Zweitwärmster Winter der Messgeschichte

Vorläufige Winterbilanz der ZAMG: Winter 2019/2020 um 2,7°C über dem vieljährigen Mittel. Schneemengen im Großteil Österreichs deutlich unterdurchschnittlich.

Info: Die vorläufige Klimabilanz zum Monatsende basiert auf der ersten Auswertung der rund 270 Wetterstationen der ZAMG sowie auf der räumlichen Klimaanalyse an 84.000 Datenpunkten in Österreich mittels SPARTACUS . Die Daten der Wetterstationen reichen zum Teil bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die SPARTACUS-Daten sind flächendeckend bis ins Jahr 1961 verfügbar.

Der Winter 2019/2020 im Überblick

„Der Winter 2019/20 war extrem mild. Er lag im Tiefland Österreichs um 2,7 Grad über dem vieljährigen Mittel und ist hier der zweitwärmste Winter der 253-jährigen Messgeschichte“, sagt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „An der Spitze liegt der Winter 2006/07 mit 3,4 Grad über dem Mittel. Den dritten Platz teilen sich die Winter 2013/2014 und 2015/2016 mit 2,6 Grad über dem Mittel.“

Kaum Nord- oder Ostwetterlagen
Im Winter 2019/20 dominierten wechselhafte Westwetterlagen, die vom Atlantik milde Luft nach Österreich brachten und Hochdrucklagen, mit sonnigem, mildem Wetter im Bergland und teils zähem Nebel im Flachland. Kalte Wetterlagen mit Nord- oder Ostströmung gab es dagegen nur selten.

Winter werden immer wärmer
Der Winter 2019/20 bestätigt den Trend zu immer milderen Wintern in den letzten Jahrzehnten. „Deutlich zu kalte Winter waren in den letzten 50 Jahren die Ausnahme, die meisten Winter waren überdurchschnittlich warm. Die vier wärmsten Winter der 253-jährigen Messgeschichte waren in den 2000er-Jahren. Einer der wenigen deutlich zu kalten Winter der letzten Jahre war 2005/06 mit 2,1 Grad unter dem Mittel der Klimavergleichsperiode 1981 bis 2010″, sagt ZAMG-Klimatologe Orlik.

Auch auf den Bergen extrem mild
Auf den Bergen war 2019/20 der viertwärmste Winter der Messgeschichte. Im Februar gab es sogar vereinzelt Rekorde. So hatte es am 17. Februar am Sonnblick, in 3106 Meter Seehöhe, +3,9 Grad. Das war die höchste Temperatur in einem Februar seit Beginn der Messungen am Sonnblick im Jahr 1886. Zum Vergleich: An einem durchschnittlichen Tag im Februar beträgt das Tagesmaximum der Lufttemperatur am Sonnblick -9 Grad.

In Innsbruck und Salzburg kein einziger Eistag
Der Winter 2019/20 brachte im Großteil Österreichs um mehr als 75 Prozent weniger Eistage (Temperatur ganztägig unter 0 Grad) als ein durchschnittlicher Winter. An den ZAMG-Wetterstationen Innsbruck Universität und Salzburg Freisaal gab es sogar im gesamten Winter keinen einzigen Eistag. Das kam in der Messgeschichte dieser Messstationen erst ein Mal vor, im Winter 2013/14. Linz erreicht diesen Winter mit nur zwei Eistagen einen neuen Negativrekord. In einem durchschnittlichen Winter gibt es hier 20 Eistage.

Eistage (ganztägig unter 0 Grad) im meteorologischen Winter

Neue Minimum-Rekorde bei der Zahl der Tage mit Schneedecke
Der Winter 2019/20 brachte im Großteil Österreichs auch relativ wenig Schnee. Extrem war die Situation in tiefen Lagen. „In fünf Landeshauptstädten gab es noch nie so wenige Tage mit einer geschlossenen Schneedecke wie in diesem Winter. Das waren Bregenz, Linz, St. Pölten, Graz Universität und Wien Hohe Warte“, sagt ZAMG-Klimatologe Orlik.

Nur vereinzelt normale Neuschneemengen
Die Summe der täglichen Neuschneemenge lag selbst in höheren Lagen meist um 10 bis 50 Prozent unter einem durchschnittlichen Winter. Nur ganz vereinzelt gab es um 10 bis 30 Prozent höhere Neuschneesummen als im Mittel, wie in Seefeld (T, 1198 m), in Obertauern (S, 1772 m) und in Rauris (S, 934 m).

Viel Sonne, trockener Osten und Süden
Die Zahl der Sonnenstunden lag in diesem Winter in der österreichweiten Auswertung um 20 Prozent über dem Mittel und war eine der fünf höchsten der vergangenen 95 Jahre.Sehr unterschiedlich verteilt waren die Niederschlagsmengen. Im Süden und stellenweise im Osten Österreichs war der Winter 2019/20 um 15 bis 50 Prozent trockener als im Mittel. Der Westen und der Norden Österreichs verzeichneten hingegen größtenteils um 15 bis 40 Prozent mehr Niederschlag als im Mittel.

