COVID-19 in TANSANIA. 2 Auslandsausseerinnen berichten

Es gibt Zeiten des Tuns, des Aufbaus, des Handelns, des Kämpfens… und es gibt Zeiten des Ruhens und Beobachtens, des sanften Rückzugs, um zu erkennen, wo die Herausforderungen sind, denen man sich in naher Zukunft wird stellen müssen. Wir wurden als AuslandsösterreicherInnen aufgerufen, nach Österreich zurückzukommen. Es gibt seitens der Regierung eine Hilfe für Rückholaktionen. „You have a wonderful government that takes care of you.“ so Elias, unser KinderVilla-Vater.

Hier sieht dies ganz anders aus. Sollte der Virus hier in europäischen Dimensionen ausbrechen, gibt es nicht genügend Infrastruktur, um die Menschen aufzufangen.

Unternehmen, die durch den plötzlichen Zusammenbruch des Tourismus gezwungen sind, ihre Angestellten zu entlassen, bekommen keine Unterstützung, um überleben zu können.

Die Menschen, und das sind hier fast alle, die durch diesen Einbruch der wichtigsten Einnahmequelle des Landes betroffen sind, sind auf sich und Ihre Familien gestellt, um zu überleben.

Im Moment geht es hier in erster Linie nicht um die gesundheitlichen Konsequenzen des Virus. Hier wird es schon ganz bald um essenzielle Fragen gehen, wie man seine Kinder ernähren kann, wie man die Schulgebühren bezahlen kann, wie eine Familie ohne Essen überleben kann. Und wenn eine Mutter den Transport ihres kranken Kindes ins Spital nicht mehr zahlen kann, stirbt es mit oder ohne Virus.

Hunger könnte hier aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen viele Menschen das Leben kosten.

Was hat sich bei uns konkret getan? Ich will euch an unserem Leben teilhaben lassen, nicht um von der Herausforderung dessen abzulenken, was jedeR Einzelne jetzt selbst durchzumachen hat. Vielleicht aber, um zu zeigen, dass wir alle verbunden sind und wir ganz ähnliche Prozesse durchmachen. Auch um uns mit Menschen, die uns aufgrund der schönen gemeinsamen Erlebnisse, der gemeinsamen Visionen in den letzten Jahren nähergekommen sind, aus der Ferne auszutauschen. Um aufzuzeigen, wie sehr die Menschen hier mehr denn je dank Eurer Unterstützung überleben. Um Euch an der Situation, der wir hier derzeit mit all diesen Schwierigkeiten begegnen, teilhaben zu lassen.

Die Schulen sind seit einigen Tagen geschlossen. Für alle heißt dies, keine Ausbildung, aber vor allem kein Schulessen zu bekommen. Denn Online-Kurse gibt es hier nicht. Wir haben uns in den Schulen auf diese Situation vorbereitet und frühzeitig begonnen, Hausaufgaben in die Hefte der Kinder niederzuschreiben, um die Zeit zu Hause zu überbrücken. Der Zeitpunkt ist ein guter, denn wir waren kurz davor, in die Osterferien zu gehen. Trotzdem glauben wir, dass schon bald Familien zu uns kommen werden, um um Hilfspakete anzusuchen – Essen für diese Wochen, wenigsten ein Mittagessen für ihre Kinder. Wir werden für sie da sein. Das Geld für Essen wurde von Euch, unseren PatInnen bezahlt und soll den Familien, die es dringend brauchen, zu Gute kommen.

Welche weiteren Maßnahmen wurden hier in Tansania ergriffen? Restriktionen an den Grenzen, die die Einreise erschweren, Spitäler bereiten sich auf die ersten Covid 19- Fälle vor: In jeder Region gibt es ein Schwerpunkt-Krankenhaus, welches rein für am Virus Erkrankte zuständig sein wird. Im Moment gibt es nur vereinzelt positiv getestete Personen, und keine Todesfälle.

Hier geht es nun um Prävention: Menschen dürfen nicht zur Kirche oder auf Fußballmatches, Versammlungen sind verboten. Noch gibt es keine Ausgangssperre. In Kenia ist dies anders. Hier dürfen FarmerInnen zum Teil nicht mehr auf ihre Felder. Dies bedeutet Notstand, denn ohne ihre Felder sind die meisten Menschen hier ihrer wichtigsten Überlebensgrundlage entzogen.

