Günther Maier – Internetinfrastruktur im Ausseerland: Bestandsaufnahme, Blick in die Zu-kunft und Handlungsempfehlungen

In Zeiten von Corona wird deutlich wie wichtig eine leistungsfähige Infrastruktur auch für ländliche Regionen wie dem Ausseerland ist. Neben Infrastrukturleistungen wie Straßen, Schienen, Stromleitungen, Wasser- und Abwasserstränge zählt mittlerweile auch eine schnelle Internetverbindung zu den Mindestanforderungen für ein zeitgerechtes Leben. In den letzten Jahren schritt die Digitalisierung in einem rasanten Tempo voran und erreichte nahezu alle unsere Lebensbereiche. Gerade in Zeiten einer globalen Epidemie zeigen sich die Vorteile der Digitalisierung: Der Schulbetrieb kann zumindest in reduzierter Form fortgeführt werden, unzählige Angestellte ihre Arbeit im Home Office fortsetzen und Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen im Internet anbieten. Darüber hinaus hilft Videotelefonie die soziale Interaktion aufrechtzuerhalten – sei es über wenige Kilometer oder über Ozeane hinweg.

Eine leistungsfähige Internetverbindung zählt somit zweifelsohne zur Grundvoraussetzung für die Teilhabe an der modernen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Unter Leistungsfähigkeit versteht man dabei primär Geschwindigkeit, also Bandbreite. Die Bandbreite kann als eine Art Höchstgeschwindigkeit eines Internetanschlusses betrachtet werden und bezieht sich auf die maximal möglich zeitgleich übertragbaren Bits pro Sekunde. Meist wird sie in Megabit pro Sekunde (Mbits) angegeben. Bandbreite ist aber nicht gleich Bandbreite. Je nach zugrunde liegender Technologie ist die Bandbreite entweder konstant oder abhängig von der Anzahl der Internetnutzer. Grundsätzlich gibt es drei Technologien, nämlich DSL über den A1-Festnetzanschluss, Fernsehkabel (im Ausseerland über die Salzburg AG) sowie Mobilfunk. Lediglich beim Festnetzanschluss ist ein unlimitierter Parallelbetrieb möglich, beim Fernsehkabel und beim Mobilfunk handelt es sich hingegen um ein sogenanntes „shared medium“. Das bedeutet, dass sich alle Nutzer die beim Anbieter insgesamt zur Verfügung stehende Bandbreite teilen müssen. Sind nur wenige Nutzer gleichzeitig online, so ist dies in der Regel kein Problem. Kritisch wird es erst, wenn sehr viele Nutzer gleichzeitig ihren Internetanschluss nutzen was zu einer Reduktion der Geschwindigkeit für alle führen kann.

Wie leistungsfähig ist die Internetinfrastruktur im Ausseerland – Salzkammergut derzeit?

Im Bereich Mobilfunk kann die Versorgung in allen Orten als hervorragend bezeichnet werden. Effektiv bietet überall einer der drei Mobilfunknetzbetreiber A1, Drei und Magenta eine 4G-Versorgung an. Damit sind Bandbreiten von bis zu 300 Mbit/s möglich – aber als „shared medium“. In Teilen von Bad Aussee, Altaussee und Grundlsee bietet WeTi.NeT aus Bad Goisern zudem Internet über WLAN-Funk an.

Im Bereich Fernsehkabel bietet die Salzburg AG in Bad Aussee, Altaussee und Grundlsee Internetanschlüsse mit bis zu 300 Mbit/s an – aber als „shared medium“. In der gesamten Gemeinde Bad Mitterndorf steht kein Internetanschluss über Fernsehkabel zur Verfügung.

Im Bereich DSL-Festnetzinternet variiert die Versorgung enorm: Während in den Zentren von Bad Aussee, Altaussee, Grundlsee und Bad Mitterndorf Internetgeschwindigkeiten von 100 Mbit/s und mehr zur Verfügung stehen, müssen manche Ortsteile mit nicht einmal 10 Mbit/s auskommen. Darunter fallen insbesondere Pichl, Knoppen, Krungl, Tauplitz, Lupitsch, Sarstein und Sattel. Interessant dabei das eigentlich sehr in der Peripherie liegende Gößl: Hier stehen DSL-Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s und mehr zur Verfügung. Konkrete Ausbaupläne um insbesondere die Situation in Ortsteilen mit sehr langsamen Internetgeschwindigkeiten zu verbessern, sind nicht bekannt. Die Initiative für einen etwaigen Ausbau kommt dabei in seltenen Fällen direkt von A1 Telekom Austria, sondern muss meist duch lokale Akteure (Gemeindepolitik oder Bevölkerung) angestoßen werden. Im Breitbandatlas, einem Planungsinstrument des Landwirtschaftsministeriums, sind die genannten Ortsteile als förderwürdig für einen Internetausbau gelistet. Das bedeutet, das bei einer Ausbau der Internetinfrastruktur oder Vorkehrungen dafür (zum Beispiel Verlegung von Leerrohren) Bundesfördermittel lukriert werden können.

Abbildung 1: Internetgeschwindigkeiten in Bad Aussee, Altaussee und Grundlsee. Je dunkler die Farbe, desto mehr Bandbreite. Quelle: breitbandatlas.info

Abbildung 2: Vom Landwirtschaftsministerium als Fördergebiete klassifizierte Gebiete in Bad Aussee, Altaussee und Grundlsee für einen Ausbau der Internetinfrastruktur, schraffierte Flächen. Quelle: breitbandatlas.info

Abbildung 3: Internetgeschwindigkeiten in Bad Mitterndorf. Je dunkler die Farbe, desto mehr Bandbreite. Quelle: breitbandatlas.info

Abbildung 4: Vom Landwirtschaftsministerium als Fördergebiete klassifizierte Gebiete in Bad Mitterndorf für einen Ausbau der Internetinfrastruktur, schraffierte Flächen. Quelle: breitbandatlas.info

Was ist für die Zukunft für die Internetinfrastruktur im Ausseerland – Salzkammergut geplant?

