Monatsprognosen für die Wasserversorgung

Wetterprognosen für die nächsten drei bis vier Wochen bieten für einige Anwendungen bereits einen großen Nutzen. So hat die ZAMG in Zusammenarbeit mit den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich Langfristprognosen für Niederschlag und Dürre entwickelt. Die Wasserwirtschaft kann damit möglichst frühzeitig auf extreme Situationen reagieren.

Wettervorhersagen für die nächsten Wochen sind nicht direkt vergleichbar mit einer Prognose für heute Nachmittag, morgen oder übermorgen. Langfristprognosen sind generalisierter und vereinfacht gesagt auch gröber. Sie liefern Aussagen über die zu erwartende Witterung in den kommenden Wochen.

Oft gute Aussagen über Trends

Langfristprognosen werden ständig weiterentwickelt und zeigen oft schon gute Abschätzungen für Trends. „Mittlerweile sind Anwendungen möglich, die vor ein paar Jahren noch undenkbar waren“, sagt Bernhard Niedermoser, Leiter des ZAMG-Kundenservice Salzburg/Oberösterreich. „Zum Beispiel haben wir in enger Abstimmung mit dem Bedarf der Wasserwirtschaft und Trinkwasserversorger in Salzburg und Oberösterreich ein Vorhersageprodukt bereits in der zweiten Saison im Einsatz, das die Entwicklung des Niederschlags und des Dürrerisikos in den nächsten vier Wochen aufzeigt.“

Spezifische Analysen und langfristige Prognosen

Die zuständigen Wasserwirtschaftsverwaltungen in Salzburg und Oberösterreich erhalten Analysen und Prognosen für jeweils vier Regionen pro Bundesland. Die Analysen zeigen die Niederschlagsmengen der letzten Wochen und Monate sowie einen speziellen Dürreindex für den letzten Monat und die letzten 365 Tage (die für die Trinkwasserbildung relevanten Zeiträume). Die Vorhersagen beinhalten die Entwicklung der Temperatur, des Niederschlags und des Dürreindex für die nächsten zwei Wochen sowie die Wahrscheinlichkeit für die Witterung der dritten und vierten Prognosewoche (großräumige Aussagen über zu trocken, zu feucht, zu warm, zu kalt).

Auch Temperatur und Wind haben großen Einfluss auf Trockenheit

„Für viele Fragen der Wasser- und Landwirtschaft sind langfristige Prognosen wichtig, wenn es zum Beispiel um die Trinkwasserbildung oder die Wachstumsphase auf den Feldern geht“, sagt Bernhard Niedermoser. „Dabei geht es weniger um kurzfristige Regenmengen, sondern um das Zusammenspiel unterschiedlicher Wetterparameter über einen längeren Zeitraum. Ganz wichtig dabei ist die Verdunstung, die stark vom Wind und hohen Temperaturen angetrieben wird. Starke Verdunstung führt zum Austrocknen der Böden. Das kann einen Mangel an Niederschlag noch deutlich verschärfen, wie das – ähnlich wie in den letzten Jahren – auch heuer der Fall ist.“

Beispiel OÖ WASSER Genossenschaftsverband eGen

Die Langfristprognosen nutzen der Wasserwirtschaft unter anderem in den Bereichen Planung, Steuerung und Wartung. „Bereits im Probebetrieb im Vorjahr haben wir gesehen, dass Langfristprognosen wirksam helfen“, sagt Wolfgang Aichlseder, der Geschäftsführer des Verbands der oberösterreichischen Wassergenossenschaften. „In einer ohnehin schon sehr trockenen Phase zeichnete sich ab, dass noch mindestens ein Monat kein ergiebiger Regen in Sicht ist. So gelang es zeitgerecht, auf bewussten und sinnvollen Wasserbrauch hinzuweisen sowie Verbindungsleitungen und Notversorgungen zu aktivieren.“

Im Frühling mehr Wasserverbrauch, heuer auch zusätzlich durch Covid-19

Der Verbrauch von Wasser ist sehr unterschiedlich. So steigt im Frühling die Wasserentnahme unter anderem stark durch das Befüllen von Schwimmbecken, Reinigungsarbeiten und durch Bewässerung auf Feldern und in Gärten. Zusätzlich gab es in den letzten Wochen mehr Wasserverbrauch, da in Folge der Covid-19-Ausgangsbeschränkungen mehr Menschen daheim waren.

„Wir betreuen rund 2000 Wassergenossenschaften und Gemeinden in Oberösterreich“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Aichlseder, „die langfristigen Wetterprognosen der ZAMG helfen unseren Mitgliedern auch, früh auf eine zunehmende Trockenheit zu reagieren, zum Beispiel bei Regelungen, wer, wann für welchen Zwecke Wasser entnehmen kann. Damit lässt sich verhindern, dass am ersten schönen Wochenende im Frühling alle Schwimmbecken im Land gleichzeitig befüllt werden.“

Grundwasser reagiert sehr unterschiedlich

In der Zusammenschau von Langfristprognosen und Analysen werden auch noch genauere Zusammenhänge in den Grundwasser-Prozessen gewonnen. „Je nach Beschaffenheit des Bodens in einer Region steht Regen schneller oder langsamer im Grundwasser zu Verfügung. Hier geben uns die Daten und Prognosen der ZAMG gemeinsam mit den Auswertungen des Hydrographischen Dienstes Oberösterreich neue Einblicke. Wir schätzen dieses vom Land finanzierte Expertensystem der ZAMG. Wir bekommen ein vorausschauendes Gesamtbild für die Steuerung von Ressourcen und Verbrauch“, so Wolfgang Aichlseder vom Verband der oberösterreichischen Wassergenossenschaften.

Trockenheit bleibt ein Thema

Heuer ist im Großteil Österreichs deutlich weniger Niederschlag gefallen als in durchschnittlichen Jahren. Am trockensten ist der Boden derzeit dort, wo auch die letzten Jahre von wenig Niederschlag geprägt waren und wo sich das auch auf die Grundwasserstände niederschlägt. Das betrifft zum Beispiel Teile von Oberösterreich und Niederösterreich. Die Langfristprognosen zeigen, dass es in den kommenden Wochen nicht so extrem trocken sein wird wie in den ersten beiden Aprilwochen. Dies wird aber vor allem in Oberösterreich und Niederösterreich nicht ausreichen, um das Defizit auszugleichen und den trockenen Boden in einen feuchten zu verwandeln.

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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