göschl (beide Wildbach- und Lawinenverbauung) (….). Die Kosten des Projektes, mit dem im Herbst 2020 begonnen wird, tragen überwiegend Bund (58%), Land Stmk. (15 %) und Gemeinde Altaussee (20%), der Rest entfällt auf ÖBf, Loser Bergbahnen und Alpenverein.

Ein Jahrhundertprojekt ist es erstens wegen der hohen Investitionssumme und zweitens wegen der langen Umsetzungsdauer. Die baulichen Maßnahmen werden zwar in 6- 8 Jahren abgeschlossen sein, aber die Aufforstung des Bannwaldes wird 30 Jahre in Anspruch nehmen.


DI Rainer Göschl, Projektleiter, skizzierte das Bauvorhaben
DI Max Pöllinger, Sektionsleiter Wildbach- und Lawinenverbauung
Landesrat Johann Seitinger
Symbolisch für das Projekt wurden Bäume gesetzt

Das Projekt: Lawinenschutzmaßnahmen und Schutzwaldverbesserung  –  Aufforstung am Loser!

In den Gemeinderatssitzung am 11.02.2015 wurde einstimmig der Grundsatzbeschluss zur Inangriffnahme eines sogenannten  „Flächenwirtschaftlichen Projektes“ gefasst. Das angedachte flächenwirtschaftliche Projekt in den Lawinenstrichen des Losers  deckt  grundsätzlich den gesamten Schutzwald vom Bereich Kieler inkl. dem Gatterwaldbach bis in den Bereich der Loser Ramsau  (Wimmergraben und Umfeld) ab. Ziel ist die Verbesserung des Waldzustandes, aber auch die Aufforstung der Kahlflächen nach  dem Sturm Kyrill (19.1.2007) und dem nachfolgendem Borkenkäferbefall. Bei der Aufforstung – Verjüngung des Schutzwaldes muss auch auf die sich ändernden klimatischen Verhältnisse Rücksicht genommen werden. interessant in diesem Zusammenhang, es wird am Loser in Zukunft vermehrt Tannen geben, da diese mit dem Klimawandel am besten zu Rande kommt.

Die Bestandsaufnahme der Gehölze und in weiterer Folge die laufende Kontrolle (Monitoring) des Wuchs in den Aufforstungsflächen, erfolgt in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur(BOKU).

Die Projektfläche wird  bei über 320 ha. liegen. Besonders in den ausgesetzten, steilen Bereichen der Loser-Südhänge wird es  notwendig sein, dass auch technische Vorkehrungen (Anbruchverbauungen) hergestellt werden. Diese dienen dem Schutz/dem  Aufkommen des darunter liegenden Jungwaldes. Sie werden aber auch die Lawinensituation in den darunter liegenden Siedlungsräumen verbessern. In den Schutzwaldbereichen werden auch Maßnahmen zur Bodenverbesserung/Absicherung umgesetzt. Bäche, welche ungenügend eingetieft sind und daher Schotter und dergl. in den umliegenden Waldflächen ablegen, können hier mitgehandelt  werden. Das Projekt ist auf mehr als 30 Jahre ausgelegt, wobei die ersten 10 Jahre auch die kostenintensivsten sein werden. 

Zusätzlich werden Lawinenauffangdämme bzw. Dämme zur Umleitung der Lawinen errichtet. Der größte davon im Bereich der Donalawine (Bereich der Bergstation – 1 Sektion der Sesselbahn auf den Loser). Dieser wird 280 m lang, 30 m breit und 8,5 m  hoch werden. Stolze 63.000 m³ an Schnee können hier abgefangen werden. Das entspricht ungefähr der Hälfte des Rauminhaltes vom Hochwasser – Rückhaltebecken im Bereich Scheiben/Moos!

