Insektensterben hautnah – Klimaerwärmung macht vor der Schutzgebietsgrenze nicht Halt

Insekten sind die artenreichste Tierklasse und es gibt sie in allen Klimazonen der Welt. Sie sind in wärmeren Regionen artenreichervertretenund könnten weltweit gesehen vom Klimawandel profitieren.

Aber viele Insektenarten brauchen für ihre Entwicklung ganz spezielle Umweltbedingungen. Sie sind extrem gut angepasst, aber deshalb auch empfindlich gegenüber Veränderungen.Die Lebenszyklen von Insekten und ihren Nahrungspflanzen müssen beispielweise genau zusammenpassen. Vom Aussterben besonders bedroht sind kleinräumig verbreitete Arten, die sogenannten Endemiten. Es gibt diese Art oft nur ineinem Gebirge, einem Tal, einer Insel oder auch nur einer einzelnen Quelle. 

Der Nationalpark Gesäuse, in den Nördlichen Kalkalpen gelegen, ist ein Hotspot für Endemiten in Österreich. Es sindvor allem kälteliebende Arten aus der Eiszeit, die hierin den Gipfelregionen überdauerten.Sie werden aber zunehmend von Arten aus tieferen Lagen bedroht, die nun klimabedingt auf dem Vormarsch sind. DieArten, die sich schon während der Eiszeit in die hochgelegenen Gipfelregionen gerettet haben, befinden sich nun aber in der Falle. Es bleibt nur mehr die Flucht nach oben – bis der Berg zu Ende ist.

Experten sind sich sicher, dass, je weiter die Endemiten Richtung Gipfel rücken, desto kleiner ihr Lebensraumund umso größer die Wahrscheinlichkeit wird, dass sie bei einer zunehmenden Erderwärmung aussterben. Langzeitbeobachtungen sagen voraus, dass sogar bei dem Klimawandel-Szenario mit der geringsten Temperaturerhöhung von 1,8 Grad Celsius bis zum Jahr 2100, 77 Prozent des Lebensraums endemischer Tier- und Pflanzenarten der Österreichischen Alpen verloren gehen.

Damit man weiß, was auf dem Spiel steht, ist ein Arteninventar unverzichtbar. Der Nationalpark Gesäuse arbeitet unermüdlich daran, die Fülle an Tieren und Pflanzen, die es weltweit nur hier gibt, zu erfassen. „Das Ziel des Nationalparks Gesäuse ist der Natur- und Artenschutz, vor der lebensbedrohlichen Klimaerwärmung wird aber auch er die heimischen Endemiten letztendlich nicht retten können“, befürchtet Magdalena Kaltenbrunner vom Fachbereich Naturschutz & Forschung im Nationalpark Gesäuse.

Bild: ©Herfried Marek

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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