Vorsorge heißt hier nicht nur die richtigen Hygiene-Maßnahmen umzusetzen, sondern auch genügend Essen und die bestmögliche Versorgung mit Vitaminen zu bekommen. Hier können wir einiges mit unserem jahrelang gewonnenen Wissen beitragen. Nun verteilen wir Moringa, Artemisia und Baobab an die vielen Menschen, die fragend an uns herantreten.

Wie sieht der Alltag in unserer KinderVilla aus? Hier folgen wir den generellen Empfehlungen des Landes, nur den notwendigsten Kontakt mit Menschen von auswärts zu haben. Wir haben nun eine Laufstrecke um die KinderVilla: Jeden Tag läuft unser Team, die Kinder und die Angestellten, 30 Minuten, um fit zu bleiben. Sogar unsere kleine Leona in ihrem Tempo. Morgens kommen LehrerInnen und unterrichten unsere Kinder, und die HelferInnen Karin und Darri, die einzigen VolontärInnen, die noch bei uns sind, spielen und musizieren mit Ihnen. Ausflüge zum Schwimmen ins Hillside, zum Fluss und Fahrradfahren mit den neu reparierten Rädern sowie Akro-Yoga bringen Abwechslung in ihren Alltag. Jeden Tag gibt es morgens und abends  Moringa als Multivitamin, entweder ins Essen oder als Tee. Regelmäßiges Händewaschen ist hier zu einer Routine geworden.

Die tragischen wirtschaftlichen Konsequenzen sind es, die Menschen hier nun in ihrem Leben bedrohen. Wir können dies derzeit noch kaum abschätzen, fürchten aber sehr schwierige Zeiten. Dank unserer Patenschaften kann die Zukunft vieler  Kinder gesichert sein. Dies ist der Beitrag, den wir gemeinsam derzeit leisten können, für diese mehr als 1200 Kinder da zu sein. Und wir bleiben hier – jetzt mehr denn je, brauchen wir PatInnen, um sie alle in der Schule behalten und versorgen zu können!
WIE STEHT ES UM UNSER SPITAL?
Wieso ist in Zeiten der größten gesundheitlichen Herausforderung unsere primäre Aufgabe nicht die Vorbereitung auf eventuelle Corona-Fälle in unserem Spital? Genau jetzt würden wir gerne helfen, doch uns sind die Hände gebunden.

Wir wurden aufgefordert, mit Anfang Jänner alle medizinischen Spendengelder auf ein staatliches Konto abzuführen. Weiters gibt es derzeit nicht die Möglichkeit, die administrative Kontrolle des Spitals zu gewährleisten. Wir müssen uns den neuen staatlichen Richtlinien fügen.

Um Spendengelder nicht zu gefährden, thesaurierten wir alle medizinischen Spenden auf den europäischen Konten und mussten uns aus den operativen medizinischen Tätigkeiten zurückziehen. Denn die Transparenz und Kontrolle unserer Spendengelder ist unsere größte Verantwortung. Unser wunderbares Team stand zu uns, bis März war es noch unklar, ob die staatlichen Behörden hier Ausnahmeregulierungen treffen können, uns die Möglichkeit geben, mit Hilfe eines Memorandums die finanzielle und administrative Kontrolle zu behalten. Sie alle standen uns zur Seite, um die Tätigkeiten gemeinsam jederzeit wieder aufnehmen zu können.

Nach Verhandlungen in Dodoma auf ministerieller Ebene, nach dem Besuch des Ministers mit großem Zuspruch warteten wir weitere Wochen. Es scheint nun der Zeitpunkt gekommen zu sein, die Führung des Spitals für die nächste Zeit einmal in staatliche Hände zu geben. Zehn Jahre früher als geplant und erwartet. Doch die Community versucht weiterhin, alles Erdenkliche in Bewegung zu bringen, um das Unmögliche möglich werden zu lassen: Ihr Charitable Hospital – das Ihnen bis jetzt so viel geholfen hat. Wir sind weiterhin für Verhandlungen offen und beobachten das Geschehen, derzeit ohne Verwendung von Spendengeldern.

Wir hoffen, dass die staatlichen Behörden mit der von uns aufgebauten Infrastruktur wertvolle Dienste für die Menschen hier in der Umgebung werden leisten können. Die vielen PatientInnen aus weit entfernten Gegenden, denen hier durch die hochqualitativen, wenn notwendig oft Gratis-Leistungen, geholfen wurde, werden in Zukunft wohl ausbleiben. Vor allem auch deswegen, weil die naturheilkundlichen Behandlungen in unmittelbarer Nähe des Spitals als unerwünscht angesehen werden.