Der Winter 2019/2020 im Detail

Temperatur

In Österreich gab es in den vergangenen 253 Jahren nur einen Winter, der wärmer war als der Winter 2019/2020. Mit einer Temperaturabweichung von +2,7 °C zum Mittel 1981-2010 (Datensatz HISTALP-Tiefland) war dieser Winter in Österreich der zweitwärmste seit dem Beginn der instrumentellen Messungen im Jahr 1767. Damit liegt er knapp vor den Wintern 2013/2014 und 2015/2016, die um 2,6 °C wärmer verliefen als das klimatologische Mittel. Unangefochten an erster Stelle liegt der Winter 2006/2007 mit einer Anomalie von +3,4 °C.

In Österreich gab es in den vergangenen 253 Jahren nur einen Winter, der wärmer war als der Winter 2019/2020. Mit einer Temperaturabweichung von +2,7 °C zum Mittel 1981-2010 (Datensatz HISTALP-Tiefland) war dieser Winter in Österreich der zweitwärmste seit dem Beginn der instrumentellen Messungen im Jahr 1767. Damit liegt er knapp vor den Wintern 2013/2014 und 2015/2016, die um 2,6 °C wärmer verliefen als das klimatologische Mittel. Unangefochten an erster Stelle liegt der Winter 2006/2007 mit einer Anomalie von +3,4 °C.

Den größten Anteil zu diesem ungewöhnlich warmen Winter leistete der Februar 2020, der voraussichtlich um 4,0 °C wärmer ausfallen wird als ein durchschnittlicher Februar. Ebenfalls deutlich zu warm verlief der Dezember 2019, der um 2,4 °C wärmer war als das klimatologische Mittel. Die Anomalie im Jänner 2020 betrug in Österreich +1,7 °C. (Anomalien beziehen sich auf den HISTALP-Tiefland-Datensatz)

In weiten Teilen des Landes lagen die Temperaturabweichungen zum klimatologischen Mittel über +3,0 °C. Die höchsten regionalen Anomalien von +3,5 bis +3,9 °C traten in Oberösterreich und im westlichen Niederösterreich auf. Die Tallagen der inneralpinen Regionen, vom Arlberg bis in die Steiermark, waren mit Abweichungen zum Mittel von +1,5 bis +2,5 °C die relativ kältesten Gebiete des Landes.

Am deutlichsten zeigt sich das milde Wetter dieses Winters bei der Anzahl der Eistage (Tage, an denen die Lufttemperatur unter 0 °C bleibt). Österreichweit gab es in diesem Winter um durchschnittlich drei Viertel weniger Eistage als im Mittel und damit ähnlich wenige wie im Winter 2006/2007. An den Wetterstationen Innsbruck Flughafen und Innsbruck Universität sowie Salzburg Freisaal gab es überhaupt keinen Eistag. Das kam an diesen Wetterstationen erst ein Mal vor, im Winter 2013/2014. Aber auch in höheren Lagen lag die Zahl der Eistage deutlich unter dem Klimamittel. Der Feuerkogel (O, 1618 m) verzeichnete in diesem Winter 17 Eistage, im Mittel sind es 42. Das ist der zweitniedrigste Wert seit der Errichtung dieser Wetterstation im Jahr 1930.

Extremwerte der Lufttemperatur (Winter 2019/2020, bis 26.02.2020)

Minima und Maxima der mittleren Lufttemperatur (Winter 2019/2020, inkl. Prognosen)

Niederschlag

Insgesamt war die Niederschlagausbeute in diesem Winter, gemittelt über das gesamte Bundesgebiet, nahezu ausgeglichen. Im Flächenmittel summierte sich, verglichen mit dem Mittel 1981-2010, um 3 Prozent weniger Niederschlag. Entlang des Alpennordrandes, von Vorarlberg bis zum Schneeberggebiet, sowie im Waldviertel und im nördlichen Weinviertel war der Winter um 15 bis 45 Prozent niederschlagsreicher als in einem durchschnittlichen Winter. Relativ trocken war es hingegen südlich des Alpenhauptkammes sowie im Südosten Niederösterreichs und im nördlichen Burgenland. In diesen Regionen fiel, verglichen mit dem Mittel 1981-2010, um 15 bis 50 Prozent weniger Niederschlag.

Die Niederschlagsverteilung war im Dezember ausgeglichen, jedoch war es in diesem Monat im Norden des Landes deutlich zu trocken. Der Jänner 2020 war mit einem Defizit von 57 Prozent der trockenste seit dem Jahr 2002. Der Februar war dagegen sehr niederschlagsreich und brachte österreichweit um 40 Prozent mehr Niederschlag. Jedoch war es südlich des Alpenhauptkammes wieder deutlich zu trocken.