Ein großes Thema in den nächsten Jahren wird das superschnelle 5G-Mobilfunkinternet sein, das auch im Ausseerland kommen wird. Dabei sollen dann Geschwindigkeiten von bis zu 10.000 Mbit/s erreicht werden können. Eine Anwendungsmöglichkeit hierfür könnte zum Beispiel das autonome Fahren sein. Ob im Ausseerland tatsächlich irgendwann einmal die volle 5G-Geschwindigkeit zur Verfügung stehen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzbar.

Der Bereich Fernsehkabel wird interessant werden. Durch die enormen Entwicklungen im Bereich Mobilfunkinternet aber auch im Bereich Festnetzinternet könnte es durchaus sein, dass diese Technologie langfristig keine Zukunft hat. Dies wird davon abhängen ob in diesem Bereich in absehbarer Zeit ein ähnlicher technologischer Durchbruch wie beim Mobilfunkinternet mit 5G gelingt. Andernfalls wird diese Technologie alleine schon aufgrund der höheren Betriebskosten das Nachsehen gegenüber dem Mobilfunkinternet haben. Das ursprüngliche Alleinstellungsmerkmal von Kabel, nämlich Fernsehen, ist mittlerweile auch digitalisiert, sprich es wird über alle Internettechnologien angeboten. Vielleicht spielte diese Zukunftsprognose auch eine Rolle für die Salzburg AG als sie voriges Jahr 5G-Mobilfunkfrequenzen für das Ausseerland 5G Mobilfunkfrequenzen ersteigerte.

Abschließend zum eigentlichen Rückgrat der Internetinfrastruktur, dem Festnetzinternet. Da die möglichen Geschwindigkeiten für Kupferkabel derzeit bei ca. 500 Mbits beschränkt sind, gibt es seit längeren Bestrebungen aus Bundesebene Glasfasertechnologie zu forcieren. Dabei sollen die bestehende Kupferkabelleitungen (einem Medium das übrigens seit den Anfängen der Telefonie verwendet wird) gegen das Medium Glasfaser (Lichtwellenleiter) ersetzt werden. Diese Technologie wird bereits lange verwendet um weite Teile des Internets miteinander zu verbinden. Dabei sind Internetanschlüsse von 10.000 Mbits und mehr bereits heute möglich. Österreich ist beim Tausch von Kupferkabel gegen Glasfaser jedoch weltweit bei den Schlusslichtern zu verorten. Während etwa in der Schweiz etwa mehr als ein Drittel aller Haushalte über Glasfaser angebunden sind, sind es in Österreich lediglich rund drei Prozent. Zu diesen glücklichen drei Prozent zählen auch viele Haushalte in Schladming, da dort A1 im Vorfeld der alpinen Ski-WM 2013 die Internetinfrastruktur auf den Stand der Technik gebraucht wurde. Im Ausseerland gibt es von A1 keine Glasfaserinfrastrukturen für Endkunden. Hier gibt es aber neben der A1-Festnetzinfrastruktur auch vom Energieversorger Energie AG Glasfaserinfrastrukturen, die gemeinsam mit dem Stromnetz betrieben werden (außer in Tauplitz). Die Energie AG Glasfaserinfrastrukturen können grundsätzlich für Privat- und Unternehmenskunden geöffnet werden. In Bad Goisern etwa ist dies bereits erfolgt: Dort stehen Anschlüsse mit 500 Mbits Bandbreite zur Verfügung. Diese Infrastruktur ist ein deutliches Asset für das Ausseerland da man damit neben der Internetinfrastruktur von A1 eine weitere Option zur Verfügung steht. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass der eigentliche Aufwand bei der Nutzung der Glasfaserinfrastruktur der Energie AG die Feinverteilung, sprich die Anbindung der einzelnen Häuser, darstellt. Eine Lösung hierfür könnte die Nutzung bestehender Telefonleitungen (mit perspektivischen Austausch auf Glasfaser) oder WLAN-Funklösungen sein. Konkrete Planungen in diesem Bereich sind nicht bekannt.

Welche Schritte sollten als nächstes gesetzt werden?

Die zukunftsweisende Internetinfrastruktur für das Ausseerland wird langfristig das Festnetzinternet basierend auf Glasfasertechnologie sein. Ziel muss es deshalb sein möglichst viele Haushalte und Unternehmen zeitnah damit versorgen zu können. Leider sind gerade in diesem Bereich keine großen Pläne bekannt. Es sollte daher frühzeitig begonnen werden die bestehenden Infrastruktur von A1 Telekom Austria und Energie AG weiterzuentwickeln und entsprechende Maßnahmen zu setzen. Dabei sollte eine gesamtheitliche Lösung erarbeitet werden die sowohl die Mobilfunktechnologien als auch das bestehende Festnetzleitungsnetz der A1 berücksichtigt sein. Letztlich geht es darum bereits heute vorausschauend die Weichen so zu stellen, dass das Ausseerland in Sachen Internetinfrastruktur nicht dauerhaft ins Hintertreffen gelangt. Sollte die Region internettechnisch abgehängt werden, so werden zukünftige Betriebsansiedelungen schwierig bis unmöglich werden aber auch die Attraktivität als Wohnsitzgemeinde für Privatpersonen sinken.

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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