So viele liebe Gäste und HelferInnen wollten mit ihrem Wissen einen großen Beitrag für das Spital leisten. Ihnen, wie auch uns, waren die Hände gebunden. Doch wir nutzten die wertvolle Zeit und organisierten Erste-Hilfe-Kurse – für mehr als 250 Angestellte von Africa Amini Alama & Africa Amini Life. Wir gingen mit ihnen und unseren medizinischen Angestellten proaktiv in die Schulen, um Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen. Und in so manchen operativen Techniken konnten wir anhand von „Trockentrainings“ wertvolles Wissen vermitteln.

Noch sind die Verhandlungen nicht abgeschlossen, Covid-19 steht gesundheitspolitisch nun im Vordergrund. Wir beobachten und warten, wie sich die Situation entwickelt, und bleiben unserer Vision treu – Hilfe nicht aufzudrängen, sondern dann zu gewähren, wenn es dringend benötigt und von den lokalen Behörden auch voll unterstützt wird. Denn nachhaltige Veränderungen innerhalb des Landes können nur in Zusammenarbeit mit bestehenden Systemen vorgenommen werden. Wir warten, bis die Zeit dafür reif ist.

Währenddessen ermöglichen wir einem Teil unserer medizinischen Angestellten ihrem weiteren Ausbildungsweg nachzugehen, ihre eigene kleine Praxis aufzubauen – zum Dienste der Menschen hier – oder aber von uns organisierte Aufklärungsarbeit in lokalen Gemeinden durchzuführen. So starten wir ein Programm der medizinischen Vorsorge und Aufklärung in den lokalen Schulen mit einem unserer besten Health Care Arbeiter. Weiters bauen wir im Sinne des Permakultur-Gedankens die Versorgung unserer Kinder mit multivitaminreichem Moringa und Baobab aus, ersteres wird in unseren eigenen Plantagen in großen Mengen geerntet.

Hier ein Foto von unserem großartigen Team, mit dem wir das Spital in Momella zum Wohle der PatientInnen aufgebaut haben. Sie alle sagen DANKE, denn zusammen mit Eurer finanziellen und fachlichen Unterstützung und ihrem eigenen Engagement konnten sie so vielen Menschen in all den Jahren helfen. Das Wissen in Ihnen lebt weiter…
Wir könnten an Strategien, Plänen, Gebäuden, Projekten festhalten und uns darauf konzentrieren, diese mit viel Kraft und unter Gefährdung anderer Projekte aufrechtzuerhalten. Wir könnten uns beklagen. Doch wir können auch in all den Herausforderungen die neue Dynamik sehen und diese Kraft verwenden, um Veränderungen zuzulassen und umzusetzen. Es scheint dies eine Zeit zu sein, in dem wir alle in unserem eigenen Umfeld genau mit dieser Lernaufgabe konfrontiert sind. Und wir können alle nicht abschätzen, in welche Richtung es gehen wird.

Doch wir wissen, dass diese Erfahrungen nicht umsonst sind, uns etwas lehren wollen. Wenn wir uns einlassen und nicht dagegen ankämpfen, wird etwas Neues entstehen. Und ich hoffe, dass wir, nachdem wir durch all dies gemeinsam durchgegangen sind, nicht sagen werden: „Nun ist alles wieder beim Alten“ sondern dankbar sein werden, dass wir an einem anderen, besseren Ausgangspunkt stehen werden. Auch wenn wir es im Moment nicht sehen, wir hier, im Projekt Africa Amini Alama, bewahren nun Ruhe, helfen dort, wo es möglich ist und vertrauen darauf, dass wir einen Schritt in eine neue Richtung und Qualität werden machen können.

Dafür brauchen wir Hilfe, und danken all unseren UnterstützerInnen, welche die Menschen hier in den eigenen schwierigen Zeiten nicht vergessen. Denn was uns in diesen letzten Wochen deutlich gezeigt wird: Wir sind nicht allein, wir gehen hier alle durch einen gemeinsamen Prozess – wie nie zuvor. Und dies wird uns auch gemeinsam in unsere ureigenste Kraft bringen.

An dieser Stelle möchte ich von Seiten unserer Kinder Mut, Freude und Hoffnung schicken. Wir sind für unsere Kids da. Wir schauen auf sie. Es geht ihnen gut… Dank Eurer Unterstützung!
 
Wir halten die Stellung und lassen Euch an den Entwicklungen hier teilhaben,
Cornelia & Christine Wallner
 
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Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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