VCÖ: In der Steiermark geht Schere zwischen Stadt und Land bei Autobesitz immer weiter auseinander

VCÖ: Südoststeiermark und Hartberg-Fürstenfeld erstmals mehr als 700 Pkw pro 1.000 Einwohner

VCÖ: Regionen brauchen mehr Öffentlichen Verkehr, Carsharing und Radwege

VCÖ (Wien, 24. Februar 2020) – Die Schere zwischen Stadt und Land geht beim Pkw-Motorisierungsgrad in der Steiermark immer weiter auseinander, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Während in Graz auf 1.000 Bewohner 477 Pkw kommen, sind es in der Südoststeiermark und in Hartberg-Fürstenfeld bereits jeweils 703. Noch im Jahr 1991 gab es in Graz eine höhere Pkw-Dichte als im Gebiet des heutigen Bezirks Südoststeiermark. In den Regionen braucht es mehr Öffentlichen Verkehr, mehr Radwege und nicht-kommerzielle Carsharing-Angebote, betont der VCÖ. Der VCÖ ruft zur Teilnahme an der Aktion „Autofasten“ der katholischen und evangelischen Kirche auf.

Im Vorjahr hat in allen steirischen Bezirken die Zahl der Autos stärker zugenommen als die Einwohnerzahl, in den Regionen deutlich stärker als in Graz, informiert der VCÖ. In Graz nahm der Pkw-Motorisierungsgrad von 475 auf 477 zu, im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld von 697 auf 703 und in der Südoststeiermark von 695 auf 703 und damit deutlich stärker. „Dabei war früher die Autoanzahl in den großen Städten höher als in den Regionen“, weist VCÖ-Experte Michael Schwendinger auf die Daten der steirischen Landesstatistik hin. Im Jahr 1985 kamen in Graz auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner 348 Pkw und im Gebiet des heutigen Bezirks Hartberg-Fürstenfeld nur 336 und in der heutigen Südoststeiermark nur 320. Noch im Jahr 1991 war die Pkw-Dichte in Graz mit 411 höher als in der heutigen Südoststeiermark mit 407.  

„Früher war ein hoher Motorisierungsgrad ein Zeichen von Wohlstand und Freiheit, heute ist er ein Indiz für Mangel und Abhängigkeit. Mangel an öffentlichen Verkehrsverbindungen und Nahversorgung, und dadurch Abhängigkeit vom Auto“, stellt VCÖ-Experte Schwendinger fest.

Fehler der vergangenen Jahrzehnte rächen sich heute. Statt Ortskerne und Nahversorgung zu stärken, nahm die Zersiedelung massiv zu. Statt der Bevölkerung ein vielfältiges Mobilitätsangebot mit Öffentlichem Verkehr und Radwegen anzubieten, wurden Bahnlinien geschlossen und lediglich Autostraßen ausgebaut.  

„Das Umdenken hat bereits begonnen, die Verkehrsplanung von heute versucht die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Das ist wichtig, denn in Zeiten der Klimakrise muss es den Menschen so einfach wie möglich gemacht werden, Alltagserledigungen ohne Auto zu machen“, stellt VCÖ-Experte Schwendinger fest.

Um die Freiheit in der Verkehrsmittelwahl auch in den Regionen zu erhöhen, sind mehr Bahn- und Busverbindungen nötig, die um nachfrageorientierte Mikro-ÖV-Angebote zu ergänzen sind. Zudem ist die Infrastruktur für den Radverkehr stark auszubauen. Denn auch in den Regionen sind rund die Hälfte der Alltagswege kürzer als fünf Kilometer. Ein großes Potenzial sieht der VCÖ in den Regionen auch in nicht-kommerziellem Carsharing. Zweit- und Drittautos, deren Anzahl massiv zunimmt, sind im Schnitt lediglich eine halbe Stunde pro Tag im Einsatz, und damit vor allem Stehzeuge statt Fahrzeuge. Bei all diesen Maßnahmen sieht der VCÖ den Bund gefordert, das Land, die Bezirke und Gemeinden stärker als bisher zu unterstützen.    

Zudem ruft der VCÖ zur Teilnahme an der Aktion „Autofasten“ der katholischen und evangelischen Kirche auf. Dabei ist das Ziel, in der Fastenzeit möglichst selten Auto zu fahren. Nicht aus Gewohnheit ins Auto steigen, sondern vorher überlegen, ob es nicht auch Alternativen zum Auto gibt. Bei kurzen Strecken zum Beispiel zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Oder dort, wo es öffentliche Verkehrverbindungen gibt, Bahn und Bus benutzen. Und: Auch durch Fahrgemeinschaften lassen sich viele Autofahrten einsparen. Mehr Informationen gibt es unter www.autofasten.at

VCÖ: Schere zwischen Stadt und Land geht bei Autobesitz immer stärker auseinander (Pkw pro 1.000 Einwohner im Jahr 2019 – in Klammer Jahr 2018 )

1. Graz: 477 Pkw pro 1.000 Einwohner  (475 Pkw)

2. Bezirk Leoben: 593(585)

3. Bezirk Bruck-Mürzzuschlag: 605 (599)

4. Bezirk Murtal: 620 (611)

5. Bezirk Liezen: 623 (616)

6. Bezirk Murau: 653 (646)

7. Bezirk Graz-Umgebung: 660 (655)

8. Bezirk Voitsberg: 674 (666)

9. Bezirk Leibnitz: 676 (668)

10. Bezirk Weiz: 685 (676)

11. Bezirk Deutschlandsberg: 686 (680)

12. Bezirk Südoststeiermark: 703 (695)

13. Bezirk Hartberg-Fürstenfeld: 703 (697)

Steiermark: 616 (610)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2020

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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