VCÖ begrüßt Aus für Tempo 140 – Tempolimits besser kontrollieren

Am Sonntag endet in Österreich der Tempo 140 Versuch. Der VCÖ begrüßt das Aus, denn mit dem Tempo nehmen Spritverbrauch, Lärm, Schadstoffausstoß und klimaschädlicher CO2-Ausstoß zu. Die hohen Toleranzgrenzen in Österreich sind nach Schweizer Vorbild zu senken, die Tempokontrollen deutlich zu verbessern, betont der VCÖ. Tempolimits sind eine kostengünstige und wirksame Maßnahme, um die CO2-Emissionen des Verkehrs zu reduzieren. In der Schweiz gilt so wie in fünf EU-Staaten Tempo 120 auf Autobahnen. In den Niederlanden gilt ab Mitte März so wie in Norwegen Tempolimit 100.

Nach 19 Monaten endet am Sonntag der Tempo 140 Versuch auf zwei Autobahnabschnitten der A1 in Niederösterreich und Oberösterreich. Dafür, dass auf weniger als vier Prozent des Autobahnnetzes eine um 10 km/h höhere Geschwindigkeit erlaubt war, wurde ein zusätzlicher CO2-Ausstoß in Kauf genommen. Dieser beträgt auf Basis von Daten, die von der Asfinag präsentiert wurden, mehr als 9.000 Tonnen CO2. „In Zeiten der Klimakrise, in der es wichtig ist rasch die Emissionen des Verkehrs zu reduzieren, sind Maßnahmen, die zu mehr CO2-Ausstoß führen völlig kontraproduktiv“, stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest. Da die von der Asfinag präsentierten Zahlen auf Messungen beruhten, die nur im Sommer, aber nicht in der kalten Jahreszeit durchgeführt wurden, ist davon auszugehen, dass die durch den Tempo 140 Versuch verursachten Emissionen sogar noch deutlich höher sind. Denn in der kalten Jahreszeit weisen Pkw mit Verbrennungsmotor höhere Emissionen auf. 

Der VCÖ fordert, dass wie im Regierungsprogramm verankert, rasch Maßnahmen zur besseren Einhaltung der Tempolimits umgesetzt werden. Nach Schweizer Vorbild sind die bestehenden Toleranzgrenzen zu reduzieren. „Für Lkw gilt Tempolimit 80 auf Autobahnen und Schnellstraßen. Tatsächlich fahren aber die meisten 90 km/h oder schneller. Als Transitland leiden wir unter der massiven Belastung durch den Lkw-Verkehr. Beim Überschreiten von Tempolimits ist Toleranz völlig fehl am Platz“, so VCÖ-Sprecher Gratzer. 

Tempolimits zählen zu den kostengünstigsten Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr. Wie der im Vorjahr präsentierte Sachstandsbericht des Umweltbundesamts zeigt, können mit Tempolimits jährlich mehrere hunderttausend Tonnen CO2 vermieden werden. Bereits im Jahr 2018 hat die damalige Bundesregierung beschlossen, dass der Verkehr im Jahr 2030 um ein Drittel weniger  CO2 ausstoßen muss. Doch anstatt zu sinken, sind die Emissionen des Verkehrs im Vorjahr erneut gestiegen. Damit muss der Verkehr seinen jährlichen Ausstoß in nur zehn Jahren bereits um über acht Millionen Tonnen reduzieren. 

In Europa gibt es zahlreiche Staaten, in der niedrigere Tempolimits als in Österreich gelten. Tempolimit 120 gilt neben der Schweiz auch in den EU-Staaten Belgien, Finnland, Irland, Portugal und Spanien, informiert der VCÖ. In Schweden gilt Tempo 110, im ehemaligen EU-Land Großbritannien gilt umgerechnet Tempolimit 112 km/h. In den Niederlanden wird ab Mitte März zwischen 6 und 19 Uhr Tempo 100 gelten, um den Stickoxid-Ausstoß, aber auch um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Tempo 100 gilt bereits in Zypern und außerhalb der EU in Norwegen. 

VCÖ: In vielen europäischen Staaten ist Tempolimit auf Autobahnen niedriger als in Österreich 

100 km/h: Norwegen, Zypern, Niederlande (ab 16. März, tagsüber von 6 bis 19 Uhr) 

110 km/h: Schweden, Albanien, Großbritannien

120 km/h: Belgien, Finnland, Irland, Mazedonien, Portugal, Schweiz, Serbien, Spanien

130 km/h: Dänemark, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Litauen, Luxemburg, Montenegro, Niederlande, Österreich, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn

Richtgeschwindigkeit 130 km/h: Deutschland
140 km/h: Bulgarien, Polen 

Keine Autobahnen: Estland, Litauen, Malta

Quelle: EU-Kommission, VCÖ 2020

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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