Minima und Maxima des Niederschlags (Winter 2019/2020, bis 26.02.2020)

Schnee

Vor allem durch die hohen Temperaturen war der Winter 2019/2020 sehr schneearm. In fünf Landeshauptstädten war die Anzahl der Schneedeckentage geringer als die bisherigen Minima an der jeweiligen Wetterstation. Dazu zählen Bregenz, Linz, St. Pölten, Graz-Uni und Wien-Hohe Warte. Generell gab es in Österreich nur wenige Wetterstationen an denen, mehr Neuschnee fiel als es in einem durchschnittlichen Winter zu beobachten ist.

Die größte Schneearmut inneralpin gab es vor allem südlich des Alpenhauptkamms in allen Höhenlagen. Dies machte sich hier wiederum bei den Neuschneemengen bemerkbar, da es hier zusätzlich zu den hohen Temperaturen deutlich weniger Niederschlag gab. In Dellach im Drautal (K, 628 m) gab es nur 5 anstatt 60 Tage mit einer Schneedecke und die Neuschneesumme kam nur auf 13 statt 78 cm. Auch in Preitenegg (K, 1034 m) erreichten die Neuschneesummen von 20 cm im diesjährigen Winter das klimatologische Mittel von 91 cm bei weitem nicht. Die Anzahl der Schneedeckentage lag hier mit insgesamt 13 Tagen um 83 Prozent ebenfalls deutlich unter dem vieljährigen Mittel.

Nördlich des Alpenhauptkammes waren es vorwiegend die tieferen Tallagen, in denen deutlich weniger Schnee fiel bzw. liegen blieb. Im Inntal und im Salzachtal betrug das Defizit an Schneedeckentagen 10 bis 75 Prozent. Auch die Neuschneesummen lagen in diesen Bereichen um 20 bis 75 Prozent unter dem vieljährigen Mittel. Mit zunehmender Seehöhe erreichten die Schneedeckentage vermehrt die Normalwerte, wobei die Neuschneehöhen großteils unterdurchschnittlich ausfielen (-10 bis -50 Prozent). Vereinzelt, beispielsweise in Seefeld (T, 1198 m), Obertauern (S, 1772 m)und Rauris (S, 934 m), summierte sich sogar um 10 bis 30 Prozent mehr Neuschnee als in einem durchschnittlichen Winter.

Sonne

Der Winter 2019/2020 war außergewöhnlich sonnig und gehört mit einer Abweichung von +20 Prozent (zum Mittel 1981-2010) zu den fünf sonnigsten Wintern der vergangenen 95 Jahren. Besonders groß waren die Anomalien vom Innviertel bis ins Mostviertel, stellenweise im Weinviertel sowie in Unterkärnten und in der südlichen Steiermark. Hier gab es, verglichen mit dem vieljährigen Mittel, um 30 bis 50 Prozent mehr Sonnenstunden. In den anderen östlichen und südlichen Landesteilen wie Osttirol, Oberkärnten, Obersteiermark, Niederösterreich, Wien und im Burgenland sowie im Rheintal schien die Sonne um 10 bis 30 Prozent häufiger als im Mittel. Vom Arlberg bis Salzburg entsprach die Anzahl der Sonnenstunden dem klimatologischen Mittel.

Minima und Maxima der Sonnenscheindauer ( Winter 2019, bis 26.11.2019)

Winter 2019: Übersicht Bundesländer

Anmerkung

Die Bezeichnung „vieljähriges Mittel“ betrifft die Klimaperiode 1981-2010.
Alle Daten sind vorläufige Werte und setzen sich nach Möglichkeit aus den Messungen bis zum gestrigen Tag und den Vorhersagen bis zum Ende des Monats zusammen. Die endgültige Bilanz ist ab der zweiten Woche des Folgemonats auf www.zamg.at/cms/de/klima/klima-aktuell abrufbar.

2019/20 ist zweitwärmster Winter der Messgeschichte. Die zu milden Winter werden immer häufiger, die zu kalten immer seltener. Dargestellt ist die Abweichung der Temperatur seit 1767 im Vergleich zum Klimamittel des 20. Jahrhunderts, basierend auf HISTALP-Daten. Die gemittelte Linie (schwarz) zeigt das in den letzten Jahren sehr hohe Temperaturniveau. Grün markiert ist der Unsicherheitsbereich für diesen Winter. Quelle ZAMG.
Temperatur im Winter 2019/20: Abweichung der Temperatur vom vieljährigen Mittel 1981-2010. Auswertung mit SPARTACUS-Daten bis inkl. 26.2.2020. Quelle ZAMG.
Niederschlag im Winter 2019/20: Vergleich des Niederschlags mit dem vieljährigen Mittel 1981-2010. 100 Prozent entsprechen dem Mittel. Auswertung mit SPARTACUS-Daten bis inkl. 26.2.2020. Quelle ZAMG.
Web-Links
Klima Übersichten: 
www.zamg.at/cms/de/klima/klima-aktuell
Wettervorhersage: www.zamg.at/prognose
Warnungen Österreich: www.zamg.at/warnungen
Warnungen Europa: www.meteoalarm.eu
ZAMG allgemein: www.zamg.at und www.facebook.com/zamg.at
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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