Sars-CoV-2 -Herdenimmunität. Eine Annäherung

Das langfristige Ziel der Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus ist, Herdenimmunität in der österreichischen Bevölkerung zu erreichen – dann bleiben weitere Ansteckungen aus. 

Hat jemand Sars-CoV-2 überstanden, ist man danach immun gegen das Virus und kann die Infektion nicht mehr weitergeben. Sind ausreichend Menschen immun, spricht man von Herdenimmunität. Wie kommt es dazu? Laut Experten werde der Großteil der Bevölkerung die Infektion nicht bemerken oder zumindest einen leichten Verlauf von Covid-19 haben. Bei Influenza würde es ausreichen, wenn 40 bis 50 Prozent der Bevölkerung immun sind, um Herdenimmunität zu erreichen, beim Coronavirus 50 – 70 Prozent. Die Zahlen beruhen auf der Beobachtung, dass jeder Infizierte das Virus durchschnittlich auf zwei bis drei weitere Menschen überträgt. Sind nun aber mehr als zwei der drei Menschen in seiner Umgebung immun, gerät das Virus in die Sackgasse. Es wäre der Anfang von seinem Ende. Dieses Phänomen wird Herdenimmunität genannt. Es ist zunächst nichts weiter als eine biologische Entwicklung.

Soll man auf eine rasante Ausbreitung von Sars-CoV-2 setzen, um Herdenimminität zu erreichen? Zum politischen Thema wurde es , weil einige hochrangige Experten andeuteten, man könne diese Entwicklung womöglich forcieren. Patrick Vallance, Englands oberster wissenschaftlicher Regierungsberater, hatte davon gesprochen, dass das Land „etwas Herdenimmunität aufbauen“ sollte. In den Niederlanden hatte Jaap van Dissel, oberster Virologe am Reichsinstitut für Volksgesundheit und Umwelt gesagt: „Der Gedanke ist: Wir wollen das Virus kontrolliert unter jenen sich verbreiten lassen, die damit wenig Probleme haben.“

Eine solche Strategie hat man in Großbritannien und den Niederlanden verfolgt, beide Staaten sind aber vor Kurzem davon abgerückt. Menschen mit geringem Risiko für schwere Covid-19-Verläufe sollten die Infektion möglichst schnell durchmachen und damit immun werden. Solange sollten die besonders gefährdeten Menschen – Ältere und bereits anderweitig Erkrankte – geschützt werden, in dem man sie von den anderen fernhält.  Viele Experten haben wegen der prognostizierten Todesfälle und der Überlastung des Gesundheitssytems schon vorher massiv davor gewarnt.

Aber: Ende Februar wurden mehrere Fälle bekannt, in denen Tests nach Abklingen der Symptome bei einer Person ein zweites Mal Sars-CoV-2 nachweisen konnten (Jama: Lan Lan et al., 2020). Das warf die Frage auf, ob das ein Hinweis sein könnte, dass Genesene nicht immun sind gegen eine neue Infektion. Forschende halten das aber für unwahrscheinlich. Die Virologin Isabella Eckerle von der Universität Genf geht trotz der Berichte davon aus, dass jemand, der die Infektion überstanden hat, Jahre lang immun sein dürfte. Sie warnt davor, positive Tests mit Neuinfektionen zu verwechseln.

Quellen/Links:

Süddeutsche Zeitung;

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung;

ORF;

Weltgesundheitsorganisation;

Die Presse;

Die Zeit;

Rainer Hilbrand

 

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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