Riskantes Recycling: Forscher aus Graz und Südafrika zeigen Gefährdung durch Alu-Kochtöpfe

Die ÖsterreicherInnen sind enthusiastische SammlerInnen und WiederverwerterInnen – nämlich von Müll. Pro Kopf kamen in der Steiermark im Jahr 2018 rund 124 Kilogramm aus Papier, Glas, Leichtverpackungen und Metall zusammen. Vieles davon kann dank Recycling nochmals verwendet werden. Dass Wiederaufbereitung auch falsch laufen und sogar große Gefahren für die Gesundheit mit sich bringen kann, zeigt eine aktuelle Forschungszusammenarbeit zwischen der Universität Graz und dem South African Medical Research Council.

In Südafrika produzieren inoffizielle Kleinstfirmen auf eigene Faust Aluminium-Kochgeschirr aus alten Auto-Motoren und verkaufen die großen, leichten Töpfe billig auf Märkten, an Straßenecken und teilweise auch in öffentliche Einrichtungen, wie etwa Kindergärten. „Aluminium steht im Verdacht, an der Entstehung verschiedener Krankheiten, von Alzheimer bis hin zu bestimmten Krebsarten, beteiligt zu sein. In Europa ist das längst bekannt, in Afrika sind sich dessen nur sehr wenige KonsumentInnen bewusst“, beschreibt die südafrikanische Ernährungswissenschafterin Nokulunga Cele die Situation vor Ort.

Gemeinsam mit Walter Gössler vom Institut für Chemie der Universität Graz hat die Forscherin rund 300 Essensproben – bestehend primär aus Tomatensauce und Hafermark, beides Hauptnahrungsmittel für viele SüdafrikanerInnen – in verschiedenen Aluminium-Töpfen aus ihrer Heimat zubereitet und danach getestet. „Die ersten Proben, die wir nach kurzer Kochzeit entnommen haben, zeigten eine enorm hohe Aluminium-Belastung von über 500 mg/kg“, schildert Gössler. Mit zunehmender Kochzeit verringerte sich der Aluminium-Gehalt im Essen zwar merklich, blieb aber dennoch auf einem Level, der die Gesundheit beeinträchtigen kann. Als unbedenklich gilt laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit eine Aluminium-Aufnahme von einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Erste Ergebnisse der Studie wurden vor Kurzem im Journal „Science of the Total Environment“ veröffentlicht.

Für das hierzulande vor allem bei CamperInnen beliebte Aluminium-Kochgeschirr besteht übrigens keine vergleichbare Gefahr, solange es nicht mit stark sauren oder stark salzhaltigen Lebensmitteln in Kontakt kommt, gibt Gössler Entwarnung.

Geförderte, bilaterale Forschungszusammenarbeit

Die Zusammenarbeit kam über das internationale Kooperationsprogramm „Wissenschaftlich-Technischen Zusammenarbeit“ des österreichischen Austauschdienstes ÖAD zustande. Im Rahmen dieser Abkommen werden mit ausgewählten Partnerländern alle zwei Jahre Ausschreibungen für bilaterale Forschungsprojekte durchgeführt.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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