Lawinen – Naturgewalten in den Bergen

Die gewaltige, zerstörerische Kraft von Lawinen bedrohte schon immer den Lebensraum der Menschen. Im kommenden Jahr 2020 jährt sich zum 333igsten Male eine Lawinenkatastrophe in Altaussee.

Im ältesten Totenbuch von Aussee (1670 – 1688) findet sich hinten auf der dritten Deckelseite folgende Eintragung: „Den 6. Februar 1687 ist zu Altenaussee in der Ramsau eine Schneelahn ob dem Loser abgangen und hat dem Hans Loizl in der Ramsau sein Weib und 2 Kinder und ein Dienstmensch erschlagen und ein Kind ist den andern Tag wiederum lebendig unter dem Schnee in der Wiegen gefunden worden.“  Hans Loizl soll während der Bergungsarbeiten immer wieder gesagt haben: „Wenn ich nur die Stubenkammersäuln find!“ Vermutlich hatte er sie angebohrt und Geld darin verborgen; schreibt Franz Hollwöger in seiner Chronik Ausseer Land. Das Anwesen ist bereits 1474 in den Steueraufzeichnungen als „Loizlgut“  in der Ramsau, später Hausnummer 29, zu finden.1  Hans Loizl hat das Gut in einiger Entfernung wieder aufgebaut. Der ursprüngliche Platz, schreibt F. Hollwöger 1955, soll aber noch erkennbar sein.

1750 wurde im „Dånner“, Ortsteil Lichtersberg, Hinter-Posern, das alte bäuerliche Anwesen vulgo „Tannermann, Thannerer“ durch einen Lawinenabgang verwüstet. Diese mächtige Lawine zerstörte auch den „Gatterer Stall“. Das „Thannergütl“ wurde weiter östlich neu aufgebaut und erhielt 1770 die Hausnummer 44. Damals herrschte große Holzknappheit. Salzberg und Saline verbrauchten Unmengen von Holz zur Salzproduktion, weshalb das Ärar, das Forstamt, kein Bauholz bewilligte. Neue Wohngebäude mussten aus Steinen errichtet werden. Die „Thannerlahn“ blieb lange im Gedächtnis der Altausseer Bevölkerung lebendig.

Große Schneemengen brachte auch der Winter 1943/44. Am 27. März um 11 Uhr vormittags ging vom Loser eine mächtige Schneelawine ab. Sie nahm den Weg durch den Kieler-Graben, und blieb ca. 200 m hinter der Hinrichsenville, vormals Wassermannvilla, stehen. Die Druckwelle war so groß, dass weite Teile der Eisdecke des Sees dicht mit Reisig bedeckt waren. Einheimische Zeugen dieses Ereignisse erinnerten sich auch noch daran, dass im Juli noch dicht gepresster Schnee im Wald, den die Lawine heimsuchte, lag.

Bereits 1889 wurde der Wald in diesem Gebiet des Losers durch eine ebenso große Lawine vernichtet. Nun fiel der etwa 50ig jährige, mühsam aufgeforstete Wald der neuerlichen Lawinenkatastrophe zum Opfer. Die Aufarbeitung des Holzes war gefährlich, die Schäden an der Natur erheblich. Es dauert Jahrzehnte, bis sich ein Wald wieder zu einem Bannwald entwickelt.

Der Name Kieler leitet sich vom ahd. Wort „quiel, kel, köh“ für Quelle ab. Im oberen Teil des alten Kielerweges entspringt eine Quelle. Zahlreiche Flurnamen deuten auf Lawinen, Lahngänge, Lahngruben hin. Lawinenabgänge zeigen uns auch heute, dass die Natur oftmals stärker ist – wir sollen uns dessen bewusst sein und nicht gegen, sondern mit der Natur unser Leben gestalten.

1 Karl Vocelka, Die Haus- und Hofnamen der KG Altaussee, Grundlsee, Lupitsch, Obertressen, Reitern und Strassen im steirischen Salzkammergut Band II, S 520-522

Monika Gaiswinkler November 2019

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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