Pulitzer-Preis für Klimareportage mit Sonnblick-Observatorium

Die Washington Post gewannen den renommierten Pulitzer-Preis für die multimediale Klima-Serie: „2 °C: Beyond the Limit“. Im Mittelpunkt eines Artikels steht das Sonnblick-Observatorium der ZAMG, wo in 3100 Meter Seehöhe seit 1886 gemessen wird. Es zählt mittlerweile zu den bedeutendsten Gipfelobservatorien der Erde, ist Teil der weltweit wichtigsten Messnetze und Stützpunkt für jährlich rund 40 nationale und internationale Projekte aus Forschung und Anwendung.

Im Herbst 2019 recherchierte ein Journalisten-Team der Washington Post für eine aufwändige Serie, um darzustellen, wo der Klimawandel bereits eindeutig gemessen wird. Sie stießen dabei auf die seit 1886 bestehende Messreihe des Sonnblick-Observatoriums der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und kontaktierten Elke Ludewig, die Leiterin des Sonnblick-Observatoriums. „Sie waren schon bei unserem ersten Gespräch sehr gut über das Observatorium informiert und fasziniert von der Geschichte und der exponierten Lage in nahezu freier Atmosphäre auf einem Alpengipfel in 3100 Meter Seehöhe“, sagt Elke Ludewig. „Auch dass am Sonnblick Änderungen des Permafrosts gemessen werden und das Observatorium selbst gegen das Auftauen des Gesteins gesichert werden muss, passte gut zur Geschichte über Messungen und Folgen des Klimawandels.“

Zu Fuß durch den Schneesturm zur virtuellen Führung

Nach einem intensiven Informationsaustausch per Telefon und Mail wurde unter anderem auch ein Termin für eine virtuelle Führung per Computer am Sonnblick vereinbart. „Am Vortag hat es sehr viel geschneit, es war starker Sturm und die Straße zur Talstation war voller Schneeverwehungen“, erzählt Ludewig, „daher musste sich das Sonnblick-Team ausnahmsweise zu Fuß das letzte Stück zur Talstation der Seilbahn durchkämpfen, um rechtzeitig zum vereinbarten Termin am Gipfel zu sein und das Observatorium in einer virtuellen Führung der Washington Post zu zeigen.“

Mehrteilige Serie und umfangreiche Visualisierung von Daten

Die Journalistinnen und Journalisten der Washington Post gewannen den begehrten Pulitzer-Preis in der Kategorie Hintergrundberichterstattung für ihre Serie zum Klimawandel mit dem Titel „2°C: Beyond the Limit“. Das Ziel war, zu zeigen, dass Klimawandel schon heute Realität ist. Die Washington Post berichtete dazu von mehreren Hot Spots der Erde und verarbeitete umfangreiche Datensätze, um den Leserinnen und Lesern die Erwärmung der Erde und die Änderung des Klimas verständlich darzustellen.

Den Artikel über den Sonnblick finden Sie hier: www.washingtonpost.com/graphics/2019/national/climate-environment/thermometers-climate-change/

BM Faßmann: „Treffpunkt für Top-Forschende aus aller Welt“

Wissenschaftsminister Heinz Faßmann freut sich über die internationale Anerkennung, die nur durch das Zusammenwirken von wissenschaftlicher und journalistischer Exzellenz möglich wurde. „Mit dem Sonnblick Observatorium hat Österreich eine international herausragende Forschungs- und Monitoringinfrastruktur von Weltrang. Nicht umsonst ist der Sonnblick auf 3100 m zu einem Treffpunkt für Top-Forschende aus aller Welt geworden und wird auch in der Zukunft wegweisende Erkenntnisse im Bereich Meteorologie, Klimatologie und Glaziologie liefern. Ich danke unserem Team der ZAMG und allen Beteiligten für ihr Engagement und den tollen Einsatz für eine Wissenschaft, die forscherische Qualität und Relevanz für die Gesellschaft in optimaler Weise verbindet.“

Sonnblick-Observatorium revolutionierte Meteorologie

Für Elke Ludewig, Leiterin des Sonnblick-Observatoriums, zeigt der Bericht der Washington Post die internationale Bedeutung des Observatoriums. „Der Artikel unterstreicht gut die weltweit angesehene Arbeit und Funktion des Sonnblick-Observatoriums. Es ist auch ein Signal, dass die Fortführung und Umsetzung eines Monitorings auch ohne verknüpftes wirtschaftliches Ziel wichtig ist und immer wieder großen wissenschaftlichen und sozialen Nutzen aufzeigt. Das Sonnblick-Observatorium ist seit Beginn seiner Geschichte wegweisend. Der damalige ZAMG-Direktor Julius Hann hat mit der Errichtung des Observatoriums Ende des 19. Jahrhunderts die Meteorologie revolutioniert und neue Möglichkeiten zur Erforschung der höheren Schichten der Atmosphäre geschaffen. Das Sonnblick-Team leistet sehr viel Wichtiges. Der Pulitzer-Preis ist da noch mal ein i-Tüpfelchen drauf. Es zeigt wie bedeutend das Thema ist und wie wertvoll die Erhaltung, Fortsetzung und der Ausbau des Observatoriums sind.“

Teil der hochwertigsten weltweiten Messnetze

Das Sonnblick-Observatorium ist ein gefragter Partner für die weltweit wichtigsten Messnetze und Monitoring-Organisationen für Atmosphäre, Umwelt und Eis. Hier eine Auswahl:

Das Observatorium gehört zu den weltweit 40 hochwertigsten GAW-Stationen der Weltorganisation für Meteorologie. GAW (Global Atmosphere Watch) überwacht die chemische und physikalische Zusammensetzung der Atmosphäre.

Der Sonnblick ist Teil des Baseline Surface Radiation Network BSRN zur Messungen des Strahlungsfelds an der Erdoberfläche und von Long Term Ecological Research (LTER) zum globalen Verständnis des Ökosystems sowie von Global Cryosphere Watch (GCW) zur Untersuchung des Einflusses der Eisgebiete auf die Landoberflächen und die Atmosphäre.

Weiters ist das Observatorium in den Netzwerken VAO (Virtual Alpine Observatory) zur effiziente Erforschung der Alpen und INTERACT, das der Erforschung und dem Monitoring der Arktis und alpiner Regionen dient.

Foto:
ZAMG/Scheer
Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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