Milder Winter und trockener Frühling helfen den Muren-Regionen

Trockene Witterung stabilisiert gefährdete Hänge / Neue Sanierungsarbeiten und Begutachtungen laufen an

Salzburger Landeskorrespondenz, 19. April 2020

(LK) Heftige Regenfälle haben im vergangenen November im Süden Salzburgs zu Murenabgängen und Schäden in Millionenhöhe geführt. Die Bilder von zerstörten und beschädigten Häusern, vermurten Straßen und überschwemmten Orten sind vielen noch im Gedächtnis. Vor dem Winter konnten teils nur die dringendsten Sicherungsarbeiten durchgeführt werden, doch der milde Winter und trockene Frühling entschärfen die Lage.

In Bad Gastein zerstörte eine Mure nach dem Starkregenereignis zwei Wohnhäuser.

Die Muren lauern sozusagen in gewissen Regionen, denn fertig geworden ist man mit den Stabilisierungsarbeiten im Herbst nicht mehr. Während das niederschlagsarme Wetter andernorts zu Sorgenfalten führt, stabilisiert es die gefährdeten Hänge im Pongau und Pinzgau und Lungau, berichtet der Landesgeologische Dienst.

Der Blick zurück

Bezirkshauptmannschaften, Sachverständige, Feuerwehr, Bundesheer, Rotes Kreuz sowie Berg- und Wasserrettung erbrachten Höchstleistungen, als intensive Niederschläge im Süden zahlreiche Hänge in Bewegung brachten. Für die Gemeinden Muhr im Lungau, Bad Hofgastein, Großarl und Hüttschlag wurde Zivilschutzwarnung ausgegeben. Im Pinzgau, Pongau und Lungau wurden 109 Häuser evakuiert, 18 Schulen waren geschlossen, 2.209 Feuerwehrleute halfen bei Einsätzen, 75 Bundesheer-Soldaten waren im Assistenzeinsatz. Aber auch großer Zusammenhalt und eine Welle der Hilfsbereitschaft im Land prägten dieses Ereignis.

Gasteinertal: Sanierungen laufen jetzt an

Im sehr stark von den Unwettern im Herbst 2019 getroffenen Gasteinertal wird jetzt weiter aufgeräumt und saniert. „Die betroffenen Stellen werden jetzt nach und nach schneefrei und werden begutachtet. Nächste Woche machen wir beispielsweise eine Begehung in Bad Hofgastein. Bei Straßenbaustellen, Erdbewegungen und dergleichen ist es leichter Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten und deshalb gibt es derzeit kaum Einschränkungen bei den Bauarbeiten“, betont Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst.

Trockenes Wetter hilft bei den Arbeiten

Positiv ist für Valentin die Wetterlage: „Aufgrund des geringen Niederschlages in den vergangenen Wochen sind die Hänge stabiler als sonst. Durch die Schneeschmelze gibt es zwar kleine Rutschungen, diese sind aber unproblematisch. Im Vergleich zum Vorjahr liegt deutlich weniger Schnee. Instabilitäten wie im Mai 2019, als starke Schneeschmelze und intensive Niederschläge zusammengekommen sind, sollte es nicht geben“, wagt Valentin einen Ausblick.

Kritische Situation im Pinzgau hat sich vorerst beruhigt

Im Pinzgau konnten heuer bereits die dringendsten Schadensstellen gesichert werden. Jene die im Herbst nicht mehr zugänglich waren, werden jetzt begutachtet. „Glücklicherweise hat sich die kritische Rutschungs-Situation vom November weitestgehend beruhigt“, sagt Ludwig Fegerl, im Landesgeologischen Dienst zuständig für den Pinzgau. „Das trockene Frühjahr und die sprießende Vegetation kommen den Gefahrenstellen sehr zugute. Im November hätten wir nicht zu hoffen gewagt, dass die Situation jetzt so entspannt ist. Sollten aber wieder intensive Niederschläge kommen, kann sich die Lage schnell wieder verschärfen, die Schäden waren doch stellenweise massiv“, so Fegerl.

Thumersbach: Weitere Rutschungen im Kendlergraben

Im Ortsteil Thumersbach in der Gemeinde Zell am See gab es auch heuer bereits Aktivität im Kendlergraben, der seit November nicht mehr zur Ruhe gekommen ist. „Nachrutschungen haben die Wildbach-Sperren soweit aufgefüllt, dass die Wildbach- und Lawinenverbauung sie bereits räumen musste. Wir konnten mittlerweile aber den Bereich ordentlich entwässern und haben zudem ein Monitoring eingeführt, weil der Rutschbereich noch größer geworden ist“, sagt Ludwig Fegerl. Für den betroffenen Almweg wird außerdem eine neue Trasse gesucht, da er auf der bestehenden aufgrund der geologischen Situation nicht mehr saniert werden kann.

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Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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