Erwartbare Zunahme des Verkehrslärms einbremsen

Morgen findet der internationale Tag gegen Lärm statt. Die starke Verkehrsreduktion infolge der Maßnahmen zur Eindämmung der COVID19-Pandemie hat den Verkehrslärm deutlich reduziert. Auf der A2 bei Pörtschach war die tägliche Verkehrsbelastung im heurigen März um rund 15.600 Kfz niedriger als im März des Vorjahres. In den kommenden Wochen wird ohne zusätzliche Maßnahmen der Verkehrslärm wieder deutlich zunehmen. Gegen die Zunahme des Verkehrslärms wirken die Verlagerung von Autofahrten auf das Fahrrad und auf öffentliche Verkehrsmittel sowie niedrigere Tempolimits, betont der VCÖ.

„Wir hören nun Vogelgezwitscher statt Verkehrslärm“, stellte Ende März der Bürgermeister der A3-Anreinergemeinde Großhöflein fest. Im heurigen März waren hier im Schnitt um 13.500 Kfz pro Tag weniger unterwegs als im März des Vorjahres. Auch in Kärnten nahm der Verkehr stark ab, wie eine VCÖ-Analyse der Daten der Asfinag zeigt. Auf der A2  beim Knoten Graz West war die tägliche Verkehrsbelastung im heurigen März um fast 19.600 Kfz niedriger als im März des Vorjahres und auf der Laßnitzhöhe sogar um 20.700 Kfz pro Tag. Auf der A9 ging der tägliche Kfz-Verkehr bei Gratkorn um rund 16.800 Kfz pro Tag zurück, bei Wundschuh sogar um 19.400 und bei Graz-Webling um 21.700 Kfz pro Tag.

Mit der Lockerung der Maßnahmen nimmt der Verkehr wieder zu und damit auch der Verkehrslärm. Dauerhafter Verkehrslärm macht aber krank und kann viele gesundheitliche Probleme verursachen, wie erhöhten Blutdruck und Herz-Kreislauferkrankungen.  „Zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung braucht es rasch Maßnahmen, die verhindern, dass die Belastung durch den Verkehr wieder auf das Niveau vor der COVID19-Pandemie steigt“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. 

Wirksam gegen die Zunahme des Verkehrslärms ist die verstärkte Verlagerung von Autofahrten auf das Fahrrad. Vor der Krise waren vier von zehn Autofahrten kürzer als fünf Kilometer, eine für das Fahrrad ideale Distanz. Sechs von zehn Fahrten waren kürzer als zehn Kilometer, was für manche mit dem herkömmlichen Fahrrad und für viele mit einem E-Fahrrad gut zu bewältigen ist. „Wichtig ist, die Rad-Infrastruktur weiter auszubauen und verstärkte Anreize zum Umstieg zu setzen“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Mit Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung kann in den Gemeinden und Städten zudem der Anteil der zu Fuß zurückgelegten Wege erhöht werden, was ebenfalls den Verkehrslärm reduziert. 

Auch niedrigere Tempolimits verringern die Lärmbelastung. Wenn auf einer Freilandstraße mit 30.000 Kfz pro Tag das Tempolimit von 100 auf 80 km/h reduziert wird, sinkt die Lärmbelastung in 50 Meter Entfernung von 69 Dezibel auf 66 Dezibel, was die gleiche Wirkung hat, wie die Halbierung des Verkehrs. Auch Tempo 30 statt 50 im Ortsgebiet reduziert den Lärm deutlich – auch bei Elektro-Pkw, denn ab rund 30 km/h ist das Rollgeräusch von Autos im Normalbetrieb lauter als der Motorenlärm.  

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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